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Biologie
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Triebstau bedrängt Wohnungskatze: Sie kann ihr angeborenes Jagdverhalten nur ausleben, wenn sie das richtige Spielzeug angeboten bekommt

Schmusen genügt nicht

Katzenhalter, die sich um ihr Tier artgerecht kümmern wollen, müssen auch mit entsprechendem Spielzeug deren Jagdtrieb befriedigen. Schmusen allein genügt nicht.

Die Katze ist der geborene Jäger. Mit großer Geduld schleichen sich Katzen in der Natur an ihre Beute heran, belauern sie sorgsam und springen dann im richtigen Moment zu. Wenn das zappelnde Etwas gepackt ist, wird es im Regelfall mit einem kräftigen Biß getötet und in Ruhe verzehrt. Das typische Jagdwild der Katzen sind Mäuse doch prinzipiell überwältigen sie alles bis zur Größe eines Kaninchens. Menschen gelten nicht als typische Katzenbeute!

Trotzdem wird immer wieder darüber geklagt, daß vertraute Wohnungskatzen ganz gezielt auf Menschenjagd gehen. Sie lauern unter Sesseln oder Sofas, springen dann hervor und beißen Frauchen herzhaft in die Beine. Das tut weh und ist nicht ungefährlich, denn die spitzen Katzenzähne gehen tief ins Fleisch. Ein geduldiger Katzenhalter wird diesen Mordversuchen zunächst geduldig gegenüberstehen und die Katze sanft ermahnen. "Mieze, das darfst du nicht, es tut Frauchen weh!" Das macht wenig Eindruck. Danach kommen Strafmaßnahmen. Das kleine Raubtier wird ausgeschimpft und womöglich sogar mit einem Kissen geschlagen. Unter uns, all diese menschlichen Maßnahmen stoßen bei Katzen auf völliges Unverständnis. Die Menschenjagd geht bei nächster Gelegenheit fröhlich weiter.

Was ist nur in das Tier gefahren? Hat man vielleicht eine "Kampfkatze" im Haus, leidet sie an Tollwut oder einer Hirnerkrankung? Nein, keineswegs. Die Wohnungskatze bedrängt nur ein Triebstau, sie kann ihr angebotenes Jagdverhalten nicht ausleben. Bitte einmal überlegen: Um sich ernähren zu können, benötigt eine freilebende Katze ungefähr zehn Mäuse pro Tag. Nur etwa jeder dritte Angriff führt zum Erfolg. Daher erlebt eine solche Katze rund 30 (!) Jagdabenteuer pro Tag - ein aufregendes Leben! Jedesmal Spannung, Entladung und Erholung. Eine Wohnungskatze führt dagegen ein behütetes, doch sehr langweiliges Leben Sie liegt herum und hat etwa zweimal täglich das "Abenteuer", einen gefüllten Freßnapf vorzufinden.

Also wird Frauchen gejagt! Man kann ihre Gänge in der Wohnung berechnen, dann plötzlich hervorschießen und kräftig zubeißen. Frauen kreischen so herrlich, das macht fast soviel Spaß wie eine richtige Mäusejagd! Hinterher herrscht angenehme Unruhe, die feinen Katzenohren werden beim Schimpfen auf Durchzug gestellt und die nächste Jagd vorbereitet. Auch Männer lassen sich gut jagen, allerdings macht der Biß in ein Hosenbein nur halb soviel Spaß wie in eine wohlduftende Damenwade.

Kurz die ethologischen Fakten. Katzen beißen bei drei Gelegenheiten: Beim Beutefang wie beschrieben, bei der Territorialverteidigung und bei der Verteidigung des eigenen Lebens. Nur der Beutefang macht ihnen Spaß, die übrigen zwei Angriffe geschehen fast in Panik. Sie fallen bei Wohnungshaltung ersatzlos weg, wenn nicht eine zweite Katze das Revier bedroht. Also muß man der Katze Ersatzhandlungen anbieten, damit sie sich nicht auf Menschenjagd spezialisiert. Das sind Spiele mit wechselndem Spielzeug. Katzen haschen leidenschaftlich gern alles was raschelt, weggezogen wird oder wegrollt. Da gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. Jedes gute Zoofachgeschäft sollte spieltaugliche "Ersatzmäuse" auf Lager haben, die man den Kunden guten Gewissens empfehlen kann.

Wichtig: Katzen sind nicht dumm. Nach einer Weile wird ihnen der immer gleiche Lappen zu langweilig. Katzenhalter müssen ihnen also wechselndes Spielzeug anbieten. Und daran denken, in der Natur muß die Katze täglich (!) etwa 30 Jagdabenteuer bestehen. Es reicht also nicht, sich jeden Tag ein Viertelstündchen mit ihr zu beschäftigen. Dann geht sie schon lieber wieder auf die netten Waden los!

Eine bissige Katze ist also kein Untier, weder krank noch bösartig. Sie möchte nur täglich jagen und fangen - das muß man den Katzenhaltern sagen. Wer sich einen geborenen Jäger in die Wohnung holt, nicht ausgiebig mit ihm spielt und daheim weder Mäuse noch Ratten herumlaufen hat, darf sich nicht wundern, wenn er selber zum Jagdobjekt wird!

Quelle: ZZA 4/1998 Seite 34