Wer schon einmal in tropischem Meerwasser geschnorchelt oder getaucht ist, dem wird diese faszinierende Welt aus farbenfrohen Fischen, Korallen und anderen Tieren für immer im Gedächtnis bleiben. Eine repräsentative Umfrage der Tourismusbranche im Jahr 2013 ergab, dass jeder neunte Deutsche im Um- fragejahr eine Fernreise außerhalb von Europa angetreten ist. Davon hatten mindestens 50 % Bademöglichkeiten und Sonne eingeplant. Umgerechnet also rund 3 bis 4 Millionen Deutsche, die in tropischen Gewässern schwammen und sicherlich auch Kontakt zur salzigen Unterwasserwelt bekamen. Interessant ebenfalls, dass 82 von je 100 Befragten der Fernreisegruppe über ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von über 3.500 Euro verfügten. Doch was bringen solche Erkenntnisse dem Zoofachhandel? „Da habe ich ja nix davon, wenn die Leute lieber in den Urlaub fahren, anstatt das Geld bei mir auszugeben“, werden Sie vielleicht denken. Falsch – Sie können die Erinne- rungen aus dem unvergesslichen Urlaub zurückholen. Sie zeigen Ihren Kunden, dass sie sich ein Stück davon ins eigene Wohnzimmer holen können. Jeder Zoofachhändler mit Lebendtierabteilung, Engagement und der entsprechenden Motivation, Neues zu lernen, kann sich im Bereich Meerwasseraquaristik neu aufstellen. Eine riesige Chance, auch um sich vom Wettbewerb abzusetzen.
Viele Fachgeschäfte wagen sich nicht an die Meerwasseraquaristik, da sie das Thema für zu kompliziert und zu teuer halten. Andere Geschäfte, die über das Jahr mehr lebende Tiere einkaufen als verkaufen sind der Meinung, man kann diese einkalkulierten Verluste durch das Anbieten und Verkaufen von Meerwasser-Hardware gut ausgleichen. (Ein etwas merkwürdiges Geschäftsmodell, doch in meiner 26-jährigen Zoofachhandels-Tätigkeit, ist mir dieses Konzept mehr als einmal begegnet, auch international). Ziel ist es, dass der Zoofachhändler mit dem Umsatz der Meerwasserabteilung Mitarbeiter bezahlen kann und Gewinne erzielt. Diese sich also selbst trägt und nicht subventioniert wird.Wie angedeutet liegt der Knackpunkt beim Livestock. Das neue, riffschonende Meerwasserkonzept „OK Riff“ soll noch dieses Jahr mit einem ausgesuchten Partner im Zoofachhandel umgesetzt werden. Es basiert auf drei Säulen:
Korallen Nachzuchten aus Deutschland
Zusammen mit einem der größten und erfahrensten Korallenzüchter in Deutschland, Korallenzucht Wendel, gibt es ein Sortiment aus Weich- und Steinkorallen sowie Anemonen. Dabei wird auf Naturentnahmen komplett verzichtet. Ein Sortiment, das insbesondere auf Neueinsteiger abgestimmt ist und auch dem Händler bzw. seinen Mitarbeitern das Leben leicht machen wird. Ein Sortiment, das auf ca. 40 bis 50 verschiedenen Korallensorten aufbaut, reicht völlig aus, um schöne Riffaquarien zu gestalten. Mit dem entsprechenden Artenwechsel über das Jahr bleibt die Attraktivität gewahrt. Gezeigt werden die Korallen in zwei verschiedenen Schaubecken (Stein- und Weichkorallen), die als „Schaufenster“ fungieren und nicht als Verkaufsbecken genutzt werden. Jede Koralle des Schaubeckens ist mit ei-nem einfachen Code versehen (Schild neben der Koralle im Aquarium) – so lassen sich die Tiere für jeden einfach identifizieren. Neben den Schaubecken befinden sich die Verkaufsbecken mit identischen Korallen. Die Verkaufsaquarien nach Vorbild des Korallenzüchters auf Rasterplatten ordentlich aufgereiht und präsentiert. Das verschafft sofort einen Überblick auf das Sortiment.
Künstliches Riffgestein „Real Reef Rock“
Auf echtes aus der Natur entnommenes Riffgestein wird ebenfalls zu 100% verzichtet. Stattdessen kommt das in den USA schon seit mehreren Jahren im Handel erhältliche „Real Reef Rock“ zum Einsatz. Das Material besteht aus denselben Bestandteilen wie natürliches Riffgestein und wird für mehrere Wochen in echtem Pazifik-Meerwasser „angeimpft und besiedelt“. Außerdem ist es optisch mit einem biologischen, leicht rötlichen Überzug versehen, um es so natürlich wie möglich aussehen zu lassen. Der größte Vorteil liegt darin, dass es für den Verkauf nicht unter Wasser gelagert werden muss. Außerdem sind Real Reef Rocks in einer großen Bandbreite an Größen und Formen verfügbar: große massive Steine bis hin zu Platten und Ästen.
Verkaufsanlage Fische – Nachzuchten
Gerade um Einsteiger für das Hobby Meerwasseraquaristik zu begeistern, sollte man unbedingt versuchen, die Fischanlage soweit wie möglich mit Nachzuchten zu besetzen – auch wenn diese preislich etwas höher angesiedelt sind. Die Verantwortung liegt beim Händler, was für ein Sortiment an Fischen und anderen wirbellosen Tieren er anbietet. Er führt den Kunden und kann ihm die Werte vermitteln, um verantwortungsvoll mit den Tieren umzugehen. Mit dem Import von Futterspezialisten, die selbst ein Fachhändler nur schwerlich richtig ernähren kann, ist das nur schwer zu vermitteln. Zur Zeit kann bei manchen Arten noch nicht komplett auf Naturentnahmen verzichtet werden, aber das Sortiment an qualitativ hochwertigen Nachzuchten wird immer größer und lässt genügend Spielraum für einen attraktiven Grundstock. Einfach und nachhaltig in der Pflege, verträglich und futterfest – dann hat der Kunde seine Freude.