Wandern__Wenn das Gassigehen zum Erlebnis wird

Energie tanken mit Faltnapf und Wasserflasche, die sich komfortabel transportieren lassen. Foto: L. Herfurth

Zwischen Lockdown und Homeoffice entschloss sich unsere Autorin zu ausgiebigen Wanderungen mit Hund. Abends kehrte sie mit einem müden, aber überglücklichen Tier nach Hause zurück. Die Hundewanderungen wurden mit der Zeit immer größer und anspruchsvoller, deshalb bekam auch der vierbeinige Begleiter eine neue Zubehör-Ausrüstung. So entstanden Mikroabenteuer mit Hund.

45 Burgen, Ruinen und Schlösser, aber auch Seen und Sehenswürdigkeiten im eigenen beziehungsweise in den angrenzenden Bundesländern habe ich 2020 mit meinem Hund erkundet. Im Prinzip kann jeder Gassigänger mit seiner Fellnase zum Mikroabenteurer werden. Vorteilhaft ist, über das avisierte Ziel vorab zu recherchieren. Hilfreich sind hierbei vor allem Apps wie „Alltrails“ oder „Komoot“, die bereits Laufwege mitsamt den zu erwartenden Schwierigkeitsleveln aufzeigen. Noch dazu zeichnen sie die Tour auf und funktionieren als Navi.

Bei der Tourenplanung sollte nicht nur das eigene Fitness-Level bedacht werden, sondern auch Rücksicht auf den Hund genommen werden. Ein flottes Zweiergespann, das zehn Kilometer oder mehr am Tag spazieren oder sogar joggen geht, wird an einem anspruchsvolleren Trail eher Freude finden, als Sofawölfe, die nur dreimal täglich um den Block trotten. Es gilt Maß zu halten, denn auch Hunde können Muskelkater bekommen. Einige müssen das Energiesparen zudem erst erlernen, damit sie sich nicht bereits auf den ersten zwei Kilometern völlig verausgaben.

Pausen einplanen

Die Hundesprache etwas einordnen zu können, ist ebenfalls hilfreich, denn manche Fellnase neigt dazu, Erschöpfung erst dann anzuzeigen, wenn sie fast keine Pfote mehr vor die andere setzen kann. Ausreichende Pausen sollten eingeplant werden. Ein rascher Check beim Tierarzt, ob der Vierbeiner fit genug ist, kann sinnvoll sein. Auch eine Vertrauensperson über die geplante Route in Kenntnis zu setzen, damit im Bedarfsfall extern Hilfe hinzugezogen werden kann, macht Sinn.

Wer bereits gut zu Fuß ist, kann sich durchaus an sein erstes Abenteuer wagen und die Reaktionen seines Hundes dabei beobachten. Häufig führen Wanderwege auch über Holzbrücken, Metallgitter oder erfordern ein Hinauf- oder Herabspringen des Vierbeiners. Solche eher nicht alltäglichen Aufgaben und Hindernisse lassen sich durchaus auch schon zu Hause üben. Nach und nach kann das Schwierigkeitslevel gesteigert werden.

Proviant für Hund und Herrchen

Mit an Bord sollte außerdem immer entsprechend Proviant für Hund und Herrchen sein. Erfahrungsgemäß gibt es fast immer eine für den Hund unbekannte Situation, die selbst den gemütlichsten Abenteurerhund schon einmal aus dem Takt bringen kann. Deswegen empfiehlt es sich, Hunde mit Schleppleine und Sicherheitskarabiner am No-Escape-Geschirr mit GPS-Tracker auszustatten. Bewährt haben sich auch Y-Geschirre, bei denen vor allem Ruffwear die Belange von Wanderhunden bedient.

Am Berg eignen sich auch Militärwesten für Hunde von Onetigris, da diese über einen breiten Bauchlatz und mehrere Griffe verfügen, sodass der Hund durchaus auch bei Hindernissen komfortabel angehoben werden kann. Nach Rücksprache mit einem Bergführer der Tiroler Zugspitzbahn ließe sich das Tier damit sogar abseilen.

Unverhofft kommt oft, deswegen gehören auch immer Pfotenschuhe ins Gepäck. Bewährt hat sich vor allem das Zubehör von Dogs Creek – vom Geschirr über den faltbaren Silikon-Reise-Napf bis hin zum Klett-LED-Patch und natürlich der Spielente. Eine klettbare Hundejacke schützt gegen das Auskühlen bei einer Pause, gute Dienste leistet zusätzlich eine einrollbare Hundematte, die sich am Rucksack befestigen lässt.

Ausrüstung im Geschäft ausprobieren

Ein ausgiebiges Testen der Hundeausrüstung noch im Store ist absolut zu empfehlen. Auch die Ausstattung des Halters sollte dem Abenteuer angepasst sein: eine Wanderhose und Jacke je nach Trail, unter die sich unter Umständen Thermoleggins oder Fleecepulli ziehen lassen. Sinnvoll ist Bekleidung mit Recco-Reflektoren, wie sie Revolution Race oder Beyond Nordic anbieten, deren Sortiment sich allgemein prima für alle Aktivitäten mit Hund eignen.

Das Schuhwerk orientiert sich von einfachen Trailturnschuhen über Wanderstiefel mit Knöchelschutz bis hin zu Schneestiefeln am jeweiligen Untergrund. Der richtige Schuh ist durchaus eine Lebensversicherung im Gelände. Regatta bietet zudem leichte und faltbare Schlupfregenhosen oder Jacken an. Wer gerne im Gebirge unterwegs ist, sollte vielleicht über eine Bergversicherung nachdenken. Wer einmal Spaß an diesen Outdoor-Erlebnissen gefunden hat, weitet seine Mikroabenteuer mit der Zeit meistens aus. Zum Beispiel zu einem Wochenendtrip oder zu mehreren kleineren Ausflügen an aufeinanderfolgenden Tagen. Damit kommt man sogar an entfernte Orte, von denen man nicht meinen würde, dass es möglich ist, diese mit seinem Vierbeiner zu erreichen.

Lou Herfurth