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Die Sache mit dem Schnäppchen-Hund

Augen auf beim Hundekauf!

Mit großer Sorgfalt wurde die gewünschte Hunderasse aus Fernsehserien, Hollywood-Spielfilmen und Illustriertenfotos ausgesucht. Die betroffenen Hunde waren wunderhübsch, konnten denken wie ein kluger Mensch, gehorchten auf winzigste Zeichen, bissen böse Menschen und retteten gute. Sicherheitshalber schauten die zukünftigen Hundehalter auch noch einmal im Rassestandard nach. Dort stand es schwarz auf weiß: Diese Moderasse ist pflegeleicht, intelligent, dabei sanftmütig, gut zu Kindern, robust und problemlos in jeder Wohnung oder einem Zwinger zu halten.

von Dr. Rolf Spangenberg

Ein kleiner Nachteil: Die Welpen von Moderassen sind recht teuer. Doch da gab es eine Möglichkeit. Über entfernte Bekannte erfuhr man von einem Wochenmarkt. Dort verkauften brave Züchter ihre geliebten Tiere aus dem Kofferraum zu einem erschwinglichen Preis. Auf Wunsch auch mit Abstammungspapieren und Impfpässen. Oh, wie waren die winzigen Welpen niedlich und süß! Zwar hatten sie gerade einen harmlosen Schnupfen, doch dafür gab es noch eine Tube Wurmmittel als Rabatt dazu.

Genug, diese Klischees vom ahnungslosen Hundekäufer mag keiner mehr hören! Allerdings sind sie immer noch schlimme Realität. Nicht umsonst werden bei unseren östlichen Nachbarn und auch in Deutschland und in Massen produziert und abgesetzt. Man könnte mit einem Achselzucken darüber hinweggehen. Schließlich wird überall betrogen, die Käufer müssen eben auf die schmerzhafte Weise lernen. Leider geht es aber nicht nur um Geld, sondern um Mitgeschöpfe, die erbärmlich aufgewachsen sind und auch beim neuen Besitzer kein schönes Leben haben werden.

Kurz zu den Fakten. Hunde lassen sich relativ einfach vermehren. Man braucht nur Stallungen mit kleinen Boxen, einige Rüden, sowie möglichst viele Hündinnen, die den Moderassen ziemlich ähnlich sehen sollten. Damit wird nun eifrig produziert - ich vermeide den Ausdruck "gezüchtet" - und die Welpen im Alter von wenigen Wochen verkauft - als Sonderangebot, versteht sich! Wer an die eilfertig ausgestellten Papiere glaubt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Der Preis kann und muß deutlich unter dem von korrekt gezüchteten Tieren liegen.

Der ahnungslose Käufer wird auf dreierlei Weise betrogen. Zunächst einmal sind seine Schnäppchenhunde meistens offensichtlich erkrankt oder gesundheitlich stark angeschlagen. Das hat seinen Grund: Sie werden in aller Regel zu früh abgesetzt, können dann selbst bei gutem Willen noch keine wirksame Schutzimpfungen erhalten und leiden an Parasitenbefall. Beim Transport infizieren sie sich und werden nach wenigen Tagen richtig krank. Der geringe Kaufpreis gegenüber seriös erworbenen Tieren wird durch die Tierarztkosten mehr als aufgewogen. Zweitens bekommt man sicherlich keine echten Rassehunde, mögen sie äußerlich auch ihren Vorbildern ähneln. Zuchttiere mit guter Abstammung wären für die Vermehrer viel zu teuer.

Doch was am schwersten wiegt: Der Käufer erhält Tiere, die ihm bestimmt keine Freude machen werden. Sie sind scheu, vielfach Angstbeißer und passen weder in eine menschliche Familie noch zu anderen Hunden. Der Grund: In ihrer sensiblen Phase, wo sie auf Menschen und andere Hunde geprägt werden sollten, lagen sie in irgendeinem Verschlag! Auch die einfühlsamste Erziehung kann dieses Versäumnis in der Jugendzeit später nicht wieder wett machen!

Wer einen Hund erwerben will, muß wissen, daß ihm damit ein Familienmitglied ins Haus kommt. Also ist entsprechende Sorgfalt angebracht. Verantwortungsvolle Züchter sind daran zu erkennen, daß sie meist nur eine, höchstens zwei Rassen halten. Bei einem Inserat: "Putzige Welpen aller gängigen Rassen ständig vorrätig!" braucht man nicht weiter nachzudenken, das ist immer unseriös. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, den Züchter persönlich aufzusuchen. Dabei lernt man ihn und seine Tiere kennen. Läuft nur eine magere Hündin ängstlich herum und blafft eine ganze Meute im unzugänglichen Schuppen? Dann kehren Sie bitte sofort um.

Den seriösen Züchter erkennt man daran, daß er zunächst Sie und Ihre Möglichkeiten zur Hundehaltung kritisch hinterfragt. Bei ihm sehen Sie an Ort und Stelle, wie er mit seinen Tieren umgeht. Bereitwillig werden Sie auch mehr über die Rasse erfahren, als im Hundebuch zu lesen ist. Fragen Sie auch, wie er züchtet. Das Ideal: Die Hündin bleibt mit dem Wurf in der Familie integriert. Vom ersten Tage an kommen die Welpen mit Menschen in Berührung und nehmen die guten Hundesitten mit der Muttermilch auf. Den Wunsch nach einem derartigen Welpen muß man rechtzeitig anmelden er liegt nicht auf Vorrat im Körbchen. Wenn irgendwelche Zweifel herrschen, kann man über den lokalen Tierschutzverein oder die Tierärzte am Ort mehr über den Züchter erfahren. Ungeeignete Welpen landen ja erst beim Tierarzt - für ihn eine undankbare Aufgabe! und dann irgendwann im Tierheim. Dort kennt man also seine Pappenheimer!

Bei der Auswahl eines Hundes sind gewisse Prioritäten zu beachten, um Enttäuschungen zu vermeiden: 1. Nur Welpen von verantwortungsvollen Züchtern, 2. Nur Rassen, die zu einem passen (Wohnraum, Freizeit, Umgebung?). 3. Zuallerletzt kommt der Preis. Am teuersten sind kranke Welpen die sich nicht mehr in einen Familienverband integrieren lassen.

Bei diesen Betrachtungen kam ein Punkt viel zu kurz: Wenn man einen letztlich ungeeigneten Welpen erwirbt führt das zu schlimmem Tierleid und bitteren Tränen bei allen Beteiligten. Dieser Preis ist auf jeden Fall zu hoch.

Quelle: ZZA 2/1998 Seite 26