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Zukunftsmarkt Polen Wachstum und Konsolidierung
Polen ist die sechstgrößte Volkswirtschaft in der Europäischen Union. Seit dem
EU-Beitritt 2004 verzeichnet das Land EU-weit die höchsten Zuwachsraten.
So wuchs das Brutto-Inlandsprodukt selbst im Krisenjahr 2009 um 1,6 Prozent,
2011 um fast 4 Prozent. In fast jedem zweiten Haushalt leben Hunde und Katzen,
das Verhältnis zum Heimtier hat sich in weiten Teilen der Bevölkerung
während der letzten Jahre rasant gewandelt. Entsprechend werden Heimtiere
immer häufiger als Familienmitglieder gesehen.
Fahren Sie doch einmal einfach
nach Polen und Sie werden sehen
und hören, wie viele Hunde und Katzen
die Vorgärten in Stadt und Land rund
um die Uhr beleben. Deutsche Nachtruhe
ab 22 Uhr, weil das Nachbarskind morgens
ausgeschlafen zur Schule kommen soll?
Unvorstellbar.
 | | Malte Schwien, Geschäftsführer der Zoofachhandelskette Kakadu GmbH in Polen mit Sitz in Warschau, lebt seit 1992 in Polen. |
Noch vor gut 10 Jahren wurde fertiges
Tierfutter mit ungläubigem Kopfschütteln
von Hundehaltern zur Kenntnis genommen.
Und dass man ein Hundehäufchen
auf dem Spaziergang selbst entsorgen
kann und sollte, ist erst seit gut einem Jahr
ein ernstzunehmendes öffentliches Thema
geworden.
Was will ich damit sagen: Die Veränderungen
in Polen nach der Wende in Europa
1989 haben viel Energie gebraucht, materiell
und mental. Und unsere Haustiere
standen nicht auf der ersten Stelle der langen
Liste der nötigen Veränderungen zu einem
modernen Land mit Lebensqualität.
Heutzutage wächst das Bewusstsein der
polnischen Tierhalter von gesunder Ernährung
und angemessener Haltung ihrer
Lieblinge von Jahr zu Jahr. Und zum Glück
steigt in den meisten Haushalten auch das
verfügbare Einkommen.
Dennoch sagen Marktforscher, dass
heute weiterhin nur 15 bis 20 Prozent der
Hunde- und Katzenhalter fertiges Futter
servieren, geschweige denn hochwertige
Kost aus dem Premium-Segment. In Westeuropa
spricht man heute von 75 bis 90
Prozent.
Angesichts eines Marktes von geschätzt
9 Millionen Hunden und 5 Millionen Katzen
lässt diese Perspektive sicher das Herz
der Branche höher schlagen: Der polnische
Zoofachmarkt ist ein riesiger Zukunftsmarkt.
Freunde zuverlässiger Statistiken und
Zahlen muss ich enttäuschen. Wirklich zuverlässige
Zahlen zur Größe des polnischen
Markts für Tiernahrung und sonstigen
Zoobedarf gibt es zurzeit nicht. Dies
liegt im Wesentlichen an der weiterhin unüberschaubaren
Struktur des Marktes sowie
der Unzuverlässigkeit der gemachten
Angaben und ggf. darauf beruhenden
Schätzungen insbesondere im Bereich des
Fachhandels.
Ernstzunehmende Schätzungen der großen
Mafo-Institute wie Euromonitor International
und AC Nielsen/MEMBR liegen
bei einem Volumen von 400 bis 500 Mio.
Euro Verkaufsumsatz für den Gesamtmarkt
im Jahr 2011.
Der größte Anteil entfällt auf Tierfutter
im Lebensmittelhandel, insbesondere Hyper-
und Supermärkten und Discountern.
Bis zu 35 Prozent dürfte auf stationäre
Zoofachgeschäfte, Fach-Online-Shops und
sonstige Zooartikel-Vertreiber entfallen.
Ein völlig unüberschaubares Bild ergeben
heute noch die vielen kleinen traditionellen
Marktstände und -buden, die mit einem
begrenzten, preisagressiven Sortiment
von Markenfutter des Zoofachhandels auf
den tausenden polnischen Wochenmärkten
(die tatsächlich die ganze Woche über geöffnet
sind) ihr Geschäft machen. Hier ist eine
bessere Qualitätskontrolle zum Wohle der
Tiere wünschenswert, nicht zuletzt auch
durch die Lieferanten.
Die Entwicklung der stationären Fachgeschäfte
ist sehr unterschiedlich. Viele sind
kleine klassische Familiengeschäfte, oft in
Siedlungen oder einfachen, preiswerten
Lagen in Nebenstraßen gelegen, in denen
auf kleiner Fläche mit viel Enthusiasmus
beraten und verkauft wird, aber nicht immer
mit dem nötigen wirtschaftlichen Erfolg.
Diese Gruppe befindet sich in einer
intensiven Konsolidierung. Nach Branchenschätzungen
haben in den letzten
Jahren ein Drittel der Inhaber solcher
Geschäfte ihr Geschäft aufgegeben.
Im Markt geht man davon aus, dass es
heute gut 2.500 wirtschaftlich gesunde
selbständige Zoofachgeschäfte in Polen
gibt. Ein starkes Wachstum weisen Zoofach-
Online-Shops auf, die durch niedrigere
Preise für Hunde- und Katzenfutter
eine gewisse Bedrohung für den traditionellen
Handel darstellen.
In Fachmarktketten sind heute gut
80 Geschäfte organisiert. Kakadu ist die
Größte von insgesamt sechs Fachmarktketten.
Mit 32 eigenen stationären Geschäften
auf über 13.000 qm Verkaufsfläche
und einem Umsatz von gut 25 Mio. Euro ist
Kakadu klarer Marktführer in Polen. Bis
Ende 2013 plant Kakadu ein Wachstum auf
mindestens 50 Geschäfte. Auch anderen
Ketten wie Aquael Zoo, Zoo Centrum, Zoo
Karina und Zoo Afryka planen die Ausweitung
ihres Geschäfts.
Mit der Konsolidierung des Facheinzelhandels
wird sich auch die Landschaft der
Fachgroßhändler wandeln. Hinsichtlich
Lieferfähigkeit, Marken-Promotion und
Merchandising wachsen die Ansprüche der
professionell geführten Geschäfte an den
Großhandel. Schon heute zeichnen sich in
Polen in diesem Bereich Kooperationen
der Lieferanten ab, die zu einer Konsolidierung
führen werden. Darüber hinaus
werden vertriebsstarke internationale
Marken zunehmend das Direktgeschäft
ohne lokale Zwischenhändler suchen, um
ihre Position im Einzelhandel sicherzustellen
und direkte Partnerschaften mit dem
Einzelhandel aufzubauen.
Die Dynamik der zu erwartenden Entwicklung
in den kommenden Jahren von
mindestens 6 Prozent Wachstum von Jahr
zu Jahr erzwingt von allen Marktbeteiligten
Antizipation, strategisches Denken
und pro-aktives Handeln. Für vorausschauende
Unternehmer gibt es also eine Menge
zu tun. Willkommen in Polen!
Quelle: ZZA 5/2012 Seite 88 |