Die European Pet Organization (EPO), gegründet 1990, vertritt die Interessen der Heimtierbranche innerhalb der Europäischen Union, deren Gesetzgebung eine immer größere Bedeutung mit sich bringt. Gegenwärtig gibt es zehn weitere Verbände, die neben dem ZZF in der EPO organisiert sind: AEDPAC (Spanien), AIPA (Italien), DIBEVO (Niederlande), NZB (Norwegen), OATA (Vereinigtes Königreich), PRODAF (Frankreich), VZFS (Schweiz), WKO-Zoo-Fachhandel (Australien) und ZOORF (Schweden).
Das Leitungsgremium der EPO traf sich am 21. November 2017. Bei dieser Gelegenheit befragte ZZF den EPO-Präsidenten Svein A. Fosså zu derzeitigen Aufgaben und künftigen Herausforderungen der EPO:
Welche Funktion haben Sie in der EPO inne und welche Ziele haben Sie sich für Ihre Position gesetzt?
Als Präsident der EPO, eine Position, die ich seit Mai 2008 bekleide, habe ich die formelle Aufgabe, die Vorstandssitzungen und Jahrestreffen einzuberufen und den dortigen Vorsitz zu führen. Außerdem vertrete ich die Organisation bei rechtlichen und öffentlichen Angelegenheiten. Mein persönliches Ziel ist es, alle europäischen Heimtierorganisationen dazu zu bringen, enger zusammenzuarbeiten und deren Kooperation und den Austausch von Informationen und Ideen zu forcieren.
Wie arbeitet die EPO?
Die Aufgabe der EPO besteht darin, die allgemeinen Interessen der europäischen Heimtierbranche, insbesondere gegenüber den erlassenen Rechtsvorschriften der Europäischen Union und anderer internationaler Institutionen, wie z.B. der EFSA, CITES und der OIE, zu verteidigen und zu fördern. Um dies zu erreichen, muss die EPO Informationen, die die Heimtierbranche, aber speziell auch die europäischen Regularien betreffen, innerhalb der angeschlossenen Verbände sammeln, austauschen und verbreiten.
Wie viele Menschen arbeiten für die EPO?
Unglücklicherweise haben wir immer noch zu beschränkte Mittel, um all das umzusetzen, was wir wollen. Frau Nathalie Gamain, unsere EU-Beauftragte und einstweilige Generalsekretärin ist die einzige bezahlte Beschäftigte der EPO, und das auch nur nebenberuflich. Im Moment liegt somit die Gesamtverantwortung aller Mitgliedsorganisationen darin, Informationen einzubringen und auf Anfragen der EPO zu antworten, wenn wir in der Lage sein wollen, wirkungsvoll zu agieren.
Wie kann die EPO die Repräsentanz der europäischen Heimtierbranche stärken?
Einzelne nationale Branchenverbände werden es schwer haben, einen direkten Zugang zu den EU-Entscheidungsinstanzen zu bekommen. Deshalb ist eine internationale Organisation wie die EPO unerlässlich, um der Heimtierbranche in Brüssel Gehör zu verschaffen. Dank unserer fortdauernden Präsenz über die Jahre, ist die EPO in Brüssels Amtsstuben als zuverlässiger Partner in breitem Maße anerkannt. Wir bekommen oftmals aus erster Hand einem Einblick in die Prozesse des Tierschutzes, der Tiergesundheit, des Naturschutzes und in andere Bereiche, die auf unsere Branche Auswirkungen haben können.
Arbeitet die EPO mit anderen Organisationen zusammen, um ihre Ziele zu erreichen?
Abgesehen von einer fallweisen Zusammenarbeit mit anderen Branchen, Hobby-Gruppen oder Organisationen, die unsere Interessen im Einzelfall teilen, sind die EPO-Mitglieder die wichtigsten Kooperationspartner. Die EPO kann schlechthin niemals einen direkten Einblick in all das haben, was in der Branche quer durch Europa passiert. Es sind die nationalen Branchenverbände, die am besten in der Lage sind, auf Informationen und Erfahrungen der Branche in den jeweiligen Ländern zuzugreifen und sie zu erheben, um sie dann der EPO zugänglich zu machen.
Eine breitere Mitgliederbasis quer durch Europa könnte die Position der EPO als Sprachrohr der europäischen Heimtierbranche weiter stärken. Wir benötigen dringend die Mitwirkung von Heimtierbranchenverbänden aus ganz Europa bei der EPO. Und in Ländern, wo keine effektiven Branchenverbände existieren, sollten die dortigen Branchen darauf hinwirken, solche Organisationen zu gründen. In Anbetracht der sehr limitierten Ressourcen der EPO braucht nicht darauf hingewiesen zu werden, dass dies in hohem Maße von der Basis vorangetrieben werden muss. Wir in der EPO sind sehr daran interessiert, mit jedem zu reden, der hierzu Ideen einbringen kann und wir werden alles tun, was wir können, um dabei Hilfestellung zu leisten.
Ich persönlich würde es mir eine verstärkte Zusammenarbeit mit den größeren Tierhalterverbänden in Europa wünschen, da wir zweifellos viel mehr gemeinsame als gegensätzliche Interessen haben. Da solche Organisationen gegenwärtig keine ordentlichen EPO-Mitglieder werden können, muss eine solche Zusammenarbeit, wie derzeit üblich, von Fall zu Fall oder über einen nationalen Branchenverband, der Mitglied der EPO ist, erfolgen.
Wie können ZZF-Mitglieder die Arbeit der EPO unterstützen?
Wie jeder Branchenverband hat die EPO solange keine Ahnung von den Problemen und Sorgen des Handels, bis uns jemand darüber informiert. Es liegt eine große Verantwortung bei den Mitgliedsverbänden der EPO, aber ebenso bei den einzelnen Händlern. Ich würde natürlich vor allem gerne sehen, dass ZZF-Mitglieder ihren Verband immer auf dem Laufenden halten, sodass diese Informationen über ihn zusammengeführt und an die EPO weiterreicht werden können. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass der ZZF - genau wie fast alle Einzelorganisationen in unserer Branche - regelmäßig die Erfahrung macht, dass die meisten Mitglieder mehr daran interessiert sind, sich Informationen einzuholen als solche einzubringen. Und das ist ein großes Problem für die Branche. Kein Verband kann die Realitäten der Branche erfinden! Es sind die darin arbeitenden Menschen, die ihn über ihre Anliegen, Probleme und Sorgen informieren müssen, genauso wie sie bereitwillig und schnell Informationen mit ihm austauschen sollten, wenn sie angefragt werden!
Bei Belangen von besonderer Dringlichkeit oder bei einem direkten Bezug auf laufende Prozesse in Brüssel ist die EPO immer bereit, direkt mit jedem Interessenvertreter der Branche zu kommunizieren. Es gibt immer Fälle, wo Einzelpersonen spezifische Kenntnisse haben, die für die Arbeit der EPO hilfreich sein können, seien es Angelegenheiten des Tierschutzes, der Tiergesundheit, der Zoonose, über invasive Arten oder über andere Themen. Wenn Sie glauben, solche Kenntnisse zu besitzen, wäre es sehr nützlich, die EPO durch mich oder die Generalsekretärin zu kontaktieren. Möglicherweise wissen wir bereits darüber Bescheid, aber Sie sollten sich nicht darauf verlassen. Die EPO ist für die Branche da, aber wir können ohne deren Mitwirkung nichts erreichen.
Was war bisher der größte Erfolg der EPO?
Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn es darum geht, über Erfolg zu reden, zumal man in der heutigen Zeit in den meisten Fällen bei der Heimtierbranche dann von Erfolgen sprechen kann, wenn etwas nicht oder noch nicht passiert ist. Ich denke da an die jüngsten Streitfragen über invasive nichtheimische Arten oder den Fall Feuersalamander/Bsal, um zwei gute Beispiele hierfür zu nennen. Aber ich würde dies nicht als “Erfolg“ bezeichnen. Die EPO ist nicht im Spiel, um zu “gewinnen”! Die EPO ist und sollte weiterhin ein abwägender Vertreter für die Interessen der Tierhaltung und des Tierhandels sein.
Der Druck der Tierrechtsbewegung auf die Tierhaltung und den Tierhandel ist gewaltig und ihre Präsenz in Brüssel ist um ein Vielfaches größer als unsere Vertretung, was die personellen und finanziellen Ressourcen betrifft. Die Tierhaltung ist einer der Bereiche, die als leichtes Ziel von diesen Interessengruppen ausgewählt wurden, zusammen mit der Pelzindustrie, der Gänseleberproduktion und der Zirkusse. Einige von Ihnen mögen es als Affront ansehen, dass ihr Gewerbe mit diesen verglichen wird. Aber glauben Sie mir: Die haben uns auch ins Visier genommen!
Tierrechte sollten niemals mit Tierschutz verwechselt werden, auch wenn es einige Überlappungen gibt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Tierrechtsorganisationen jedes noch so erdenkliche Argument in ihren Attacken gegen die Tierhaltung und den Tierhandel verwenden. Die “Eurogroup for animals” mit gegenwärtig 19 Beschäftigten und einem jährlichen Budget von 1,7 Mio. € ist nur eine von vielen Gruppen, die sich gezielt auf die EU-Entscheidungsgremien konzentrieren. Eurogroup räumt offen ein, dass es deren Ziel ist, das Halten und den Handel von Tieren innerhalb Europas zu begrenzen. Sie machen auch keinen Hehl daraus, dass sie dies mit jedem geeigneten Mittel erreichen wollen, indem sie z.B. Verordnungen für beispielsweise invasive nichtheimische Arten, Tiergesundheitsgesetze, Tierschutzrahmengesetze oder Handelsabkommen dafür nutzen.
Ich darf Sie nochmal daran erinnern, dass die EPO nur eine Person teilzeitlich beschäftigt. Ferner beläuft sich das jährliche Gesamtbudget auf eine Größenordnung von 60.000 €. Und wir sind die einzige Heimtierorganisation mit ständiger Vertretung in Brüssel! Dass wir überhaupt etwas erreichen, ist keine “Erfolgsgeschichte“, sondern ein “Wunder“ in Kombination mit harter Arbeit und äußerst günstigen Bedingungen. Diese günstigen Bedingungen können wir nur verbessern, indem wir die gemeinsame Unterstützung der europäischen Heimtierbranche durch weitere Mitgliedsbeitritte nationale Branchenverbände in die EPO oder durch deren direkte Zusammenarbeit und Unterstützung erhalten.
Mit welchen Themen befasst sich die EPO im Moment im Besonderen und was sind die kommenden Herausforderungen?
Zahlreiche Themen von großer Bedeutung werden sorgfältig beobachtet und nötigenfalls durch spezielle Maßnahmen begleitet:
• Tiergesundheit mit der Annahme der Verordnung über übertragbare Tierkrankheiten (Tiergesundheitsgesetz) im März 2016 und ihre Umsetzung für Anfang April, 2021. Die EPO ist ein aktives Mitglied der EU Animal Health Advisory Group.
• Invasive nichtheimische Arten (IAS) Verordnung mit ihrer die Union betreffende IAS-Liste (Unionsliste) und die zugehörigen laufenden Aktualisierungen. Die EPO ist Mitglied der EU Working Group der IAS. Sie hat sich bisher gegen die Listung der Gattung Channa in ihrer Gesamtheit ausgesprochen und wird dies auch weiterhin tun.
• Der EU-Aktionsplan gegen den illegalen Artenhandel. Die EPO und ihre Mitglieder nahmen als Referenten bei der dem 1. Jahrestag gewidmeten Veranstaltung bei der Europäischen Kommission in 2017 Teil. Seitdem hat sie ein Positionspapier herausgegeben, das ihre Mitgliedsaktivitäten gegen den illegalen Artenhandel darlegt. Sie möchte ihre Zusammenarbeit mit den EU-Behörden fortsetzen.
• Ein Ansatz zur Positivliste: Die EPO hat in 2017 ein Positionspapier gegen ein Ansatz zur Positivliste herausgegeben. Der Ansatz wurde auf mitgliedsstaatlicher und EU-Ebene durch Tierrechtsorganisationen gefördert.
• Tierschutz mit der unlängst von der EU extra dafür eingerichteten Europäischen Plattform für den Tierschutz. Selbst wenn diese Plattform dazu berechtigt ist, die Umsetzung der Rechtsvorschriften innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten und für Tiere in der Landwirtschaft zu verbessern, muss die EPO deren Arbeitsfortschritt genauestens überwachen. Wie bereits angedeutet, nutzen unsere Gegner auch mit Hilfe dieser Plattform jede Gelegenheit, unsere Branchenaktivitäten zu kritisieren und zu stoppen.
Zusätzlich zu diesen Themen beobachtet die EPO alle Aspekte, die einen Einfluss auf Tierhandelsaktivitäten haben könnten, wie z.B. Antibiotikaresistenzen, Brexit usw.
Mit solch einer umfangreichen Agenda für die Heimtierbranche ist es für die EPO und ganz allgemein für den gesamten Heimtiersektor wichtig, mit einer Stimme auf EU-Ebene zu sprechen, um die Reichweite und den Einfluss zu optimieren.
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www.europets.org/pages/contact.htm
Foto:
Der EPO-Präsident Svein A. Fosså bei einer ersten Begegnung mit einer der neuen Herausforderungen des Tierhandels: nichtheimische Arten – hier in Form von Halsbandsittichen (Psittacula krameri) in den Kensington Gardens in London, UK.