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Flugstunden im Wohnzimmer
Freiflug ist für Wellensittiche unverzichtbar. Hier gilt: zu viel gibt es nicht.
Beherzigt der Vogelhalter dabei einige wichtige Dinge, kann er einen großen
Beitrag zum Wohlbefinden der gefiederten Freunde leisten.
Viele Menschen schätzen Wellensit -
tiche als charmante und soziale Mit -
bewohner. Damit die Ziervögel ihre
aufgeweckte Art ausleben können,
muss ihre Lebensqualität gesichert
sein. Regelmäßiger Freiflug ist unver-
zichtbar: Dabei können Wellensittiche
ihren Instinkten folgen, Muskeln auf-
und Stress abbauen. Mit drei Tipps des
Industrieverbandes Heimtierbedarf
(IVH) gehen Vogelhalter auf Nummer
sicher.
Wellensittiche stammen ursprüng-
lich aus Australien. Dort legen sie
täglich weite Strecken zurück, fliegen,
erkunden und interagieren miteinan-
der. „Freiflug ist für Wellensittiche kein
Bonus, sondern eine Bedingung für ein
gesundes Leben“, sagt Vogelexpertin
Gaby Schulemann-Maier. „Ohne ihn
können die Vögel ihre natürlichen Ver-
haltensweisen nicht ausreichend aus-
leben, ihre Muskulatur wird schwächer
und es kann sogar zu Atemproblemen
kommen. Ich empfehle mindestens
vier Stunden Freiflug pro Tag – ein
Zuviel gibt es nicht.“ Sehr wohl aber
ein Zuwenig: Das kann zu Übergewicht
oder Stressreaktionen wie Federpicken
und verstärktem Rückzugsverhalten
führen.
Damit Freiflug sicher und stressfrei
funktioniert, ist eine sorgfältige Vorbe-
reitung erforderlich. Das heißt, Türen
und Fenster müssen geschlossen sein,
Spiegel oder Glasflächen sollten abge-
hängt oder markiert werden. Im Zimmer
sollten sich keine gefährlichen Ge-
genstände oder giftigen Pflanzen
befinden. Als Höhlenbrüter werden
Wellensittiche immer wieder versu-
chen, sich in enge Spalten zu quetschen
– darauf sollten Halter achten und diese
Gefahrenquellen bereits im Vorfeld
beseitigen. Falls die Vögel dann doch
einmal feststecken, sollte man sie
unverzüglich aus der Lage befreien.
Um ihnen ein Gefühl von Sicherheit
zu bieten, sollten sie Rückzugsmöglich-
keiten und erhöhte Sitzstangen oder
Schaukeln vorfinden. Diese Vorbereitun-
gen sind eine Grundlage dafür, dass die
Vögel ihre Flugstunden unbeschwert
genießen können. Es bietet sich an, ein
festes Zimmer für den Freiflug einzupla-
nen. Andere Heimtiere sollten in dieser
Zeit keinen Zugang haben, um die Zier-
vögel nicht in Stress zu versetzen.
Grundsätzlich sollten die Wellen -
sittiche die Möglichkeit haben, beim
Freiflug in Ruhe den Raum zu erkun-
den. Es empfiehlt sich, die Vögel in ers-
ter Linie zu beobachten, ohne direkt
mit ihnen zu interagieren – denn kör-
perliche Nähe kann Stress verursa-
chen. „Interaktion findet generell eher
zwischen zwei oder mehreren Vögeln
statt, die gemeinsam fliegen. Men-
schen haben eher eine Rolle als Beob-
achter und Aufsicht“, so die Expertin.
Insbesondere wenn man noch keine
Erfahrung in der Vogelhaltung hat,
kommt schnell die Frage auf, wie die
Vögel denn im Anschluss an die Erkun-
dungstour wieder zurück in ihr Heim
finden. „Das funktioniert am einfachs-
ten über Futter“, erklärt Schulemann-
Maier. „Die Tiere sind an ihre bekann-
ten Futterstellen gewöhnt und werden
diese aufsuchen. Entsprechend sollte
man außerhalb des Käfigs auf Lecke-
reien verzichten.“ Darüber hinaus ist
das Vogelheim in der Regel ein ver-
trauter Rückzugsort, den die Wellen -
sittiche gerne wieder aufsuchen, um
sich zu erholen.

