Mit einem Wachstum von 8,7 Prozent auf 1.048,4 Millionen Euro überschritt der Gesamtumsatz des Marktes für Tierarzneien in Deutschland erstmal die Milliardengrenze. Das Verhältnis von Kleintier- zu Nutztiersegment verschob sich mit 39,4 Prozent zu 60,6 Prozent leicht in Richtung Nutztier.
Bei den Teilmärkten entfielen 462,8 Millionen Euro (+8,7 Prozent) beziehungsweise 44,1 Prozent auf pharmazeutische Spezialitäten, 22,7 Prozent beziehungsweise 237,9 Millionen Euro (+7,7 Prozent) auf Impfstoffe, 19 Prozent beziehungsweise 199,1 Millionen Euro (+13,7 Prozent) auf Antiparasitika sowie auf Antiinfektiva 14,2 Prozent beziehungsweise 148,6 Millionen Euro (+3,8 Prozent).
Im Segment der Spezialitäten trugen Schmerzmedikamente 123,8 Millionen Euro (+9,8 Prozent) bei, Therapeutika gegen Hauterkrankungen 60,5 Millionen Euro (+15,2 Prozent) sowie Medikamente gegen Herz-Kreislauferkrankungen 34,6 Millionen Euro (+7,9 Prozent).
Getragen durch die Vorsorge
Das Marktwachstum wird laut BfT getragen durch eine regelmäßige Gesundheitsvorsorge, insbesondere für das ältere Heimtier, sowie durch positive Entwicklungen in der Prävention, vor allem bei Nutztieren. Im Nutztiersegment wirken sich zudem Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit bei Rindern und Schafen sowie notwendige flankierende Behandlungen und Bekämpfungsmaßnahmen gegen virusübertragende Gnitzen aus.
Wie bei anderen Infektionskrankheiten werden hier Erfolge durch konsequentes Monitoring, frühzeitige Erkennung und nachhaltige Impfungen erzielt. Erfreulich ist daher, dass mit Stabilisierung der Schweine- und Geflügelbestände nach Seuchengeschehen im Vorjahr die Krankheitsvorbeuge wieder ihren Stellenwert erlangt hat.
Gesetzliche Vorgaben
Bei Antiinfektiva ist der Einfluss der gesetzlichen Vorgaben bei der Verschiebung der oralen Medikation von festem Futter auf Wasserapplikation erkennbar. Das Wachstum im Antiparasitikasegment zeigt den steigenden Bedarf an regelmäßiger Parasitenkontrolle. Durch höhere Temperaturen breiten sich Zecken und Mücken stärker in gemäßigte Breiten aus, weshalb Tierhalter verstärkt auf zielgerichteten, verantwortungsvollen Schutz setzen.
Die regelmäßige Gesundheitsvorsorge ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Krankheiten und unterstützt Tiere bis ins hohe Alter. Dazu zählen chronische Leiden wie Arthrose, Nierenerkrankungen, Diabetes sowie Haut- und Herz-Kreislauferkrankungen. Die besondere Betreuung älterer Tiere spiegelt sich deutlich im Bereich der Spezialitäten wider.
Wettbewerbsfähigkeit stärken
Um auch künftig eine regelmäßige Versorgung der Tiere und die notwendigen Innovationen sicherzustellen, ist es aus Sicht der veterinärpharmazeutischen Branche essenziell, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland und Europa zu stärken und deutlich zu verbessern, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes.
Immer detailliertere regulative Anforderungen, bürokratische Hürden und politische Unsicherheiten belasten laut BfT die Branche. Das stabile Wachstum des Tiergesundheitsmarktes im Jahr 2024 mit einem erstmaligen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro belege die Bedeutung der Branche für das Wohl der Gesellschaft und die Unterstützung der Tierhalter.
Dynamische Entwicklungen
Im vergangenen Jahr stand die Tiergesundheitsbranche vor vielfältigen Herausforderungen und dynamischen Entwicklungen. Das geschäftspolitische Umfeld in der veterinärpharmazeutischen Branche wurde geprägt durch regulatorische Diskussionen und Anpassungen, Tierseuchenausbrüche sowie durch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten.
„Zentrale Forderungen unseres Verbandes an die neue Bundesregierung sind die Stärkung von Prävention durch Impfungen und Diagnostik, die Straffung und Vereinfachung von Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, der Abbau von Bürokratie und die Überwindung nationaler Sonderwege sowie innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft“, sagt BfT-Geschäftsführerin Dr. Sabine Schüller.