Wunschfutter ist übrigens auch der Name eines der Unternehmen, das Hundefutter in Eigenkomposition anbietet. Im Juni 2011 wurde die Firma von Kai Oestreicher, Tobias Heitmann und Sonja Groneweg in Dortmund gegründet und beschäftigt heute zehn Mitarbeiter. Zudem sind die drei Jung-Unternehmer eine strategische Kooperation mit dem kanadischen Unternehmen Red Moon Custom Petfood eingegangen, ebenfalls auf individuelles Hundefutter spezialisiert. Dies unterstütze die Entwicklung von Futterrezepturen und Qualitätsstandards. Wunschfutter ist im stationären Handel derzeit nicht erhältlich. "Wir könnten uns aber Modelle mit dem Fachhandel vorstellen", erklärt Tobias Heitmann, "erste Kontakte gibt es sogar schon." Bislang stellt der Kunde das Futter nach den Bedürfnissen und Wünschen seines Hundes online zusammen. Mit frischen Zutaten und einem hohen Fleischanteil werde so eine vollwertige Nahrung konfiguriert. Der Verzicht auf Weizen, Mais, Reis, Gluten und Soja mache es bekömmlich und sei deshalb besonders für Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten geeignet. Darüber hinaus gibt es einen von Tierärzten entwickelten Online-Futterberater, der bei Fragen weiterhilft.
Tierfutter im Internet zu bestellen ist für den Endverbraucher heute nichts Ungewohntes mehr. Insofern ist online erhältlich und individuell gemischtes Futter nur ein weiterer Entwicklungsschritt. Gerade weil die gängigen Hundefuttermarken bei Trockenfutter sehr ähnlich kommunizierten, nähme das Verlangen nach individualisierten Produkten zu. Wunschfutter betont, dass man großen Wert auf den Fleischanteil lege. Der Fleischanteil liegt bei den sechs Basisfuttermischungen bei ca. 60 Prozent. Je nach Alter des Hundes und Anforderung bestimmt der Halter den Energiegehalt des Trockenfutters und fügt bis zu sechs Futterzusätze hinzu.
2011 ging auch die Firma Wildsterne online. Die Gründer Florian Waubke und Ulrich Seidel vertreiben ein sogenanntes Bedarfswertfutter für Hunde. Sie hatten nämlich festgestellt, dass viele Hundebesitzer angesichts der riesigen Auswahlmöglichkeiten oft vor Entscheidungsschwierigkeiten stünden. Darüber hinaus stellten sich Besitzer die Fragen: "Kaufe ich überhaupt fertiges Futter? Ist Barfen nicht die natürlichste Art zu füttern? Oder koche ich am besten selbst für meinen Hund? Wie kann ich sicher sein, dass wirklich alle wichtigen Nährstoffe enthalten sind?" Wildsterne - der Name soll übrigens positive Assoziationen zum Hund wecken "das Wilde und Ursprüngliche" bzw. "Stern im Leben des Halters" - wollte für diese Fragen Antworten liefern. "Wir haben unseren Anspruch nach dem perfekten Hundefutter mit Universitäten und Experten diskutiert. Am Ende hat uns eine Tierärztin und Expertin für Tierernährung dabei geholfen, unsere Idee zu verwirklichen: Jedem Hund eben das Hundefutter zusammenzustellen, das er braucht", erklärt Florian Waubke. Dafür hat das Unternehmen einen Algorithmus entwickelt, der auf der Grundlage von Rasse, Alter, Gewicht und Aktivitätslevel genau bestimmt, was der Hund braucht. Der Hundehalter kann außerdem die geschmacklichen Vorlieben seines Tieres berücksichtigen. "So entsteht eine individuelle, genau für diesen Hund festgelegte Rezeptur mit allen wichtigen Inhaltsstoffen", hebt Waubke hervor.
Mit der bisherigen Marktentwicklung ist Wildsterne zufrieden. Wettbewerb sei nicht unbedingt hinderlich, schließlich entstehe dadurch ein neues Marktsegment und es spornte an, sich weiter zu verbessern.
Wettbewerb belebt (Heading 1)
Ein weiterer Wettbewerber, der diesen Nischenmarkt belebt, heißt Canimix, ebenfalls Ende 2011 an den Start gegangen. Gesetzliche Vertreter des Unternehmens sind Philip Schneider, Sascha Lindemann sowie Dirk von der Werth und laut dem Informationsdienst deutsche-startups.de sind auch der Handelsriese Tengelmann sowie Fressnapf-Gründer Torsten Toeller beteiligt. Zum Bekanntmachen des neuen Konzeptes konnte mit Tchibo ein weiterer Handelsgigant gewonnen werden. Der Kaffeeröster bot im Sommer 2012 Snacks als Sondereditionen der Marke Canimix an. Überzeugten die Leckerlis, konnten die Kunden dann mit einem Gutschein auch individuell gemischtes Canimix-Futter bestellen. Die Geschäftsidee von Canimix, die übrigens neben Hunde- auch Katzenfutter anbieten, ist ähnlich wie bei den Wettbewerbern. In drei Schritten wird der Tierbesitzer durch den Futter-Mixer geleitet. Dabei wird auf die Zusammenstellung geachtet, so dass der richtige Nährstoff-Mix gesichert ist. Auffällig anders die Verpackung: Die Futtermischung wird in einer transparenten und wiederverwendbaren PET-Dose verschickt. Mischungen für Hunde und Katzen bietet ebenfalls die Mix 4 pets GmbH in Bösel an. Dem Online-Mixer Mix 4 dogs, der 2012 startete, folgte im Februar 2013 Mix 4 cats. "Viele Hunde- und auch Katzenbesitzer wollen genau wissen, was im Futter enthalten ist und wozu die einzelnen Inhaltsstoffe dienen", begründet Geschäftsführer Andreas Lübben die Geschäftsgrundlage. Mit seinen beiden Partnern Henning Buss und Mirco Doebel wollen sie daher Futter bieten, das der Kunde nach den Wünschen und Bedürfnissen des Tieres selbst zusammenstellt: Ein Premiumfutter, das aber auch ernährungsphysiologisch optimal ist. Gemeinsam mit einem großen Hersteller für Tiernahrung, Ernährungswissenschaftlern und Tierärzten hat man den Online-Mixer entwickelt. Andreas Lübben ist davon überzeugt, dass der Service ein verlässlicher Partner bei der Futterwahl wird: "Unser Futter wird ausschließlich in Deutschland produziert. Die Basisrezepturen sind vollkommen frei von künstlichen Zusatzstoffen, wie Farbstoffe, Konservierungsstoffe oder Aromen und jeder Mix wird ernährungsphysiologisch überprüft. Es können somit keine Fehler bei der Zusammenstellung der Mixtur gemacht werden. Wir bieten zudem spezielles hypoallergenes und getreidefreies Futter an und können auf Wunsch verschiedene Funktionszusätze beimischen, wie z.B. Gelenk-Aktiv für eine verbesserte Mobilität."
Ausschließlich gesundheitsförderndes Futter hat sich futalis GmbH, Leipzig, auf die Fahnen geschrieben. Auf Grundlage von neun wissenschaftlich basierten Kriterien wird der genaue Nährstoffbedarf eines Hundes ermittelt und ein maßgeschneidertes Futter mit individueller Rezeptur hergestellt. Dieses soll dazu beitragen, ernährungsbedingte Probleme, wie beispielsweise Wachstumsstörungen, Fettleibigkeit, Harnsteine, Allergien oder Verdauungsstörungen zu vermeiden. Die futalis GmbH wurde im November 2011 von der Tierärztin Stefanie Schmidt und den beiden Unternehmern Janes Potthoff und Christian Hetke gegründet. Sie arbeiten eng mit dem Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig und Züchtern des Verbands für das Deutsche Hundewesen zusammen.
Individualität reicht bis zur Verpackung (Heading 1)
Neben all den erwähnten Vorteilen, welche individuell abgestimmte Futtermittel bringen sollen, werden die online in Auftrag gegebenen Produkte bequem und je nach Bestellumfang sogar frei Haus geliefert. Auch die oftmals mögliche individuelle Verpackungsgestaltung, zum Beispiel mit Name und Bild des jeweiligen Tieres, entspricht vielen Verbraucherwünschen nach einzigartigen und persönlichen Produkten. Dafür wird sogar ein teilweise recht hoher Preis in Kauf genommen. Bei den meisten Anbietern kann die Rezeptur für Folgebestellungen problemlos gespeichert werden. Ein weiteres geschicktes Verkaufsargument: Einige der Anbieter empfehlen einen Abo-Service, so dass das Produkt regelmäßig weitergeliefert wird. Doch letztendlich findet die Entscheidung am Napf statt - denn was nützt sämtliche Individualität, wenn das Tier das Futter ablehnt.
Eher ein Nischenmarkt (Heading 1)
Wie sich dieses Marktfeld entwickeln bzw. etablieren wird, bleibt noch abzuwarten. Einige Portale, die auf dieser Geschäftsidee basierten, haben ihr Engagement bereits wieder eingestellt. Die jetzt am Markt Aktiven sind dagegen allesamt positiv gestimmt und freuen sich nach eigenen Angaben über ordentliche Zuwachsraten. Dennoch wird es wohl ein Nischenmarkt bleiben. So sieh*t das auch Georg Müller, IVH-Vorsitzender und Interquell-Geschäftsführer: "Wie in vielen anderen Lebens- und Produktbereichen gibt es auch bei Heimtiernahrung den Trend zur immer individuelleren Produkten. Dies mag einerseits dem Zeitgeist geschuldet sein, auf der anderen Seite aber auch damit zu tun haben, dass viele Halter ihren Tieren heute einen viel höheren Status als in den vergangenen Jahren zubilligen und diese deshalb artgerechter, gesünder und abgestimmter auf deren Ernährungsbedürfnisse füttern wollen. Dem individuellen Mischen sehe ich im Gegensatz zum erfolgreichen Müsli für Menschen jedoch Grenzen gesetzt, da sie die Hauptkomponenten eines solchen Futters nur in begrenzter Auswahl wirtschaftlich herstellen lassen und die Mischmöglichkeiten daher begrenzt sind. Die große Auswahl beschränkt sich zumeist auf diverse Kleinkomponenten. Durch den hohen Misch- und Abfüllaufwand für ein solches Futter ist der kg-Preis bei den meisten Anbietern auch sehr hoch. Daher stellt das mymuesli-Konzept für Hunde aktuell nicht für alle Tierhalter eine interessante Fütterungsalternative dar und ist eher als Nische zu sehen. Wer gerne im Internet einkauft und sich mit Hundeernährung auskennt, kann dieses Konzept dennoch gerne ausprobieren, für alle anderen gibt es ausreichend Alternativen bei Fertigfutter für alle erdenklichen Ernährungszwecke." (sg) Quelle ZZA 09/2013 Seite 32