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Aquaterra-Shop : Mit Herzblut, Erfahrung und echtem Terraristik-Spirit

Oliver Fink betreibt den Aquaterra Shop in Hanau mit großer Leidenschaft.

Seit 30 Jahren betreibt Oliver Fink den Aquaterra-Shop in Hanau. Zum Jubiläum hat er auf die Anfänge zurückgeblickt und darauf, wie sichdas Hobby im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Als 1995 in Hanau das Fachgeschäft Aquaterra-Shop eröffnete, standen dort fünf Terrarien und drei Becken für Schildkröten. „Wir haben mit Aquaristik angefangen, aber sehr schnell gemerkt, dass die Terraristik eine viel größere Nachfrage hatte“, erinnert sich das Ehepaar Diana und Oliver Fink, die das Familienunternehmen gemeinsam gegründet haben. Heute, 30 Jahre später, ist der Aquaterra Shop weit über die Region hinaus bekannt – nicht nur als Laden, sondern als Adresse für fachkundige Beratung, verantwortungsvolle Tierzucht und echte Leidenschaft.

In den späten 90er- und frühen 2000er-Jahren erlebte die Terraristik einen regelrechten Aufschwung. „Damals war hier richtig was los“, erzählt Oliver Fink. „Das Internet gab es noch kaum, die Leute kamen persönlich in den Laden, suchten Tiere, Zubehör, Beratung.“ Doch die Branche hat sich verändert – und mit ihr das Kaufverhalten. Heute verschiebt sich vieles ins Netz, und auch Aquaterra Shop betreibt längst einen erfolgreichen Online-Shop, der inzwischen etwa die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Das hinterließ auch räumlich Spuren: Die Verkaufsfläche wurde etwas reduziert, dafür Lager und Versandfläche für den Onlinehandel erweitert. „Man kann das Rad nicht zurückdrehen“, sagt Oliver Fink pragmatisch. „Entweder man geht mit oder man ist irgendwann weg.“ Trotzdem setzen er und seine Frau weiterhin auf den direkten Kundenkontakt im Geschäft, auf ehrliche Beratung und top-gepflegte Verkaufsanlagen.

In ihren Beratungsgesprächen legen die Finks Wert darauf, Einsteiger realistisch einzuschätzen: „Das berühmte Anfängertier gibt es nicht. Entscheidend ist, wie interessiert und lernbereit jemand ist. Manche Anfänger verstehen komplexe Artenhaltung sofort, andere nach zehn Jahren noch nicht“, hebt Oliver Fink hervor.

Spürbare Leidenschaft

Warum viele Zoofachgeschäfte die Terraristik wieder aufgegeben haben, können die Finks gut nachvollziehen: „Die Auflagen sind in den letzten Jahren deutlich strenger geworden – manches davon sinnvoll, anderes leider praxisfern.“ Trotzdem sehen sie die Zukunft des Hobbys nicht düster. „Es gibt viele gute Fachgeschäfte, aber es braucht mehr Authentizität, mehr Herzblut“, sagt Oliver Fink. Finks Philo- sophie ist einfach: Verantwortung vor Umsatz. Oliver Fink züchtet selbst, arbeitet mit erfahrenen Züchtern zusammen und bevorzugt bewusst kleinere Arten wie Kornnattern, Leopardgeckos oder Bartagamen. „Kleinere Arten kann man besser halten – Platz, Energie und Pflegeaufwand bleiben überschaubar“, sagt er. Und er stellt klar: „Reptilien sind keine Kuscheltiere. Sie faszinieren durch Verhalten, Bewegung, Futteraufnahme – nicht durch Nähe.“ Dass Tiere bei ihm einzeln gehalten werden, sei kein Mangel an Sozialkontakt, sondern oft Stressvermeidung. „Langfristig ist das für das Tier einfach besser – auch wenn es wirtschaftlich für uns manchmal nachteilig ist.“

In Zeiten von Youtube-Tutorials und Foren ist fundiertes Wissen wichtiger denn je. „Im Internet steht viel Mist“, sagt Oliver Fink deutlich. „Viele glauben, was gut klingt, auch wenn’s falsch ist. Da sage ich lieber: Mach das Ding aus und kauf dir ein gutes Buch.“ Er und sein Team – drei Aushilfen, seine Frau und er selbst – setzen auf seriöse Beratung. Alle sind selbst Tierhalter mit langjähriger Erfahrung. „Das merken die Kunden. Wir erzählen nichts, um zu verkaufen, sondern weil wir’s selbst erlebt haben.“ Gefragt nach Highlights aus drei Jahrzehnten nennt Oliver Fink keine Reise zu einem Ursprungs-Habitat oder zu einem international bekannten Züchter (wobei er von beidem ausführlich berichten könnte), sondern einen eher emotionalen Moment: „Wenn ich im Frühjahr den Schieber vom Gewächshaus öffne und die Schildkröten ins Freigehege kriechen – das ist jedes Mal ein Erlebnis, da hüpft mein Herz.“

Dass der Aquaterra Shop so lange existiert, liegt nicht nur an Diana und Oliver Finks großem Engagement, sondern auch an ihrer Einstellung: „Wir machen unseren Job mit Liebe – das merken die Kunden“, betont Oliver Fink, der als gelernter Koch sein Hobby Terraristik zum Beruf machen konnte. Das ist auch in seinen Schilderungen deutlich spürbar. Zum 30. Jubiläum wurde nicht groß gefeiert, sondern ganz familiär. „Wir haben einfach im kleinen Kreis mit den Leuten gefeiert, die uns seit Jahren unterstützen“, erzählt er. Ob der achtjährige Sohn der beiden eines Tages in ihre Fußstapfen treten wird, glauben die Finks eher nicht. „Er hilft begeistert mit, aber vom Hobby leben zu wollen, ist heute schwierig. Wichtig ist, dass er die Lei- denschaft behält.“ Ihre eigene Leidenschaft ist nach wie vor ungebrochen und an einen Rückzug denken die beiden nicht: „Wir machen das, weil es uns Spaß macht. Und solange das so ist, werden wir weitermachen.“ Sabine Gierok