Ergänzungsfuttermittel__„Unterstützen, nicht ersetzen“

Immer mehr Hundehalter greifen zu Ergänzungsfuttermitteln, um die Gesundheit ihrer Tiere gezielt zu unterstützen. Entsprechend dynamisch präsentiert sich dieses Segment mit neuen Marken. zza sprach dazu mit Hermann Frenser, Gründer der Firma Nutripet. Er erklärt, warum Supplemente mehr sind als ein Trend und weshalb er trotz wachsendem Wettbewerb optimistisch in die Zukunft blickt.
zza: Manche Tierhalter sehen in Ergänzungsfuttermitteln einen echten Mehrwert, andere halten sie für überflüssig, solange das Futter hochwertig ist. Was entgegnen Sie dieser Kritik?
Hermann Frenser: Grundsätzlich sind sich wohl alle einig: Eine ausgewogene Ernährung ist die Basis für ein gesundes Tier. Ein gutes Alleinfuttermittel deckt den Grundbedarf an Makro- und Mikronährstoffen ab – also Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe. Aber wie beim Menschen gibt es individuelle Unterschiede: Alter, Aktivität, körperliche Belastung oder genetische Faktoren spielen eine Rolle. Es gibt Situationen, in denen der Bedarf über das Futter hinausgeht – etwa bei Gelenken, Verdauung oder dem Immunsystem. Hier können gezielte Ergänzungen sinnvoll sein. Wichtig ist, dass sie die natürliche Versorgung unterstützen und nicht ersetzen.
zza: Wie hat sich der Markt für Nahrungsergänzungen entwickelt?
Frenser: Der Markt, auch international, ist extrem dynamisch. In den USA – häufig als Vorreiter beim Thema Supplements genannt – sieht man dies deutlich. Doch auch bei uns kommen viele neue Anbieter und Produkte hinzu – und das hat gute Gründe. Der Hund ist für viele Menschen längst Familienmitglied, manchmal auch Ersatz für Kinder. Damit wächst die Bereitschaft, in Gesundheit und Wohlbefinden zu investieren. Trends aus dem Humanbereich – ob pflanzliche oder vegane Ernährung, funktionale Ergänzungen – kommen mit etwas Verzögerung auch bei Hunden an. Generell sehen wir ein stabiles Wachstum, selbst in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Natürlich wird sich der Markt konsolidieren, weil nicht jedes Produkt langfristig bestehen kann. Aber das Grundinteresse bleibt stark.
zza: Wie ist das Unternehmen entstanden?
Frenser: Die Firma Nutripet wurde vor rund zwei Jahren gegründet, und seit Frühjahr 2024 sind unsere ersten Produkte auf dem Markt. Die Idee ist tatsächlich aus einem persönlichen Bedarf heraus entstanden: Meine eigene Hündin bekommt Ergänzungen zur Unterstützung der Verdauung und des Herzens. Ich habe mich dadurch intensiv mit der Thematik beschäftigt – und gemerkt, wie groß das Potenzial ist, wenn man es richtig angeht.
zza: Wie sieht Ihr Produkt-Portfolio aus?
Frenser: Gestartet sind wir mit einem Allround- Produkt, den „Daily Essentials“, ein Pulver, das einfach über das Futter gestreut wird. Daher auch der Markenname „Dog1“. Es ist als tägliche Grundversorgung gedacht, die typische Themen wie Verdauung, Gelenke, Zähne und Vitalität abdeckt. Ziel war, Haltern eine einfache Lösung zu bieten, ohne sie mit zu viel Fachwissen zu überfordern. Inzwischen gibt es „Daily Essentials“ auch in Leckerli- Form. Außerdem haben wir unter unserer Marke auch sogenannte Problemlöser entwickelt wie ein probiotisches Darmpulver, ein Omega-3-Lachsöl, ein Dental-Pulver, ein Gelenk-Produkt, ein Grünlippmuschel-Pulver sowie ein Anti- Zeckenspray.
zza: Wie entstehen die Rezepturen?
Frenser: Wir entwickeln rund 80 bis 90 Prozent der Rezepturen selbst. Dabei orientieren wir uns an wissenschaftlich belegten Inhaltsstoffen, prüfen Studien und kombinieren Stoffe sinnvoll. Ich selbst komme aus der Labordiagnostik, kenne also die physiologischen Zusammenhänge gut. Für die Feinabstimmung arbeiten wir mit drei spezialisierten Herstellern in Deutschland zusammen, die Tierärzte und Ernährungsphysiologen im Team haben. Das gibt Sicherheit und erlaubt uns, Rezepturen auch anzupassen, wenn wir aus dem Markt Feedback bekommen. Manch andere Marken setzen auf White-Label-Produkte – also fertige Rezepturen, die nur ein neues Etikett bekommen. Das wollten wir bewusst nicht.
zza: Über welche Kanäle vertreiben Sie Ihre Produkte?
Frenser: Aktuell verkaufen wir überwiegend online, über unseren eigenen Shop, über Amazon und auch über Shop-Apotheke. Der stationäre Handel ist ein interessantes, aber herausforderndes Feld: Ergänzungsfuttermittel sind erklärungsbedürftig. Ohne geschultes Personal gehen sie im Regal leicht unter. Für uns steht deshalb zunächst der direkte Kontakt zu den Kunden im Vordergrund – künftig wollen wir aber auch im Fachhandel stärker präsent sein.
zza: Was sind Ihre nächsten Pläne?
Frenser: Wir arbeiten stetig an weiteren Produkten. Wir wollen unsere Marke vor allem im DACH-Raum bekannter machen und langfristig auch Märkte wie Frankreich, Skandinavien oder Großbritannien angehen. Entscheidend ist für uns, dass wir solide wachsen – nicht um jeden Preis, sondern mit Produkten, die funktionieren.
Sabine Gierok
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