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Aquaristik : Potenziale und Herausforderungen

Der deutsche Heimtiermarkt ist vielfältig und die Aquaristik spielt darin eine besondere Rolle. Eine Erhebung in diesem Segment zeigt stabile Werte und Potenzial für weiteres Wachstum.

In rund 1,7 Millionen deutschen Haushalten gab es 2023 mindestens ein Aquarium. Wie die vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) und Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) in Auftrag gegebene Studie zeigt, bleibt diese Zahl seit einigen Jahren auf stabil hohem Niveau und liegt noch immer deutlich über den Werten von vor der Corona-Pandemie. 2019 etwa waren es noch 1,4 Millionen Haushalte gewesen, in denen mindestens ein Becken stand.

Insgesamt gab es 2023 laut der Studie rund 2,2 Millionen Aquarien in Deutschland, fast ein Viertel der Besitzer hat mehr als eines. Im bevölkerungsstarken Nordrhein-Westfalen allein steht schon eine halbe Million, in Bayern gibt es rund 0,4 Millionen, in Baden-Württemberg 0,3. Immerhin zwölf Prozent der befragten Aquarienbesitzer gaben an, im Laufe der vergangenen zwölf Monate vor der Befragung ein neues Aquarium angeschafft zu haben.

Auf dem Land wie in der Stadt

Dabei ist die Aquaristik in städtischen Gebieten anteilig genauso weit verbreitet wie auf dem Land. Die Studie zeigt: 31 Prozent der Aquarien- Haushalte befinden sich in Städten mit über 100.000 Einwohnern. Das entspricht in etwa der allgemeinen Bevölkerungsverteilung zwischen Land und Stadt. Egal ob im Dorf oder in der Hauptstadt: Aquarianer sind überwiegend in Mehrpersonenhaushalten vertreten, in 40 Prozent der Haushalte mit Aquarien gibt es auch Kinder.

Das Interesse an der Aquaristik und die Nachfrage nach Produkten und Tieren ist also stabil. Aber natürlich gibt es auch in diesem Markt-Segment Bewegung. Wie in vielen anderen Bereichen steigt auch hier die Nachfrage nach nachhaltigen Aquarien; naturnahe Gestaltung steht bei Konsumenten hoch im Kurs, Aquascaping erfreut sich großer Beliebtheit. Für die Wertschöpfungskette eröffnen diese Entwicklungen Chancen für Produkte wie pflanzliche Wasserzusätze, natürliche Dekorationselemente und energieeffiziente Technik. Gerade beim Stichwort Technik gibt es in der Aquaristik große Potenziale hinsichtlich smarter Vernetzung etwa zwischen Biotopen und mobilen Geräten zur Überwachung.

Stationärer Handel dominiert

Die ZZF/IVH-Studie stellt auch dar, dass 2023 der stationäre Handel weiterhin den Vertrieb in der Aquaristik dominierte − rund 69 Prozent der Befragten gaben an, im Zoofachhandel oder bei spezialisierten Händlern Fische gekauft zu haben. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass der Online-Handel im Bereich Zubehör und Technik schnell wächst.

Der stationäre Handel kann hier allerdings mit seiner Beratungsqualität punkten: Die Aufklärung über artgerechte Haltung und Pflege der Tiere ist sicher ein Top-Argument für die Bindung der Kunden. Die Studie bestätigt das, denn 45 Prozent der Befragten gaben an, sich vor dem Kauf im Zoofachhandel informiert zu haben. Als Informationsquellen folgten auf den Plätzen das Internet, Bücher und Fachzeitschriften.

Will der Fachhandel hier seinen Vorsprung halten, bestehen die Herausforderungen vor allem in der Aufklärung der Verbraucher über die artgerechte Haltung und Pflege der Tiere. Fachgeschäfte und Hersteller setzen daher verstärkt auf Informationskampagnen und Workshops.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Aquaristik in Deutschland weiterhin einen festen Platz in den Herzen der Heimtierhalter hat. Die Trends zu naturnahen Lebensräumen und einer starken Bindung der Verbraucher an qualitätsorientierte Produkte bieten Raum für Wachstum. So bleibt die Aquaristik zwar ein Nischenmarkt innerhalb der Heimtierbranche, birgt jedoch durch die zunehmende Individualisierung und Diversifizierung der Heimtierhaltung weiteres Potenzial. Hersteller, die auf Nachhaltigkeit, Innovation und Kundennähe setzen, können langfristig von dieser Entwicklung profitieren.

Dominic Heitz