Rückblick__Ein schwieriges Jahr

Das Jahr 2025 wird sicher nicht als das beste in die Geschichte der Heimtierbranche eingehen. Nach Jahren des stetigen Wachstums hatten viele Unternehmen mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen. Und die sind nicht die einzige Herausforderung.
Die Zeit flieht, sagt man. Gerade in der Wirtschaft sind die Dinge häufig flüchtig, manchmal auch der Erfolg. Blickt man auf die vergangenen zwölf Monate zurück, so scheinen die fetten Branchenjahre ab 2020 vorbei zu sein. Die Kleinsäuger- und Vogelbestände in privater Tierhaltung sind geschrumpft und ein Aquarium hat wohl mittlerweile auch jeder, der vielleicht schon länger den Wunsch danach hegte. Der deutsche Markt scheint diesbezüglich erstmal satt zu sein.
Auch in den Top-Segmenten Hund und Katze gab es Gründe zur Klage. Beim Zubehör griffen die Halter weniger zu, beim Futter schaute der ein oder andere mehr aufs Geld. Kurz: Das Jahr 2025 war schwierig für die erfolgsverwöhnte Branche.
So liegen die Umsätze vieler Unternehmen wieder auf dem Niveau von vor der Corona-Pandemie, aber die Kosten der Geschäftstätigkeit tun das nicht, denn beispielsweise Energie und Personal sind teurer geworden. Die Inflation hat deutliche Spuren hinterlassen im Privaten wie im Wirtschaftsleben, der Gürtel wurde vielerorts enger geschnallt. Weniger Geld fürs Hobby bei den Endverbrauchern bedeutet Druck auf die Branche.
Extremer Preiskampf
Nach wie vor steht für die Heimtierhalter das Wohl der Lieblinge weit vorn. Aber auch dieses Motiv hat seine Grenzen, denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Der Preis war Kunden immer wichtig und ist es jetzt mehr denn je. Wer mit hochwertigen Produkten und dementsprechendem Angebot erfolgreich sein will, muss schon gute Argumente auf den Markt bringen.
Hinzu kommt der extreme Preiskampf im Handel, der durch E-Commerce immer stärker angefacht wird. Dass Händler einzelne Produkte manchmal günstiger im Onlinehandel erstehen können als beim Hersteller oder Großhändler, zeigt, dass an dieser Stelle eine gewisse Schieflage entstanden ist. Solche Auswüchse kann sich nur derjenige wünschen, der über derart aggressive Preispolitik eigene Marktanteile gewinnen möchte. Viel verdienen kann so aber niemand am einzelnen Produkt.
Billig aus Fernost
Die Heimtierbranche war in ihrer Geschichte stets geprägt durch eine gewisse Stabilität der Verhältnisse, daran hat auch der Konzentrationsprozess durch das Aufkommen der großen Systeme nichts geändert. Jetzt aber geht es angesichts der Kampfpreise, die teilweise im Internet auch auf branchenfremden Plattformen angeboten werden, für manchen Händler ans Eingemachte.
Wenn die Preise fallen, hat das natürlich nicht nur Folgen für den Fachhandel, die Margen sämtlicher Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette sind durch diese Dynamik bedroht. Dumpingpreise sind zudem nur schwierig wieder einzufangen, haben sich die Kunden erst einmal an sie gewöhnt.
Hinzu kommt die Schwemme von Billigprodukten, die über Internet-Plattformen aus Fernost nach Deutschland gelangen, ohne Kontrolle der Qualität und Produktsicherheit. Deutsche und europäische Unternehmen arbeiten unter strenger Kontrolle und mit vielerlei Auflagen hinsichtlich Verbraucher-, Arbeits- und Naturschutz. Das treibt die Kosten europäischer Produkte nach oben, während etwa in China unter völlig anderen Bedingungen und ohne diesen regulatorischen Druck produziert wird.
Zollfreiheit fällt
Zum Jahresende war aus Brüssel zu diesem Thema jedoch Positives zu hören: Die Zollfreiheit für Kleinstsendungen wird zur Jahresmitte abgeschafft. Ob die Politik damit Temu & Co. den Stecker ziehen kann, bleibt abzuwarten.
Mit der neuen Bundesregierung in Berlin keimte bei Wirtschaftsverantwortlichen auch die Hoffnung auf, dass endlich mal die Axt an die überbordende deutsche Bürokratie gelegt wird. Allzu viel vorzuweisen haben die Volksvertreter in dieser Hinsicht bislang aber noch nicht.
Anspruchsvolles Umfeld
Was in den Büchern des ablaufenden Jahres also stehen bleibt, sind vor allem knauserige Kunden, steigende Kosten und ein sich verschärfender Wettbewerb. Hört man sich unter den großen Handelssystemen um, fällt die Beurteilung des Jahres 2025 eindeutig aus: Es war anspruchsvoll.
„Der Zoofachhandel ist im zweiten Jahr nacheinander nicht gewachsen“, schreibt Das Futterhaus. Den exklusiven Kundenzugang, wie ihn der Zoofachhandel vor einigen Jahren noch hatte, gebe es nicht mehr. „Wir stehen heute im Wettbewerb mit D2C-Playern, dem LEH, der zunehmend auch Fachhandelsprodukte bietet, Discountern, dem Onlinehandel und Brand Ownern“, heißt es aus Elmshorn.
Apropos Konkurrenz: Da schaut die Branche gerade gespannt nach Köln, von wo aus die Rewe-Gruppe mit ihrer Zoofachhandelssparte Zooroyal den stationären Rollout vorantreibt. Auch wenn Zooroyal-Geschäftsführer Marcel Bersch in der Öffentlichkeit auf die Bremse tritt und beteuert, dass es keine konkreten Ziele bezüglich einer Anzahl von Neueröffnungen gebe, weiß die Branche ganz genau, dass da ein mögliches weiteres Schwergewicht in die Manege getreten ist. Zooroyal hat die Erfahrung des Lebensmitteleinzelhandels im Rücken, eine funktionierende Marke, digitale Absatzwege und eine monetär potente Zentrale, die auch mal einen Fehlschlag auffangen könnte.
Ganz egal, wie viele Geschäfte Zooroyal in Zukunft eröffnen mag – der Wettbewerb wird noch schärfer werden, denn auch die Etablierten setzen weiterhin auf Expansion. So hat etwa Das Futterhaus im vergangenen Jahr 14 Geschäfte neu eröffnet, die Zooma drei und auch Fressnapf und Sagaflor meldeten einige neue Standorte. Das zeigt auch, dass die Zentralen mit einem gewissen Optimismus in die Zukunft schauen.
Branche bleibt stabil
Dazu gibt es auch Anlass, denn trotz rückläufiger Zahlen zeigte sich die Branche unterm Strich stabil. Einige Bereiche wuchsen sogar, so sind Snacks nach wie vor ein Wachstumstreiber. „Positiv entwickelt haben sich Produkte, die den Belohnungsaspekt und präventive Funktionen zusammenbringen“, sagt Zooma-Geschäftsführer Adin Mulaimovic.
Ein weiterer Wachstumstreiber ist das Thema „Tiergesundheit“. „Unterstützende Produkte wie Schonkost, funktionale Nahrungsergänzungen sowie ergänzendes Gesundheitszubehör wurden für Katzen und Hunde stärker nachgefragt“, schreibt die Sagaflor. Das Futterhaus berichtet zudem von zweistelligen Wachstumsraten in den Bereichen Pferd und Hobbyfarming. Auch die Segmente für Hunde- und Katzenfutter hätten sich positiv entwickelt.
„Nun sehen wir, dass sich in einigen Sortimentsbereichen glücklicherweise wieder eine stärkere Kaufbereitschaft abzeichnet“, sagt Adin Mulaimovic. Die Branche bleibt also optimistisch und weiß um die eigene Stärke. Von der Sagaflor heißt es: „Trotz dieser Rahmenbedingungen bleibt die Branche stabil und zeigt, dass der Fachhandel weiterhin Substanz und Resilienz besitzt.“
Dominic Heitz
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