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"tierisch... Zoo-Shop" in Osnabrück: fünftes "Ausgezeichnetes Zoofachgeschäft"

Reptilien sind Publikumsmagnet

"Ein 170-Quadratmeter-Laden im denkmalgeschützten Altbau ist eine besondere Herausforderung." Das sagt Norbert Holthenrich, der Inhaber von insgesamt vier Zoofachgeschäften ist. Für den 170-Quadratmeter-Laden hat er gerade die Plakette "Ausgezeichnetes Zoofachgeschäft" bekommen. Die Jury mit der Tierärztin Dr. Blank und dem Amtsveterinär Dr. Fröhlich, sowie ZZF-Präsident Klaus Oechsner und dem stellvertretenden ZZF-Geschäftsführer Jörg Turk waren besonders angetan von den Tierverkaufsanlagen im Laden Bierstraße, am Rande der Altstadt von Osnabrück. Sie sind nach den Kriterien, die der Auszeichnung zugrunde liegen, maßgeschneidert - und obendrein an die räumlichen Verhältnisse des Geschäftslokals im Altbau angepaßt.

Das Kunststück hat der Ladenbauer Theiling fertiggebracht, der in Melle - 20 Kilometer von Osnabrück entfernt angesiedelt ist. Holthenrich arbeitet gern mit Theiling zusammen, hat dort auch in der Vergangenheit seine Ladeneinrichtungen bestellt. Neben den guten Erfahrungen, die er mit der Meller Firma machte, spielt für ihn die räumliche Entfernung zu dem Ladenbauer eine Rolle: "Wenn ich irgend etwas brauche, ist Theiling sofort zur Stelle - das läuft eben ganz toll."

Im 170-Quadratmeter-Laden in der Altstadt, so Holthenrich, hat man ein "anderes Sortiment" bereit zu halten. "Also nicht so sehr die Großgebinde, sondern eher die reiche Auswahl an Artikeln, die man eben mal rasch mitnimmt." Natürlich hat er auch in der Bierstraße die 20-Kilo-Säcke Katzenstreu oder große Aquarienanlagen. Die ebenso langlebigen wie sperrigen Verbrauchsgüter, die man sich nicht alle Tage anschafft, liefert der Zoofachhändler frei Haus innerhalb der 150.000-Einwohner-Stadt Osnabrück. Und wenn jemand drei Großgebinde Katzenstreu kauft, kriegt er sie auch nach Hause transportiert. Ansonsten nimmt er für die Lieferung einen Kostenbeitrag von 3 Mark.

Am Rande einer Fußgängerzone, ebenerdig, liegt der Laden Bierstraße. Eine Straße, für die aktiv Marketing betrieben wird. Holthenrich gehört der Interessengemeinschaft an, die die Werbung betreibt - erfolgreich. Ein Nachteil des Ladenlokals Bierstraße ist, daß zwei getrennte Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, mit einem Gang verbunden. Holthenrich hat daraus einen Vorteil gemacht: Er trennt die Zubehörabteilung von der Abteilung, in der die Tiere untergebracht sind. Wer die Tiere bewundern will, muß durch den Gang nach hinten. Dort sind dann Fische, Vögel, Kleinsäuger und Reptilien zu finden. Was die Reptilien angeht, so ist diese Abteilung innerhalb der Abteilung einzigartig in Osnabrück: Keiner der Mitbewerber hat Echsen, Vogelspinnen oder Leguane zu bieten.

Übrigens ist Holthenrich von sehr viel Wettbewerb umgeben: Es gibt noch einige Zoofachgeschäfte, die ihm nicht gehören und obendrein einen "Freßnapf", seit zwei Jahren. Holthenrich meint, daß mit dem Erscheinen des preisaggressiven Großflächenanbieters sich schon etwas verändert hat in Osnabrück. Auch der Fachhandel habe Federn lassen müssen, nicht nur die Supermärkte des Lebensmitteleinzelhandels. "Es bleibt schon der eine oder andere Kunde aus, der in die Zoofachhandlung kam, um eine Spezialität zu kaufen, die der LEH nicht hat", so Holthenrich. "Man muß halt nachdenken und gegensteuern, was Service, Preise und die Präsentation der Tiere angeht."

Für die Präsentation von Streicheltieren und Vögeln hat sich Holthenrich etwas besonders einfallen lassen: Eine vom übrigen Laden noch einmal abgetrennte Kabine, in der zum Beispiel die Nager durch Glas ganz abgeschirmt sind und auch die Vögel ein ruhiges, komfortables Plätzchen (Sitzstangen aus Naturästen gehören dazu) finden können. Ist die Schiebetür zu diesem Separée geschlossen, dann hängt ein Schild daran: "Zutritt nur mit Fachpersonal". Holthenrich ging es vor allem darum, daß die Kinder nur unter Aufsicht einen Hamster oder ein Kaninchen streicheln. "Es ist schon ein Malheur, wenn Tiere - unbeabsichtigt meist - freigelassen werden und das Personal muß ihnen nachjagen." Jedesmal ein Schock für die Tiere, sagt der Zoofachhändler.

Er legt übrigens viel Wert auf gut ausgebildetes Personal und ist auch selbst Prüfer. Er gehört dem entsprechenden Prüfungsausschuß der Industrie- und Handelskammer Osnabrück an. Nahezu alle, die bei ihm beschäftigt sind, hat er selbst ausgebildet und auch deshalb ins Dauerarbeitsverhältnis übernommen, weil er während der Ausbildung eine besondere Liebe zum Tier feststellen konnte. "Anders geht es einfach in unserem Beruf nicht. Wer Tiere nicht mag, ist fehl am Platz", sagt er.

Derzeit bildet Holthenrich zwei Azubis aus. Ein weiblicher Lehrling ist im Geschäft Bierstraße eingesetzt, in dem noch eine Vollzeitkraft arbeitet. Zu besonderen Arbeiten kann Holthenrich immer mal Personal aus dem übrigen Läden heranziehen. Aber im Prinzip sind die 170 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Bierstraße eine Zwei-Personen-Angelegenheit. Sieht man davon ab, daß der Chef natürlich auch immer mal im Laden nach dem Rechten sieht und auch mithilft, wenn es notwendig ist.

Eine relativ dünne Personaldecke bedeute, daß alle anfallenden Arbeiten sehr gut geplant werden müßten. Das Geschäft ist unter der Woche von 9 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet ("Alle Läden in der Bierstraße legen eine Mittagspause ein - in einem Center kann ich die mir natürlich nicht erlauben"). Das Personal tritt aber morgens schon eine halbe Stunde vorher seinen Dienst an. Das sind die 30 Minuten, die für gründlichere Reinigungsarbeiten oder für Wasserwechsel gebraucht werden. Auf Sauberkeit legt Holthenrich großen Wert, gerade was die Tierverkaufsanlagen angehen. "Gute Tierhaltung wird auch vom Kunden honoriert", die Erfahrung hat er gemacht.

Das Echo auf die Plakette "Ausgezeichnetes Zoofachgeschäft" bestätigt ihm das jetzt gerade wieder: Die örtlichen Zeitungen haben ausführlich über seine Fachhandlung in der Bierstraße berichtet und die Tierverkaufsanlage ganz groß herausgestellt. Es gab Glückwünsche von allen Seiten zu der Auszeichnung. Holthenrich war überrascht, wie groß das Echo auf die Verleihung der Plakette war. Er betrachtet den Titel "Ausgezeichnetes Fachgeschäft" als Herausforderung. "Die Auszeichnung gilt ja nur für zwei Jahre, danach muß man sehen, daß man auch den Standard auch auf Dauer halt." Die Plakette, so Holthenrich, bedeutet nicht nur eine Auszeichnung seines Geschäfts, sondern zugleich eine Aufwertung der gesamten Branche. Damit sei der ZZF in jedem Fall auf dem richtigen Weg.

Sehr gut findet er auch, daß in den Auszeichnungskriterien die ständige Fortbildung des Personals festgeschrieben ist. Es werde heute sehr viel von den Fachkräften verlangt und letztlich könne man im Fachhandel auch nur mit guter fachlicher Beratung verkaufen. "Die Kunden merken sehr schnell, wenn Blödsinn geredet wird. Sie haben es aber gern mit kompetenten Fachkräften zu tun."

Quelle: ZZA 10/1997 Seite 36