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20 Jahre „Granatapet“: : „Wir haben einfach gesagt: Los geht’s“

Der Firmenchef mit Frau und Kind (vorne)
und seinem Team. Foto: Fox4pets

Vor zwanzig Jahren gründete Markus Fuchsenthaler die Marke „Granatapet“. Das Jubiläum feierte der naturverbundene Visionär mit einer großen Party am neuen Firmensitz in Dietmannsried. Vor den Feierlichkeiten ließ er im zza-Interview die Anfänge, die Entwicklung und die Herausforderungen seines Unternehmens Revue passieren.

zza: Herr Fuchsenthaler, 20 Jahre Granatapet – das ist ein schöner Anlass zurückzublicken. Was waren für Sie die wichtigsten Etappen in der Entwicklung der Marke? Gab es auch Momente, in denen Sie am liebsten alles hingeschmissen hätten?

Markus Fuchsenthaler: Natürlich gab es die – und zwar gleich am Anfang. Die Gründungsphase ist für jeden Unternehmer eine harte Zeit. Rückblickend würde ich nicht sagen, dass es damals leichter war als heute – nur eben anders. Es gab noch keine Social-Media-Kanäle, kein gezieltes Online-Marketing. Wir sind tatsächlich mit dem Shell-Atlas losgefahren, um Händler persönlich aufzusuchen.

Die Branche war damals viel kleinteiliger, der stationäre Fachhandel freier, unabhängiger. Große Ketten wie Fressnapf, Das Futterhaus oder Zooplus hatten noch nicht diese zentrale Macht über Listungen. Wir sind im Fachhandel groß geworden – Schritt für Schritt, ganz analog. Gestartet haben wir mit Hundefutter.

Die Idee dazu kam durch meinen eigenen Hund, der Probleme hatte – stumpfes Fell, schlechter Esser. Ein befreundeter Rohstofflieferant sagte damals: „Gib ihm doch mal Granatapfelkerne.“ Erst dachte ich: „Der spinnt – mein Hund ist ein Fleischfresser.“ Aber als ich mich mit den Inhaltsstoffen beschäftigt habe, war ich fasziniert. In der Humanmedizin wird Granatapfel schon lange erforscht, etwa bei Prostatakrebs.

Ich sah sofort eine mögliche Verbindung zur Tiergesundheit, gerade bei Problemen wie Gesäuge- oder Prostatakrebs, die damals bei Zuchthunden häufig waren. Also begannen wir, Granatapfelkerne in Tiernahrung einzusetzen – in aufgeschlossener Form, damit die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe überhaupt verfügbar sind. Daraus wurde eine patentierte Verarbeitung, an der wir über zehn Jahre mit dem Patentamt gerungen haben. Damals, 2005/2006, sprach noch keiner von „Superfoods“ – wir waren unserer Zeit voraus.

zza: Was hat Sie motiviert, diesen Schritt zu gehen? Hatten Sie Erfahrung in der Heimtierbranche?

Fuchsenthaler: Null Erfahrung. Ich kam aus der Event- und Messebranche, habe Messestände verkauft. Aber ich bin ein Mensch, der zuhört, sich reindenkt und Visionen umsetzt. Eine Marktanalyse? Gab es nicht. Wir haben einfach gesagt: „Los geht’s.“ Keine Investoren, keine Crowdfunding-Plattformen, nur eigenes Geld – und einen Banker, der an uns geglaubt hat. Wir haben von der Hand in den Mund gelebt, oft am Limit, aber immer weitergemacht.

Auf der Interzoo 2008 standen wir dann mit einem kleinen Stand zwischen den Branchengrößen. Manche haben gelächelt – zwei Jahre später kamen dieselben mit Gurke, Banane oder Tomate im Futter. Manchmal muss man eben die Zeit überholen und das Lächeln aushalten.

zza: Seitdem hat sich die Heimtierbranche stark verändert – Premiumisierung, Nachhaltigkeit, Digitalisierung lauten die Schlagworte. Wie haben Sie darauf reagiert?

Fuchsenthaler: Premiumisierung war von Anfang an unser Ansatz. Wir wollten nie ein Standardprodukt, sondern etwas Besonderes schaffen – mit hochwertigen Rohstoffen, funktionellen Zutaten wie dem Granatapfelkern und einer Rezeptur, die mehr bietet als nur Sättigung.

Nachhaltigkeit setzen wir konsequent um: Wir produzieren bewusst in Deutschland und Österreich, obwohl das teurer ist als andere Optionen in Europa. Aber wir wissen, was wir wollen – kurze Wege, faire Bedingungen und Qualität, auf die man sich verlassen kann.

Was die Digitalisierung angeht: Heute muss man omnipräsent sein – online wie offline. Neben einer klar definierten Online-Strategie liegt unser Hauptaugenmerk auf dem stationären Fachhandel, Onlinehandel sowie Distributeuren im Ausland, um gemeinsam Marktchancen zu nutzen. Unser Webshop ist in erster Linie ein Markenschaufenster, kein primärer Verkaufskanal. Entscheidend ist, dass die Kunden dort unsere Werte und Haltung spüren – der digitale Auftritt ist für uns Teil der Markenidentität.

zza: Sie bezeichnen den neuen Firmensitz als „Campus“. Was steckt dahinter?

Fuchsenthaler: Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Kreativität, Ruhe und Wohlfühlen zusammenkommen. Das zeigt sich schon in der Gestaltung: Fitnessraum, Massageraum, Wasserlaufband für Hunde, Hundewaschstation. Hunde sind immer willkommen. Wir haben dafür einzelne Bereiche geschaffen, damit Mensch und Tier entspannt arbeiten können.

Der Campus soll auch offen sein für Start-ups, die Ideen, aber kein Netzwerk haben. Wir sind kein Consulting- Büro, aber wir können Erfahrung und Kontakte einbringen. Aktuell sind wir rund 30 Mitarbeitende, Platz haben wir für bis zu 60. Kreativität braucht Raum – deshalb haben wir bewusst luftig geplant. Hier im Allgäu haben wir den passenden Standort in der Natur gefunden, der unsere Bodenständigkeit unterstreicht.

zza: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Fuchsenthaler: Rohstoffpreise, Nachhaltigkeit, Kundentreue – das sind zentrale Themen, die sich gegenseitig bedingen. Natürlich sind Rohstoffe teurer geworden, genauso wie Energie, Verpackung oder Logistik. Aber wir glauben nicht daran, bei der Produktqualität zu sparen – sonst verliert man langfristig das Vertrauen der Kunden.

Wir arbeiten lieber effizienter, statt den Preisdruck einfach durchzureichen. Nachhaltigkeit betrifft heute jedes Unternehmen. Zum Teil werden wir dazu verpflichtet, zum Teil ist es Selbstverantwortung beziehungsweise schulden wir es unseren Kindern. Gleichzeitig geht es auch darum, die Menschen hinter der Marke sichtbar zu machen – Ehrlichkeit, Nähe, Verlässlichkeit. Das schafft Kundentreue.

zza: Die Unternehmensgruppe heißt heute Fox4pets. Wie kam es zu diesem Namen?

Fuchsenthaler: Ursprünglich hieß die Firma Altina – das stand für „Allgäuer Tiernahrung“ und war eine klassische GbR. Mein damaliger Geschäftspartner war nur still beteiligt, ich habe das operative Geschäft geführt. 2019 ist er ausgestiegen, und ich habe seine Anteile übernommen.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Aus der GbR wurde eine GmbH, dann eine GmbH & Co. KG, und schließlich haben wir die Struktur mit der Dachmarke Fox4pets geschaffen – in Anlehnung an meinem Nachnamen (Fuchs = Fox; Anmerkung der Redaktion).

Unter diesem Dach laufen heute „Granatapet“ und unsere beiden neuen Marken „Kitty Cat“ und „Doggy Dog“, die wir während der Corona-Zeit entwickelt haben. Die Idee war, auch mal etwas Humor und Entertainment ins Heimtierregal zu bringen – aber auf hohem Niveau.

Statt generischer KI-Bilder haben wir mit echten Animatoren gearbeitet. Jedes Haar der Tiere im Werbefilm ist animierbar – das war echte Filmarbeit mit aufwendiger Technik. Die Charaktere – ein stilisierter Rüde und eine selbstbewusste weiße Diva-Katze – entstanden mit viel Liebe zum Detail. Erst kürzlich wurden wir dafür gleich doppelt mit dem German Brand Award ausgezeichnet. Die Marke macht Spaß und wir sind stolz, was wir da mit einem relativ kleinen Team auf die Beine gestellt haben.

zza: Was sind die nächsten Schritte? Gibt es neue Produkte?

Fuchsenthaler: Wir wollen zur Innovationskraft früherer Jahre zurückkehren, aber nicht die Stammkundschaft verunsichern. Die kennen und schätzen uns für unsere Qualität und eine klare Linie – und das wollen wir bewahren.

Neue Produkte wird es geben, ja, aber nicht um jeden Trend mitzumachen. Vegan? Durchaus denkbar. Insekten? Eher nicht. Ich sehe da aktuell keinen echten Mehrwert – und wir wollen keine halbgaren Lösungen nur wegen des Zeitgeists. Entscheidend ist für uns: Innovation muss Substanz haben. Und sie muss zur Marke passen. Man kann Bewährtes auch weiterentwickeln, ohne sich zu verbiegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sabine Gierok