Das Hauptaugenmerk des großen Marktes direkt an einer stark frequentierten Ausfallstraße liegt ganz eindeutig auf den Tierverkaufsanlagen. Diese hat Jürgen Neubold abweichend vom Zoo & Co.-Standard geplant. Neubold, der noch ein Modegeschäft betreibt, war schon in verschiedenen Branchen tätig und hat diese Erfahrungen in seinen jetzigen Standort einfließen lassen. Der Kunde und dessen Bedürfnisse stehen bei ihm absolut im Mittelpunkt. Großzügige Tieranlagen, die den Kunden einen Vorgeschmack geben, wie erlebnisreich Tierhaltung sein kann, waren folglich mehr als eine Pflichtübung. Bevor das Ladengeschäft regaliert worden ist, hat Neubold bereits mit einem Ladenbauer großdimensionierte Tierverkaufsanlagen nach seinen individuellen Vorstellungen umsetzen lassen. So wurden für die Terraristik Becken unterschiedlicher Größe in einer sehr attraktiven Wand verbaut, die aussieht als sei sie gemauert. Die Aquaristikverkaufsanlage ist mit einem automatischen Wasserwechsel und LED-Beleuchtung ausgerüstet, womit Neubold ca. 30 Prozent der Energiekosten einspart. Eigentlich hätte sich diese Beleuchtungsform für das gesamte Geschäft geeignet, doch waren damals die Anschaffungskosten noch zu hoch, daher entschied sich Neubold für drei Leuchtkreise, mit denen er die Gesamtbeleuchtung ebenfalls gut regulieren kann.
Mitarbeiter mit Kompetenz
Auf seine Aquaristik- und Terraristikabteilung ist er zu Recht stolz: Während dieser Bereich in vielen anderen Märkten rückläufig ist, entwickelt er sich bei ihm weiterhin positiv. „Die Kunden kommen nicht nur aus der Umgebung, viele nehmen sogar längere Fahrtzeiten in Kauf“, sagt Neubold. Das liegt natürlich auch an der ausgezeichneten Beratung, weiß der Chef. Sowohl in der Aquaristik als auch in der Terraristik hat er zwei exzellente Kenner der Materie als Abteilungsleiter, deren Know-how weit über dem allgemeinen Durchschnitt liegt. Seine Mitarbeiter stattet Neubold deshalb mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen und Kompetenzen aus. „Am Regal und in der Kundenberatung merken meine Mitarbeiter recht schnell, in welche Richtung sich das Gespräch bewegt. Folglich müssen sie manchmal schnelle Entscheidungen treffen. Das sollen sie auch, ohne vorher Rücksprache einholen zu müssen. Insgesamt beschäftigt Neubold acht Mitarbeiter, alle äußerst tieraffin: „Das ist Grundvoraussetzung, ein Bezug zum Tier müssen meine Leute auf jeden Fall haben.“ Ein echter Hingucker ist die „Nager-Scheune“, eine 40 qm, große Verkaufsanlage für Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen, Springmäusen, Degus, Chinchillas, Siebenschläfer und exotischen Kleinsäugern wie Igel-Tamrek. Gleich beim Betreten des Geschäfts fällt sie dem Kunden ins Auge. Vielleicht unterstützt eine solch auffällige Präsentation auch den Abverkauf von Nagarien. „Wir setzen von diesen Tierbehausungen relativ viele um, auch Sonderanfertigungen sind gefragt, z.B. für Chinchillas“, bestätigt Monika Buck, Lebensgefährtin von Jürgen Neubold, „diese Haltung hat keinen Gefängnischarakter und ist eher ein Lifestyle-Produkt.“ Die Tiere bekommt der Markt von ausgewählten Züchtern aus der Region und sind Menschen gewöhnt. „Jedes Tier bei uns findet einen Besitzer“, versichert Monika Buck, „und wenn es gesundheitlich beeinträchtigt sein sollte, wird es natürlich tierärztlich versorgt.“ Ein weiteres Segment, das in diesem Zoo & Co gut läuft, ist der Pferdebereich, der erst kürzlich erweitert wurde. „Angefangen haben wir mit zwei Regalen, nun sind wir schon bei 200 qm“, erklärt Neubold. Das Sortiment ist abgestimmt auf Zoofachkunden – Futtermittel und Leckerlis machen das Gros aus. Preisgünstige Helme und Reithosen runden das Angebot ab. Als besonders erfolgreich im Pferdebereich hat sich der verkaufsoffene Sonntag am „Sinsheimer Fohlenmarkt“ erwiesen. An diesem Tag verkauft man für Kunden gebrauchte Reitsportartikel. „Das rechnet sich für uns trotzdem, denn es bringt Frequenz ins Geschäft und mehr Umsatz“, erklärt Neubold. Auch eine Aquarien- und Terrarienbörse richtet er bei sich aus, auf der seine Kunden ihre Nachzuchten verkaufen können. „Das planen wir frühzeitig, holen die entsprechenden Genehmigungen ein und zeigen alles gemäß TVT-Richtlinien.“
Fachmarkt, nicht Discounter
Ein weiteres wichtiges Kundenbindungselement ist die „Freundeskarte“, eine persönliche Kundenkarte. Dadurch können die Mitarbeiter an der Kasse den Kunden mit Namen ansprechen, worauf Neubold großen Wert legt. „Der Kunde soll sich bei uns wohl fühlen. Er soll mit einem guten Gefühl aus dem Geschäft gehen, selbst Reklamationen betrachten wir als zweite Chance. Wir sehen uns als Fachmarkt, nicht als Discounter“, erläutert Neubold sein Verständnis vom Handel. Er scheut sich auch nicht außer Haus zu gehen: Sei es um sperrige, voluminöse Ware zu liefern, sei es um etwas auszumessen oder etwas zu überprüfen. Eine Urlaubsbetreuung für Heimtiere gehört ebenfalls zum Serviceangebot. Jürgen Neubold und sein Team versuchen sämtliche Kundenwünsche zu erfüllen – schließlich soll der Kunde nicht nur einmal kommen. sg