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Volker Müller: 20.000 Quadratmeter für Tiere in Not

Tiere brauchen Menschen - Menschen brauchen Tiere

Stellen Sie sich vor, jemand steht vor Ihrer Tür und will Ihnen 3.000 Küken anvertrauen. Wohin damit? Mit solchen und anderen Tierproblemen wird Volker Müller, 52, Chef des Tierheims Nürnberg-Fürth und Umgebung nicht täglich konfrontiert, aber oft genug. Volker Müller, von Haus aus Zoofachhändler und im Ehrenamt Vizepräsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachgeschäfte, stieg gleich richtig in die Arbeit ein. Drei neue Azubi-Plätze mit der Ausbildung zum Tierpfleger wurden eingerichtet und in den Schulen wird Aufklärungsarbeit über Tierhaltung betrieben.

Den Tierschutzverein Nürnberg gibt es seit fast 160 Jahren (genau genommen seit 1839) und das Nürnberger Tierheim war eins der ersten in Deutschland. Heute gelten die Nürnberger Einrichtungen als vorbildlich. Kümmert sich Müller doch gemeinsam mit der Tierärztin Dr. Bettina Henle um das Schicksal der Tiere in Not.

Doch außer dem Chef und der Tierärztin sind noch 25 festangestellte Mitarbeiter vorhanden, außerdem eine große Schar Freiwilliger. Es gibt zum Beispiel feste Termine, an denen Tierfreunde mit den Tierheim-Hunden "Gassi gehen" können. Und auch gehen. Die Hunde sind dankbar dafür; als Hund will man ja auch mal was anderes erleben...

Zur Zeit hat das Tierheim 150 Hunde in Pflege (davon einige "Kampfhunde", die nur wegen der Hysterie der Behörden hier sind), über 300 Katzen, über 300 Zebrafinken. Es hat keinen Sinn, alle Tiere aufzuzählen, die auf dem 20.000-Quadratmeter-Gelände betreut werden. Es gibt beinahe keine Tierart, der nicht wenigstens vorübergehend an der Stadenstraße Asyl gewährt wird. Im Moment zählt ein Tiger zu den Exoten, ein Pinselohräffchen, aber auch 120 Chinchillas. Solche Riesenzahlen kommen zustande, wenn Zuchten aufgelöst werden oder wenn, wie im Fall der Enten, bei Tierspediteuren ein Notfall auftritt.

Besonders stolz ist man im Nürnberger Tierheim, daß man den Service immer weiter ausbauen kann. Es wurde eine Igelstation aufgebaut, in der Igel überwintern können. Vor zwei Jahren hat man ein Krankenrevier eingerichtet, das Müller bei Amtsantritt vorfand und das er unbedingt beibehalten will. Es hat sich herausgestellt, daß die Tiere wesentlich schneller wieder auf den Beinen sind, wenn sie isoliert ihre Krankheit ausheilen können; außerdem wird damit den gefürchteten Seuchen entgegengewirkt.

Hilft alle Pflege und alle tierärztliche Kunst nichts, gibt es auf dem Gelände einen 600 Quadratmeter großen Friedhof. Mehr als tausend Tiere wurden hier in den letzten Jahren auf zwölf Grabfeldern beerdigt. Grabgebühren für jeweils fünf Jahre: zwischen 930 und 1350 DM. Das Tierheim und sein Chef Volker Müller haben noch eine Menge Pläne. So soll ein "Gnadenhof" für alte große Tiere - etwa Pferde - entstehen.

Tierheimchef Müller sieht seine Aufgabe darin, sich überall für artgerechte Tierhaltung zu engagieren. In den eigenen Fachgeschäften, im Tierheim und in der Öffentlichkeit. Zwei Mal in der Woche ist er im Radio zu hören und seine Botschaft ist immer dieselbe: Tiere brauchen Menschen und Menschen brauchen Tiere.

Quelle: ZZA 4/1998 Seite 41