zza: Wie kann der Hund gut auf einen Salonbesuch vorbereitet werden? Ab welchem Alter sollte man mit der Vorbereitung beginnen?
Ellen de Sousa Marques: Ich würde sagen: so früh wie möglich. Am besten schon im Welpenalter. Viele Salons bieten auch ein spezielles Welpentraining an, wo sich Heimtierpfleger und Tier erstmal kennenlernen können. Doch es ist nie zu spät, mit einer guten Vorbereitung anzufangen.
Am besten übt man das nicht erst im Salon, sondern schon vorher im Alltag. Wichtig ist, dass der Hund Berührungen am ganzen Körper als etwas völlig Normales kennenlernt. Als Halter und Halterin sollte man nicht nur kuscheln, sondern wirklich mal die Pfoten anfassen, Ohren checken oder das Fell bürsten. Der Hund sollte das mit Ruhe, Futterlob und Gelassenheit verbinden – nicht mit Festhalten. So lernt er: Das passiert und ich kann trotzdem entspannt bleiben.
Viele Hunde haben auch Schwierigkeiten mit dem Hochheben, deshalb lohnt es sich, das Schritt für Schritt zu üben. Erst leicht rechts und links anfassen, als würde man ihn kurz anheben wollen. Dann sofort belohnen und wieder absetzen. Das funktioniert super, wenn man zum Beispiel eine Schleckmatte oder Futtertube etwas höher an der Wand anbringt. Dann hebt man den Hund zur Belohnung hoch, er darf daran lecken, und beim Absetzen gibt es nichts. So entsteht eine positive Erwartungshaltung.
zza: Wenn der Hund gegenüber fremden Menschen und Räumlichkeiten sehr ängstlich reagiert, wie kann man ihm diese Angst etwas nehmen?
de Sousa Marques: Am besten den Salon ruhig ein paar Mal vor dem offiziellen Termin besuchen, ohne dass dort gleich etwas passiert. Nur mal schnuppern, Leckerli nehmen und wieder raus. Hunde sollten möglichst viele unterschiedliche Räume kennenlernen dürfen mit verschiedenen Böden, Gerüchen und Geräuschen. So wird Neues automatisch normaler.
Hilfreich ist außerdem, wenn fremde Menschen auf Geheiß des Tierhalters den Hund über kleine Futterwürfe positiv überraschen dürfen. Also nicht direkt runterbücken und Leckerli vor die Nase halten. So werden fremde Menschen für den Hund zu Futterwurfmaschinen statt zu etwas Bedrohlichem. Der Hund sollte selbst entscheiden dürfen, ob und wann er Kontakt aufnimmt.
Das Wichtigste ist die Mensch-Hund-Beziehung. Wenn der Hund seinem Menschen vertraut, lässt er sich viel leichter in ungewohnte oder schwierige Situationen mitnehmen. Vertrauen ist die halbe Miete.
zza: Welche Grundkommandos sollte ein Hund idealerweise beherrschen, bevor er das erste Mal kommt?
de Sousa Marques: Es geht weniger um viele Kommandos, sondern eher um Kooperation. Ein Hund sollte gelernt haben, für kurze Momente ruhig zu stehen oder zu liegen, also innezuhalten, auch wenn etwas ungewohnt ist. Ein sicheres „Bleib“ oder „Warte“ hilft, aber wichtiger ist, dass er verstanden hat: Ich halte kurz still, bis du fertig bist, und dann passiert wieder etwas Schönes.
Der Salonbetreiber oder die Salonbetreiberin sollte Körpersprache und Kommunikation gut einschätzen können. Wenn ein Hund eine Pause braucht, braucht er sie. Nur so entsteht Vertrauen und das ist die Basis für jeden gelungenen Salonbesuch.
zza: Wie kann das Tier bereits zu Hause auf die Berührungen und Abläufe im Salon vorbereitet werden?
de Sousa Marques: Sehr hilfreich ist das sogenannte Medical Training, das für den Tierarztbesuch genauso geboten ist wie für den Salonbesuch. Zum Beispiel „Pfote“ sagen, Pfote kurz halten und sofort belohnen. So lernt der Hund, dass Berührungen vorhersehbar sind.
Viele Hunde finden das Pfotenanfassen anfangs unangenehm, weil es kitzelt oder sie schlechte Erfahrungen mit dem Krallenschneiden gemacht haben. Deshalb lieber in kleinen Schritten vorgehen und positiv aufbauen. Man kann spielerisch kleine Tricks einbauen wie etwa „Pfote geben“. So wird das Anfassen zum Teil eines Spiels.
Und während des Streichelns ruhig auch mal eine Bürste mit einbauen – vor allem, wenn der Hund im Schmusemodus ist. So wird Körperpflege etwas Schönes, kein Zwang.
zza: Wie sollte sich der Hundehalter während des Termins verhalten?
de Sousa Marques: Wichtig ist, dass der Salonbetreiber sowohl Hund als auch Mensch freundlich willkommen heißt und dass Halter idealerweise beim Hund bleiben dürfen. Viele Hunde sind beim ersten Besuch unsicher oder haben schon schlechte Erfahrungen gemacht. Dann ist es hilfreich, wenn der Mensch seinem Hund signalisiert, alles ist okay.
Geräusche wie Föhne, Scheren oder laufende Maschinen können anfangs überfordern. Deshalb sollte man den Hund langsam heranführen und Pausen einplanen. Wenn sich der Hund sichtbar entspannt und sich über mehrere Besuche hinweg an seinen Heimtierpfleger oder seine Heimtierpflegerin gewöhnt hat, kann man auch ausprobieren, ob er besser ohne Halter klarkommt. Dann darf der Mensch ruhig mal eine halbe Stunde shoppen gehen.
Wenn der Hund sich unwohl fühlt, sollte man gelassen bleiben, ohne hektisches Zureden. Manche Hunde profitieren von einer ruhigen Stimme und gleichmäßigen Streicheleinheiten, andere eher davon, dass der Mensch einfach still Sicherheit ausstrahlt. Das ist individuell verschieden.
zza: Wie wird anschließend belohnt?
de Sousa Marques: Ich würde den Besuch direkt im Anschluss positiv belegen. Also noch im Salon, bevor man geht. Zum Beispiel mit einem Napf voll Nassfutter, einem kurzen Spiel oder einem richtig guten Kauknochen, den der Hund dann mitnehmen darf.
Danach bietet sich ein schöner Spaziergang an, möglichst zeitnah, damit die Verknüpfung auch wirklich stattfindet. Der Hund soll spüren: Das war gar nicht so schlimm und danach passiert was richtig Gutes.
Sabine Gierok