Zum Inhalt springen

Leishmaniose bei Hunden

Hund liegt auf einer Decke
An Leishmaniose erkrankte Hunde müssen meist ein Leben lang behandelt werden. Für gesunde Tiere besteht alledings keine Ansteckungsgefahr.

Früher noch exotisch und oft unerkannt, ist die Infektionskrankheit Leishmaniose in den vergangenen Jahren auch nach Deutschland gelangt. Das Krankheitsbild ist vielfaltig. Wie sieht eine Behandlung aus und was können Hundehalter tun? Für gesunde Hunde besteht kaum eine Gefahr. Trotzdem sollte man bei Reisen in den Süden vorbeugen.

von Dr. Rolf Spangenberg

Vor einigen Jahrzehnten war die Leishmaniose noch eine exotische Erkrankung, die selten diagnostiziert und erkannt wurde. Mit dem zunehmenden (Urlaubs)-Reiseverkehr und vor allem dem von einigen Tierschutzorganisationen geförderten Import von herrenlosen Hunden, vorwiegend aus dem Mittelmeerraum, wurde diese parasitäre Infektion aber auch in Deutschland populär. Die Tierärzte wissen, wie man sie diagnostiziert und behandelt.

Worum geht es?

Im südlichen Teil Europas sind Schmetterlingsmücken (= Phlebotomen) heimisch. Sie übertragen die Leishmanien auf Hunde und auch auf Menschen! Es handelt sich also um eine Zoonose. Diese Infektion kann durch die Mücken, jedoch auch bei engem Kontakt über offene Hautwunden von Infizierten auf gesunde Hunde und Menschen (!) gelangen.

Und wie erkennt man eine Leishmaniose? Das ist schwierig, denn das Krankheitsbild ist außerordentlich vielgestaltig. Es reicht von einer allgemeinen Schwäche ohne sonstige Symptome bis zu den nicht juckenden schuppigen Ohren und Nasenrücken, sowie einer „Brillenzeichnung“ (Schuppen um die Augen herum), was als halbwegs typisch angesehen wird. Die genauere Diagnose liefert nur eine spezielle Blut- oder Gewebeuntersuchung.

Lebenslange Behandlung

Und die Behandlung? Sie ist unbefriedigend und muss meistens lebenslang erfolgen. Es gibt verschiedene Medikamente, am häufigsten wird das Allopurinol verwandt. Damit erreicht man eine deutliche Besserung, wenn auch nur selten eine Heilung.

Die Aussichten ohne Behandlung sind schlecht. Zwar gibt es latente Fälle, bei denen auch infizierte Hunde keine Krankheitserscheinungen erkennen lassen. Unbehandelte Infizierte mit deutlichen Symptomen sterben aber meist zu 90 Prozent innerhalb eines Jahres.

Was ist also Hundehaltern anzuraten?

Gesunde Hunde in Deutschland sind keinem Krankheitsrisiko ausgesetzt. Man sollte sich nicht nervös machen lassen, wenn etwa mit Leishmaniose infizierte Tiere in der Nachbarschaft sind.

Wenn man mit seinem Hund in ein südliches Land reisen möchte, ist eine intensive Vorbeugung unerlässlich. Es gilt, den Kontakt mit Schmetterlingsmücken unbedingt zu vermeiden. Dafür gibt es spezielle Abwehrmittel (mit Insektiziden getränkte Halsbänder, Spot-on-Zubereitungen und Präparate, die als Repellentien die Mücken vertreiben). Neuerdings ist auch eine Impfung zugelassen. Dabei sind einige Dinge zu beachten - Ihr Haustierarzt wird Sie entsprechend beraten.

Einen erkrankten Hund aufnehmen?

Eine ganz schwierige Frage ist, ob man einen Hund aufnehmen sollte, der aus südlichen Ländern eingeführt wurde. Natürlich denkt man daran, dass diese armen Tiere dem sicheren Tode geweiht sind, wenn sie nicht entsprechend versorgt, gepflegt und behandelt werden. Leiden sie an Leishmaniose? Das könnte ein entsprechender Test klären. Will man im positiven Falle ein solches Tier bei sich aufnehmen und die wahrscheinlich lebenslange Betreuung gewährleisten? Es entstehen schließlich auch Kosten, die über die üblichen Futterkosten weit hinausgehen. Es ist anzuerkennen, wenn überzeugte Tierfreunde das auf sich nehmen, andererseits muss man auch akzeptieren, wenn sie davor zurückschrecken.

Ein sehr sinnvoller Weg ist es, die Tierschutzorganisationen in den betreffenden Ländern entweder durch eigenen Einsatz oder durch Spenden zu unterstützen. Damit wird man die Leishmaniose zwar nicht ausrotten können, lindert aber das Leid der erkrankten Tiere vor Ort und reduziert das Risiko, den Erreger einzuschleppen!