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2. Terraristik-Symposium in Berlin: VDA und ZZF luden ein Bessere Strategien entwickeln
Der Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA) richtete mit Unterstützung des ZZF sein 2. Terraristik-Symposium in Berlin aus. Es trafen sich Terrarianer aller Schattierungen: vom ernsthaften Amateur bis zum Wissenschaftler. Sie tauschten Erfahrungen über Haltebedingungen aus. Eine Veranstaltungen von großer Bedeutung. Bei der heutigen Anforderungen an artgerechte Tierhaltung kommt keiner mehr ohne das Wissen des anderen aus. Viele Terrarientiere sind schwierig und nur unter großem Zeitaufwand zu halten. Hier gilt es, bessere Strategien zu entwickeln.
Die von VDA und ZZF veranstalteten Meer- und Süßwassersymposien stünden bereits für eine erfolgreiche Tradition der Zusammenarbeit. Dies erklärte ZZF-Präsident Klaus Oechsner anlässlich des 2. Terraristik- Symposiums in Berlin. Oechsner drückte die Hoffnung aus, dass "auch in Bereich Terraristik ehemals vorhandene Berührungsängste" abgebaut würden. Nach dem erfolgreichen 1. Terraristik- Symposium 1997 in Berlin sei es für den ZZF selbstverständlich gewesen, den VDA erneut zu unterstützen, und auf diese Weise "Züchter und Zoofachhändler" zusammenzubringen.
VDA und ZZF versuchten seit einigen Jahren in den eigenen Reihen durch verschiedene Maßnahmen eine Optimierung der Haltebedingungen für Heimtiere zu erreichen. Im Hinblick auf Nachzuchten begrüße der ZZF ausdrücklich die vom VDA geplante Nachzuchtstatistik. Geplant ist, sie über Intranet auch den ZZF- Mitgliedsfirmen zur Verfügung zu stellen.
Schildkröten: Veränderungen im Verhaltensmuster beobachten
Mit der Frage "Ist meine Schildkröte gesund?" beschäftigte sich Dr. med. vet. Lutz Sassenburg, Oberveterinärrat, der zum Abschluss der Veranstaltung auch eine Podiumsdiskussion mit allen Referenten der Veranstaltung leitete. Um den Gesundheitszustand einer Schildkröte festzustellen genüge es nicht, sie sich genau anzusehen, also ihre Morphologie zu prüfen, um nach Abweichungen vom Normalen zu suchen. Änderungen im Verhaltensmuster zeigten eher eine Beeinträchtigung der Gesundheit an. Wie Sassenburg erklärte, sind die Lebensäußerungen von gesunden Schildkröten sowohl durch tägliche als auch jährliche Aktivitäts- und Ruhephasen geprägt und von der Umgebungstemperatur abhängig. Ständige Aktivität gebe ebenso Anlass zur Untersuchung, wie das Sichverkriechen zu ungewöhnlicher Tages- oder Jahreszeit.
Die Nahrungsaufnahme erfolge temperaturabhängig und je nach "Beutemenge" bei den Wasserschildkröten täglich (das gilt für Jungtiere) bis 14-tägig (erwachsene Tiere ohne zusätzliche Leistung, wie Eibildung, Revierkämpfe usw.). Landschildkröten würden täglich fressen - unter großem Laufpensum. Fressunlust oder Nahrungsverweigerung seien allgemeine Krankheitshinweise. Sehr wichtig der Hinweis Sassenburgs: "Während der Ruhephasen im Jahresrhythmus (Winter- und/oder Sommerruhe) fressen Schildkröten nicht."
Beim Ergreifen reagieren Schildkröten mit dem Zurückziehen des Kopfes und der Extremitäten unter den schützenden Panzer oder sie gehen in Abwehrhaltung (Drohen, Beißen, Kratzen, Schüttelbewegungen ) bzw. versuchen zu fliehen. Eine Erfahrung, die viele Zoofachhändler gemacht haben: Schildkröten entleeren ihre Analblasen mit den Flüssigkeitsreserven um den Angreifer abzuschrecken. Auch der Einsatz von Stinkdrüsensekret ist bei manchen Arten möglich.
Gelten sehr oft als "heikle Pfleglinge": Agamen
Wie Horst Liesack auf dem Terraristik-Symposium erklärte, gelten Agamen als heikle Pfleglinge. Liesack stellte fest: "Es gibt verhältnismäßig wenige Terrarianer, die sich mit der Haltung von Agamen befassen. In der DGHT gibt es eine AG Leguana und eine AG Chamäleons, aber keine AG Agamen." Liesack bedauerte das, zumal er davon überzeugt ist: Es gibt Agamen, die "durchaus pflegeleicht sind und zum anderen gibt es Arten, die unter gewissen Bedingungen längere Zeit zu halten und nachzuzüchten sind." Allerdings verkannte er nicht, das Agamen "in der Mehrheit sehr sensible und stressanfällige Tiere" sind. Jeder, der die Mühen der Haltung auf sich nehme, werde aber entschädigt durch ein "hochinteressantes Verhaltensrepertoire".
Die Grüne Wasseragame (Physigonathus coeincinus) sei verhältnismäßig leicht zu halten. Da sie aber Gesamtlängen von 70 Zentimetern und darüber erreiche und 300 bis 500 Gramm schwer werden könne, benötige sie geräumige Terrarien. Das Terrarium für ein Pärchen sollte mindestens 2 bis 2,5 Meter lang sein, die Höhe zwei Meter und darüber betragen. Zur Ausgestaltung gehörten starke Kletteräste und ein großes Wasserbecken, meint Liesack.
Wasseragamen benötigten Lufttemperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius. Die Ernährung sei problemlos: "Wasseragamen sind Allesfresser". Die Futterpalette reiche von Regenwürmern, Gehäuseschnecken, Insekten, Jungmäusen, Katzenfertigfutter bis zu verschiedensten Obstsorten, wobei es aber individuelle Unterschiede gebe.
Da auch Liesacks Tiere ständig an der Frontscheibe hin und her liefen, hat er auf eine Terrarienhaltung verzichtet. Seit 14 Jahren bewegen sich seine Tiere frei im 20 Quadratmeter großen Terrarienraum. Über einen Kletterbaum gelangen sie in ihr erhöht liegendes vorn offenes Terrarium. Dort sei eine Ecke mit feuchter Gartenerde für die Eiablage angelegt, die auch sofort angenommen worden sei. Liesack: "Fast alle Agamen wurden handzahm, sehr zum Erstaunen der Besucher, vor allem der Kinder. Unter diesen Bedingungen kann man Verhaltensweisen beobachten, die sich in der Enge eines geschlossenen Terrariums nie zeigen können."
Ritualisiertes Brutpflegeverhalten bei Baumsteigerfröschen
Dr. Stefan K. Hetz, der an der Berliner Humboldt-Universität einen Lehrstuhl für Tierphysiologie inne hat, war der Meinung: Baumsteigerfrösche aus der Familie der Dendrobatidae den meisten Terrarianern sicher "gut bekannt". Diese gut im Terrarium halt- und züchtbaren kleinen bis mittelgroßen Arten zeichneten sich durch ein hoch entwickeltes und teilweise stark ritualisiertes Brutpflegeverhalten aus. Diese effektive Brutpflege führte laut Hetz dazu, dass "im Laufe der Evolution zum einen die Gelegegröße stark schrumpfte und zum anderen die Größe der sehr dotterreichen Eier und damit die Entwicklungszeit der Eier und der Kaulquappen stark anstieg".
Nach der langen Zeit als Kaulquappe, die bei einigen Arten bis zu vier Monate andauern kann, gingen schon relativ große Jungfrösche an Land, die kurz nach der Metamorphose teilweise 50 % der Länge der Erwachsenen erreichen. Innerhalb dieser Froschgruppe gebe es eine relativ gut dokumentierte Entwicklungslinie von Fröschen mit relativ großen Gelegen von maximal ca. 30 Eiern (Epipedobates tricolor) bis hin zur Extrembrutpflege mit nur 2 bis 6 Eiern, die einzeln in Bromelientrichter gelegt werden und vom Weibchen mit Nähreiern gefüttert werden (Dendrobates punzilio).
Der evolutive Erfolg dieser Arten begründe sich wohl hauptsächlich auf eine "Kombination von Besiedelung extremen Biotope" (Astlöcher und Bromelientrichter) sowie der "extremen Brutpflegemechanismen".
Die Geckos des südlichen Teil Afrikas was das Thema des Terrarianers Barts. Er beobachtete in der näheren Umgebung von Swakopmund, am Küstenstreifen der Namib, diverse Geckoarten: Palmatogecko rangei, der wohl bekannteste Namibgecko, wurde von Barts nachts auf Nahrungssuche entdeckt. Wie der Terrarianer beschrieb, sind seine Zehen mit einer Art "Schwimmhaut" bespannt, die ihnen das Graben im losen Wüstensand erleichtern. Der Palmatogecko rangei lebe aber auch auf festeren Böden und selbst in vom Menschen angelegten Gärten. Hier konnte Barts diese Geckoart sogar in größeren Mengen antreffen. In jedem Fall sei er in der Terraristik ist er ein "ausdauernder und dankbarer Pflegling, wenn seinen Ansprüchen genüge getan" werd. Ein Pärchen benötige eine Grundfläche von ca. 0,2 Quadratmetern mit einer kühl-feuchten und einer heiß-trockenen Terrarienhälfte. Die Temperaturen müssten n zwischen 10 Grad Celsius (nachts) und lokal 50 Grad Celsius (tags) schwanken. Die Eiablagen finde immer im feuchteren kühlen Teil statt. Die Inkubation der Eier erfolge im feuchten Substrat. Die Jungtiere schlüpften nach 54 bis 70 Tagen.
Quelle: ZZA 12/1999 Seite 18 |