Der Geschäftsführer der Interzoo-Veranstalterin WZF Gordon Bonnet und die Bereichsleiterin Messen Dr. Rowena Arzt ordnen im exklusiven zza-Interview die Bedeutung der Weltleitmesse für die nationale wie internationale Heimtierbranche ein.
zza: Neue Halle, mehr Fläche, größeres Rahmenprogramm: Die Interzoo wächst weiter. Welche Bedeutung hat die Messe gerade auch angesichts der aktuellen Situation für die internationale Heimtierbranche?
Dr. Rowena Arzt: Die Interzoo ist die Weltleitmesse der Heimtierbranche und damit die Hauptplattform, auf der sich Akteure treffen. Globale Messen sind heutzutage noch wichtiger, wenn es um die Lieferketten geht. Wir sehen, dass wir viele Verschiebungen in den Beschaffungsmärkten haben und wir sehen eine veränderte geopolitische Lage, die eine Reaktion notwendig macht. Es gibt nichts Besseres als eine internationale Messe, um neue Märkte zu erschließen, neue Lieferanten zu finden und Vertrauen zu bilden. Je mehr Unsicherheit in der Welt existiert, umso wichtiger werden Messen als Plattformen für Geschäfte und Begegnungen.
Gordon Bonnet: Die Interzoo ist auch ein Lackmustest für die Branche, um zu sagen, wo wir stehen. Sie ist zudem der Ort, an dem sich die Innovationen zeigen. Man sieht dort, was weltweit gerade passiert und was die Zukunft bringen wird. Und es ist gleichzeitig für alle, die da sind, auch die Eintrittskarte für den künftigen unternehmerischen Erfolg.
zza: Wie beurteilen Sie die Lage der Branche national wie global?
Bonnet: Menschen lieben Heimtiere. Tiere werden mittlerweile als enge Lebensbegleiter und auch als Teil der Familie gesehen. Dieses Phänomen ist weltweit sichtbar und zeigt sich in vielen Ausprägungen. Das ist erstmal eine sehr gute Basis für die Heimtierbranche.
Natürlich gibt es für die Branche einige Herausforderungen, die im Moment mit Unsicherheiten in der Welt zu tun haben. Aber wir erleben jetzt gerade in Deutschland auch wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum, eine leichte Aufhellung im Bereich des Konsums. Insofern sind die Voraussetzungen für die Interzoo gut, denn wer dort heute hingeht, kümmert sich ja vor allen Dingen darum, morgen erfolgreich zu sein. Dafür gibt die Messe eine ganze Menge Impulse. Ich denke also, die Branche wird mittel- und langfristig weiterwachsen.
Das ist im Übrigen auch gut für die Tiere, denn wir haben immer mehr Produkte, die auf eine Verbesserung des Tierwohls abzielen. Und das will man ja für jedes Familienmitglied, dass es ihm gut geht und dass es dafür gute Produkte gibt.
Arzt: Wir stellen auch fest, dass wir eine stärkere Marktsegmentierung haben. Trends kommen und bleiben. Es gibt eine höhere Spezialisierung der Produkte, die Produzenten bieten für die verschiedenen Marktsegmente Lösungen an. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Trends bei den Absatzwegen. Auch hier sehe ich eine stärkere Segmentierung und es gibt neue Absatzwege, neue Partnerschaften, zum Beispiel basierend auf dem Trend der Humanisierung.
Bonnet: Segmente wie funktionale Tiernahrung oder auch technologiebasierte Lösungen entwickeln sich aktuell besonders dynamisch. Und man kann auch sagen, dass sich nach der Hochphase in der Pandemie die Branche jetzt etwas mehr vom reinen Mengenwachstum zu mehr Innovation und Wertschöpfung verschiebt.
„Innovationen und neue Produkte sehen“
zza: Welche Erwartungen an die Interzoo vermitteln die Aussteller, welche die Fachbesucher?
Arzt: Die meisten Teilnehmer der Interzoo wollen sicherlich einen möglichst vollständigen Marktüberblick bekommen. Zum anderen ist da der Wunsch, Innovationen und neue Produkte zu sehen, Trends zu erfahren, mit Kunden in Kontakt zu treten, neue Kunden zu gewinnen oder auch die Beziehung zu Kunden zu pflegen. Und natürlich auch Produkte im Ganzen zu erleben.
Bonnet: Aussteller erwarten internationale Neukontakte und Marktzugang, Distributionspartner in neuen Regionen, Sichtbarkeit für ihre Marke und für ihre Innovationen. Fachbesucher erwarten Orientierung im globalen Produktangebot, Inspiration im Bereich für ihre Sortimentsentwicklung und konkrete Lösungen für den bestehenden Differenzierungsdruck im Handel. Die Messe ist damit einerseits Trendbarometer. Sie ist aber auch Orderplattform. Und sie ist ein strategischer Think Tank der Branche.
Die Stärke des Fachhandels
zza: Wie verändert sich die Rolle des Fachhandels, in welche Richtung geht es und wie bildet sich das auf der Interzoo ab?
Bonnet: Der Fachhandel muss zeigen, worin seine Stärke liegt. Das funktioniert, indem besondere, außergewöhnliche Produkte präsentiert werden – also nicht nur von der Stange. Es geht darum, dass der Handel für sich sieht, wie er künftig in guten Retail-Konzepten die Produkte darbietet und gute Beratung und das Erleben der Produkte in den Vordergrund stellt.
Natürlich wird der Handel auch immer die typischen Mitnahmeprodukte haben, weil Halter auch schlicht ihr Tier versorgen müssen. Aber in die Läden werden die Leute gelockt, wenn sie dort etwas erleben, etwas, was sie eben nicht rein online oder irgendwo anders bekommen können. Und für all das sollen die Fachhändler auf der Interzoo inspiriert werden.
Aber die Interzoo ist nicht nur für die Fachhändler, um das auch klar zu sagen. Durch den internationalen Charakter sind auch die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Ausstellern ein wichtiger Teil der Messe.
zza: Welche Marktsegmente werden besonders im Fokus stehen?
Arzt: Tatsächlich bietet die Interzoo grundsätzlich wieder einen 360-Grad-Blick auf die gesamte Branche. Aber natürlich gibt es bei der Veranstaltung einzelne Highlights. Dazu gehört beispielsweise der neue Product Showcase für Produkte, die für das Themenfeld Nachhaltigkeit stehen. Zur Nachhaltigkeit veranstalten wir in diesem Jahr auch erstmals eine eigene Konferenz und zusätzliche Sessions.
Wir stärken außerdem den Grooming-Bereich und präsentieren zahlreiche Branchen-Innovationen auf der Fresh Ideas Stage. Wir unterstützen in diesem Jahr die Terraristik mit einem speziell für die Interzoo gestalteten Showcase und bieten so ein weiteres Highlight für die Messebesucher.
Bonnet: Alle Segmente sind dabei, aber die Health-Produkte, die Premiumprodukte, nachhaltige Produkte und Verpackungen haben sicherlich eine besondere Rolle. Dazu etwa noch funktionale Ernährung und Smart-Pet-Tech-Lösungen.
zza: Die Interzoo wird wieder sehr international. Gibt es Bewegung bei den Herkunftsmärkten?
Arzt: Nach wie vor stellt Deutschland die stärkste Gruppe an Ausstellern. Aktuell sehen wir eine verstärkte Nachfrage aus China, Brasilien, Indien, Spanien, Thailand und Polen. Gemessen am absoluten Flächenwachstum gehören China, Spanien, die Türkei, Brasilien, Belgien und die Ukraine zu den wachstumsstärksten Nationen.
Bonnet: Wir haben das mal ausgerechnet: Aktuell kommen 13 Prozent der Aussteller aus Deutschland, 50 Prozent aus der Europäischen Union. Das ist schon wahnsinnig international und da wird es auch nicht viele Messen geben, die einen so hohen Auslandsanteil haben. Das zeigt, dass die Welt hierherkommt.
Wir haben sowieso eine starke Beteiligung aus Europa, aber eben auch zunehmend Nordamerika, Asien mit einer starken Präsenz, auch jetzt gerade die neuen Märkte aus Südostasien. Die Interzoo ist die internationale Plattform, wo Unternehmen sich zeigen wollen.
Interzoo steht an der Spitze
zza: Wo steht die Messe im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, etwa Messen im Ausland?
Bonnet: Ganz einfach: Die Interzoo steht an der Spitze der B2B-Messen – inhaltlich, in der Größe und in der Vielfalt der ausstellenden Hersteller. Im B2C-Bereich gibt es zwar eine Veranstaltung mit mehr Besuchern, doch keine B2B-Messe erreicht ein vergleichbares Niveau.
zza: Worauf freuen Sie sich persönlich besonders?
Arzt: Ich freue mich darauf, dass dann all die Ideen, all die Konzepte, die wir jetzt im Vorfeld geplant haben, dass die sich realisieren, dass sie greifbar und erlebbar werden. Und ich freue mich auf das Wiedersehen mit den Akteuren und mit der Branche. Wenn das alles gut aufgeht, dann ist das die größte Freude.
Bonnet: Ich freue mich am meisten auf die Face-to-Face-Kontakte, denn viele Partnerschaften entstehen auf der Interzoo und vertiefen sich dort. Dadurch ist es eben auch ein ganz besonders Wiedersehen.
zza: Welche Botschaft möchten Sie Ausstellern und Fachbesuchern jetzt schon für die Zeit in Nürnberg mitgeben?
Arzt: Nutzt die Interzoo-App zur Vorbereitung, denn sie schafft euch Zeit auf der Messe. Nehmt euch die Zeit und plant Freiräume ein für die zufälligen Begegnungen, von denen ihr heute noch nichts wisst, denn oft sind das die, die einen ganz besonderen Mehrwert bieten.
Bonnet: Die Interzoo ist kein Ort zum Ausruhen, sondern zum Gestalten. Wer die richtigen Gespräche führt, Trends früh erkennt und neue Partnerschaften eingeht, legt hier den Grundstein für die nächsten erfolgreichen Geschäftsjahre.