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42 SCHWERPUNKT
Radfahren ohne Fehlbelastung
Bei mildem Frühlingswetter gemeinsam mit dem vierbeinigen Freund Rad zu fahren,
ist prinzipiell eine gute Idee. Zoofachhändler sollten ihre Kunden allerdings über das
richtige Zubehör aufklären, damit die Wirbelsäule des Hundes nicht falsch belastet wird.
Beim Radfahren mit Halsband können bei plötzlichen Stopps
oder seitlichem Ausbrechen gefährliche Zugkräfte entstehen.
Diese werden auf das Halsband übertragen und wirken unmit-
telbar auf die Halswirbelgelenke, die Bandscheiben sowie die
Nervenstrukturen des Rückenmarks und der Blutgefäße im
Halsbereich ein. Im schlimmsten Fall können Distorsionen
der Halswirbelsäule die Folge sein – vergleichbar mit einem
Schleudertrauma – aber auch Bandscheibenschäden, neuro-
logische- und Nervenschäden sowie Kehlkopf- und Luftröh-
renverletzungen. Eine der kritischsten Situationen ist das
plötzliche Stehenbleiben des Hundes, während das Fahrrad
weiter rollt. Dabei entsteht ein kurzer, aber extrem hoher
Kraftimpuls. Dieser kann Gefäßverletzungen hervorrufen bis
hin zu Ohnmacht oder neurologischen Ausfällen.
Mit einem Y-Geschirr beim Radfahren
ist der Hund besser ausgerüstet.
Unterschätzt wird meist auch die Laufgeschwindigkeit. Im
Gegensatz zum freien Laufen, bei dem der Hund sein
Tempo selbst bestimmen kann, wird diese beim Radfahren
meist vorgegeben. Häufig wird dabei übersehen, dass der
Hund dauerhaft schneller läuft als er es natürlicherweise
würde. Die natürliche Ausdauerbewegung ist der Trab, da
dieser biomechanisch besonders effizient ist und sich die
Bewegungsimpulse gleichmäßig über Körper und Wirbel-
säule verteilen. Wird dieses Bewegungsmuster dauerhaft
gestört, können Fehlbelastungen zu Verspannungen und
Problemen in Wirbelsäule und Gelenken führen.
Auch wenn sie praktisch erscheinen, um den Hund auf
Abstand zu halten, so werden Fahrradhalterungen oder An-
tennen häufig missverstanden, da sie weder gute Leinen-
führung noch passende Geschwindigkeit ermöglichen.
Läuft der Hund dauerhaft unter Spannung an der Halterung
oder wird durch diese Konstruktion ständig seitlich gezo-
gen, können Schäden am Schultergürtel und der Wirbel-
säule entstehen. Aufgrund der unnatürlichen Kräfte sind
auch Verletzungen der Pfotenballen möglich.
Ein Geschirr ist fürs Radfahren eindeutig die bessere Wahl.
Leider wird auch hier oft das falsche gewählt. Besonders
sogenannte Sattelgeschirre oder Modelle mit quer verlaufen-
den Brustgurten können die Beweglichkeit der Schulter deut-
lich einschränken. Die Schulterblätter des Hundes gleiten bei
jeder Bewegung weit nach hinten und vorne – wird diese
Bewegung durch das Geschirr blockiert oder eingeengt, ver-
ändert sich das gesamte Gangbild. Die Folge können kompen-
satorische Bewegungen sein, bei denen andere Muskelgrup-
pen oder Abschnitte der Wirbelsäule stärker belastet werden.
Für das lockere Mitlaufen am Fahrrad eignen sich daher
vor allem anatomisch geschnittene Y-Geschirre, die den
Schulterbereich frei lassen und den Druck gleichmäßig über
Brust und Rumpf verteilen. Diese sollten vor dem Kauf or-
dentlich angepasst werden: eine Handbreit muss zwischen
Vorderbein und Brustgurt passen. Beim sportlichen Ziehen
– etwa im Bikejöring – kommen dagegen speziell konstru-
ierte Zuggeschirre sowie Bungeeleinen mit Ruckdämpfung
zum Einsatz, die den Kraftverlauf entlang des Körpers lei-
ten und den Rücken entlasten.
Am Ende entscheidet also nicht allein die Aktivität darü-
ber, ob Radfahren für den Hund gesund ist, sondern – neben
Alter, Rasse und Grundgehorsam – vor allem Tempo, Aus-
rüstung und Trainingsaufbau. Werden diese Faktoren be-
rücksichtigt, kann das gemeinsame Radfahren eine sinn-
volle und gelenkschonende Möglichkeit sein, Bewegung und
Auslastung in den Alltag zu integrieren. Text + Bild: Lou Herfurth
zza. 4/2026

