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Kuscheln, hüpfen, weglaufen: Was die Körpersprache der Meerschweinchen verrät

Meerschweinchen fressen Apfel

Meerschweinchen sind untereinander sehr sozial orientierte Tiere. Da sie ausgiebig mit ihren Artgenossen kommunizieren, sind sie für Menschen sehr gute Beobachtungstiere. Viele ursprüngliche Verhaltensweisen der Tiere lassen sich auch bei der klassischen Heimtierhaltung gut erkennen und verstehen. Die Körpersprache verrät so einiges über die Kleintiere und ihre Bedürfnisse.

von Dr. Regine Rottmayer

Körperkontakt, Kuscheln:

Meerschweinchen leben in Gruppen. Immer wieder ist in Ruhephasen zu beobachten, dass insbesondere jüngere Tiere dicht aneinander geschmiegt liegen. Auch bei der Futteraufnahme sitzen die Tiere oft in Grüppchen eng zusammen.

 

Wenn sich die Nasen berühren:

Wenn sich zwei Tiere begegnen, gehört es zur Begrüßung, dass sie sich mit den Nasen berühren. Ist das Machtverhältnis zwischen den Tieren unklar, weil sie sich zum Beispiel noch nicht kennen, machen sie sich vermutlich beide besonders groß, um das Gegenüber zu beeindrucken. Wird der Kopf nach oben geschlagen, ist das eine eindeutige Warnung. Oft reicht dieses Signal schon, dass der Rangniedrigere nachgibt und es muss somit gar nicht erst zu einer ernsten Auseinandersetzung kommen.

Soziale Körperpflege:

Das Belecken, Putzen oder Kraulen von Artgenossen, wie es zum Beispiel von Mäusen und Ratten, aber auch von Hunden, Katzen, Pferden und Sittichen bekannt ist, spielt beim Meerschweinchen keine besonders wichtige Rolle. Lediglich Meerschweinchenmütter belecken und putzen ihre Jungtiere.

Ältere Tiere werden maximal im Bereich des Gesichtes und hinter den Ohren beleckt, dies ist in der Regel ein freundliches Verhalten untereinander und kann der Beruhigung dienen.

So ist es auch zu erklären, dass Meerschweinchen keine "Streicheltiere" sind. Sie genießen es gar nicht, am ganzen Körper berührt zu werden.

Streicheln und Herumtragen bedeutet Stress

Werden Meerschweinchen hochgehoben oder angefasst, erstarren sie oft und werden ganz ruhig. Dieses Verhalten wird oft missverstanden als "Genießen" oder "Das gefällt ihm". Dabei ist in der Regel das Gegenteil der Fall: Die Tiere sitzen vor Schreck erstarrt und hoffen, dass die Situation so schnell als möglich vorbeizieht. Deswegen die Tiere nach Möglichkeit lieber nicht hochheben und herumtragen. Besonders wenn die Tiere ihren Kopf hochwerfen, sollte man respektieren, dass sie lieber in Ruhe gelassen werden möchten.

Meerschweinchen, die wie erstarrt sitzen, sollten nicht zusätzlich auch noch gestreichelt werden, da das ihren Stresslevel zusätzlich erhöhen würde. Eine ruhige und beruhigende Ansprache ist ausreichend und sinnvoll. Verändert sich der Zustand nicht, sollte ein Tierarzt das Tier untersuchen.

Wenn Meerschweinchen hüpfen:

Im Übermut springen Meerschweinchen, auch hier wieder besonders Jungtiere, oft mit allen Beinchen gleichzeitig in die Luft, oftmals noch verbunden mit schwingvollen Drehungen im Sprung. Dies gehört zum Spielverhalten junger Tiere und wird allgemein als Zeichen des Wohlbefindens interpretiert.

Weil die Bewegung an das Verhalten von erhitztem Popcorn in der Pfanne erinnert, wird dieses Verhalten oft auch als "Popcornen" bezeichnet.

Allerdings: Quieken die Tiere während dieser Luftsprünge laut, könnte es sein, dass es sich um Schmerzäußerungen handelt. Parasiten oder Erkrankungen der Harnwege könnten hier ursächlich zugrunde liegen. Eine genaue Diagnose wird der Tierarzt stellen.

Weglaufen:

 

Meerschweinchen sind Fluchttiere. Dieses Verhalten haben sie auch nach jahrhundertelanger Haltung als Heimtiere nicht abgelegt. Das bedeutet, dass bei unbekannten Geräuschen oder schnellen Bewegungen in der Umgebung umgehend und in der ganzen Gruppe die Flucht in einen Rückzugsort angetreten wird. Daher sollte auch der Standplatz des Käfigs entsprechend ruhig gewählt sein und den Tieren einen gewissen Überblick über den Raum und wer sich darin so bewegt, ermöglichen.

Bei ruhigem und besonnenem Umgang mit ihnen werden viele Meerschweinchen dennoch über die Zeit hinweg sehr zutraulich gegenüber ihrem Besitzer und ermöglichen vielfältige Interaktionen.