Studie__Heimtierhaltung als relevanter Wirtschaftsfaktor

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Eine neue volkswirtschaftliche Studie beziffert die Ausgaben deutscher Haushalte für Heimtiere auf mehr als 18 Milliarden Euro. Abertausende Arbeitsplätze hängen daran.

Heimtiere bereichern nicht nur das Leben ihrer Halter, sondern leisten einen stabilen Beitrag zu Konsum, Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in Deutschland. Das zeigt die „Heimtierstudie 2025: Update und Trends zur wirtschaftlichen Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland“ der Professorin Renate Ohr von der Universität Göttingen, die mit Unterstützung des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) entstanden ist. Damit knüpft die Wissenschaftlerin an ihre beiden Vorgängerstudien aus den Jahren 2014 und 2019 an und zeigt Entwicklungen in relevanten Bereichen auf.

In ihrer Untersuchung beziffert die Ökonomin die mit der Heimtierhaltung verbundenen Umsätze für das Jahr 2024 auf mehr als 18 Milliarden Euro. Abzüglich der darin enthaltenen Importe kommt sie auf einen Beitrag der Heimtierhaltung zur deutschen Wertschöpfung von etwa 15,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von ungefähr 0,35 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Geschätzt sind damit bis zu 165.000 Arbeitsplätze verbunden.

„Dauerhafte Bedeutung“

„Diese Zahlen unterstreichen die dauerhafte gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland“, sagt Ohr. „Heimtiere wie Hunde, Katzen, aber auch Kleintiere, Vögel, Fische und Reptilien werden als Sozialpartner und Familienmitglieder gesehen und unterstützen nachweislich die physische und psychische Gesundheit ihrer Besitzer – und mit dieser Wertschätzung ist auch eine zunehmende Bereitschaft verbunden, Geld für sie auszugeben.“

Zur Einordnung: Der Beitrag der Heimtierhaltung zur Wertschöpfung lag 2024 bei mehr als einem Drittel des Beitrags von Land- und Forstwirtschaft inklusive Fischerei. Die Bruttowertschöpfung in diesem Bereich betrug laut Angaben des Statistischen Bundesamts rund 39,6 Milliarden Euro, was etwa 0,9 Prozent des BIP entspricht.

Für ihre Studie hat die Professorin die Ausgaben in allen relevanten Bereichen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie dem Statistischen Bundesamt oder Verbänden erfasst, verschiedenste Informationen selbst berechnet, durch Tierhalter-Befragungen ergänzt und auf Plausibilität geprüft. Dazu gehören Wirtschaftsbereiche wie Heimtiernahrung, Zubehör, Veterinärleistungen, Versicherungen, Tierbestattung, Tierpensionen oder Hundetraining.

„Emotionale Bindung und wirtschaftliche Relevanz“

„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass verantwortungsvolle Heimtierhaltung längst kein Nischenthema mehr ist. Sie verbindet emotionale Bindung mit wirtschaftlicher Relevanz – und schafft Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Dienstleistung“, sagt IVH-Geschäftsführerin Dr. Katrin Langner.

Die meisten Ausgaben tätigen Tierhalter der Studie zufolge für Heimtiernahrung, inklusive zu Hause frisch zubereitetem Futter. Die Umsätze damit beziffert die Ökonomin auf 7,5 bis 9,5 Milliarden Euro – in der Vorgängerstudie mit Zahlen aus dem Jahr 2018 wurden sie noch mit unter fünf Milliarden Euro angegeben. Sie weist allerdings darauf hin, dass aufgrund einer veränderten Berechnungsmethodik alle aktuellen Ergebnisse mit den Studien von 2019 und 2014 nur bedingt vergleichbar seien.

Wachstumstreiber Gesundheit

Ein ebenfalls großer Posten und deutlicher Wachstumstreiber ist der Wirtschaftszweig Gesundheit, also Veterinärwesen, Tierheilpraktiker und verwandte Berufe. Die Gesamtumsätze in diesem Bereich schätzt Ohr auf einen Betrag zwischen vier und 4,2 Milliarden Euro. „Ein deutlicher Sprung in den Umsätzen ist auf die neue Gebührenordnung für Tierärzte seit 2022 zurückzuführen – aber auch mittelfristig ist mit weiter steigenden Ausgaben von fünf bis zehn Prozent zu rechnen“, sagt die Studienautorin.

Das läge einerseits an der Bereitschaft, sich für den tierischen Partner teure Diagnose- und Behandlungsformen aus der Humanmedizin zu leisten, andererseits an der vermehrten Nutzung von Tierkrankenversicherungen, die die Ausgabenbereitschaft der Tierhalter für tierärztliche Behandlungen erhöht.

Boom bei Versicherungen

Auch der Bereich der Tierversicherungen ist der Studie zufolge stark auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro gewachsen, was vor allem auf einen Boom bei Tierkrankenversicherungen zurückzuführen ist. Ein Anstieg ist auch bei der Betreuung von Heimtieren zu verzeichnen, die mit „mindestens 100 bis 150 Millionen Euro“ beziffert wird. 2018 waren es noch 115 Millionen Euro. Die Einnahmen durch die Hundesteuer sind von 359 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 430 Millionen Euro im Jahr 2024 gestiegen.

Selbst den Tod ihrer Tiere lassen sich die Halter etwas kosten: Für die Heimtierbestattung ergaben sich geschätzte Ausgaben in Höhe von 100 bis 110 Millionen Euro. „Die Humanisierung in der Heimtierhaltung zeigt sich auch im Bestattungswesen“, erläutert die Professorin das starke Wachstum. „Immer weniger Tiere werden nach ihrem Tod zur Tierkörperbeseitigung gebracht. Die Wachstumsraten bei der Heimtierbestattung werden sich somit mittelfristig fortsetzen – mit voraussichtlich steigender Tendenz.“