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Kleinsäuger : Ein Markt im Wandel

Kleinsäuger gehören in Deutschland nach wie vor zu den beliebten Heimtierarten, insbesondere bei Familien und jungen Tierhaltern. Doch der Markt für diese Tiergruppe hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen, die Halterprofile, die Nachfrage und die Entwicklungen in der Produktwelt zeigt, wie sich dieses Branchensegement heute darstellt.

Die Anzahl der Kleinsäuger in deutschen Haushalten ist seit Jahren rückläufig. Laut einer Erhebung des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe und des Industrieverbandes Heimtierbedarf gab es 2023 etwa 4,6 Millionen Kleinsäuger in Deutschland.

Das sind weniger als in den Vorjahren, als die Zahl noch bei 5 Millionen oder darüber lag. Dieser Rückgang setzt sich seit 2018 kontinuierlich fort, was die Kleinsäugerpopulation neben den Ziervögeln zu einer der am stärksten rückläufigen Gruppen im Heimtiermarkt macht.

Kaninchenbestand geschrumpft

Kaninchen bildeten 2023 die größte Gruppe unter den Kleinsäugern, machten mit 2,1 Millionen Tieren fast die Hälfte aus. Allerdings ist ihr Bestand im Laufe der vergangenen Jahre auch am stärksten geschrumpft: Von 2,7 Millionen Tieren im Jahr 2018 ist ihre Population demnach um rund 23 Prozent kleiner geworden.

Meerschweinchen folgen auf der Beliebtheitsskala mit 1,2 Millionen Exemplaren, während Hamster mit rund 500.000 Exemplaren eine kleinere, aber stabile Basis haben. Andere Kleinsäuger wie Ratten, Degus, Chinchillas oder Frettchen kommen zusammengenommen auf knapp über eine halbe Million Tiere. Die Nachfrage nach diesen Arten ist eher gering und konzentriert sich auf spezialisierte Zielgruppen wie beispielsweise Tierliebhaber mit besonderem Interesse an seltenen Arten.

Meistens mit Kind

Kleinsäugerhalter sind in Deutschland eine vielfältige Gruppe. Rund zwei Drittel von ihnen leben in ländlichen oder kleinstädtischen Regionen, wo häufig mehr Platz für Ausläufe oder Gärten zur Verfügung steht. Rund 72 Prozent der Halter leben in Westdeutschland.

Familien mit Kindern bilden unter den Haltern den größten Anteil; in 54 Prozent der Haushalte mit einem Kleinsäuger lebt auch mindestens ein Kind. Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster mögen häufig als erstes Heimtier angesehen werden, deren Haltung das Kind an die Verantwortung für ein Tier heranführen und für Natur im Allgemeinen begeistern soll.

Vielfältige Motive

Die Gründe für die Anschaffung eines Kleinsäugers sind aber vielfältig. Viele Halter gaben in der Umfrage an, dass sie einem Tier „etwas Gutes tun“ möchten. Auch die Erfüllung eines schon lange bestehenden Wunsches oder eben die Entscheidung, Kindern den Kontakt zu Tieren zu ermöglichen, sind häufig genannte Motive. 35 Prozent der Kleinsäugerhalter entschieden sich für ein neues Tier, nachdem ein vorheriges verstorben war.

Zoofachhandlungen bleiben mit 34 Prozent die häufigste Bezugsquelle für Kleinsäuger, allerdings lag dieser Prozentwert ein Jahr zuvor sogar noch bei 44 Prozent. Von diesem Rückgang haben andere Bezugsquellen profitiert, besonders Bau- und Gartenmärkte, die 2023 in zehn Prozent der Fälle der Ort der Anschaffung waren und damit um satte sechs Prozentpunkte zulegen konnten.

Privatpersonen und Kleinzüchter sind mit 29 Prozent die zweithäufigste Bezugsquelle. Tierheime und Tierschutzorganisationen spielen mit 13 Prozent ebenfalls eine Rolle. Dies mag auch den wachsenden Trend widerspiegeln, Tierschutzaspekte stärker in die Anschaffungsentscheidung einzubeziehen.

Gehege, Zubehör und Futter

Der Markt für Kleinsäugerprodukte ist breit gefächert, auch wenn er im Vergleich zu den Kategorien Hund und Katze deutlich kleiner ist. Halter von Kleinsäugern investieren vor allem in Gehege, Ausstattungsprodukte und Futter.

Fertig verpacktes Futter und Heu sind die dominierenden Ernährungsquellen und machen über 70 Prozent des Gesamtfuttervolumens aus. Ergänzt wird dies durch frisches Obst und Gemüse, das von vielen Haltern selbst zusammengestellt wird. 61 Prozent der Halter füttern auch Snacks. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert jedoch noch bei 68 Prozent.

In den letzten Jahren haben sich auch im Kleinsäugersegment einige Innovationen etabliert. Immer mehr Hersteller bieten nachhaltige Gehege- Lösungen an, etwa aus recycelten Materialien oder Holz aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft. Auch im Bereich des Futters wächst das Angebot an Bio-Produkten und umweltfreundlichen Verpackungen. Diese Trends sprechen besonders jüngere und umweltbewusste Halter an.

Herausforderungen für die Branche

Der Rückgang der Bestandszahlen stellt Hersteller und Händler jedoch vor Herausforderungen. Manche Zoofachhandlungen haben ihre Verkaufsflächen für Kleinsäuger reduziert oder bieten nur noch ein eingeschränktes Sortiment an. Gleichzeitig gewinnen Online-Kanäle an Bedeutung, sowohl für die Bestellung von Produkten als auch für den Austausch von Informationen zur Haltung.

Die Zukunft des Kleinsäugersegments wird stark abhängen von der Anpassung an neue Trends, frei nach dem Motto „Handel ist Wandel“. Tiergerechte Haltung, Transparenz in der Herkunft der Tiere und die Verbindung mit Bildungskonzepten könnten dazu beitragen, das Interesse an Kleinsäugern zu beleben. Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle, etwa durch Apps, die Haltern Tipps zur Pflege geben, oder durch Online-Communitys, in denen sich Tierhalter vernetzen können.

Die Haltung von Kleinsäugern hat in Deutschland eine lange Tradition, steht jedoch zunehmend unter dem Druck gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen. Der Rückgang der Populationszahlen zeigt auch, dass Kleinsäuger in Konkurrenz zu anderen Heimtieren stehen und die Erwartungen der Halter an tiergerechte Haltung und nachhaltige Produkte steigen.

Dennoch bleibt das Segment aufgrund seiner emotionalen Bindung an Familien und Kinder sowie seiner Vielseitigkeit ein wichtiger Bestandteil des Heimtiermarktes. Hersteller und Händler, die sich auf innovative Produkte und wachsende Trends wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung konzentrieren, haben sicher gute Chancen, das Potenzial dieses Marktes weiter auszuschöpfen.

Dominic Heitz