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Investitionen in Produktion : „Weltweit eine Neuordnung von Standorten“

Foto: Pierre Blaché/Pixabay

Jedes zweite Unternehmen im produzierenden Gewerbe hält China für einen attraktiven Standort. Über Deutschland sagt das aber nur eine Minderheit. Ein weiterer Favorit außerhalb Europas sind die USA, wo jedes fünfte Unternehmen mit Expansionsplänen investieren möchte.

Nur 40 Prozent der Unternehmen, bei denen konkrete Planungen zum Aus- oder Aufbau der Produktionsnetzwerke bereits begonnen haben, wollen in Deutschland investieren. Das zeigt eine Befragung des Marktforschungsinstituts Kantar Public im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch. Bei denjenigen, die nicht unmittelbar einen Ausbau planen, können sich nur 33 Prozent eine weitere Investition in Deutschland vorstellen.

Die größte Gruppe derjenigen, die jetzt außerhalb Deutschlands planen zu expandieren, wollen dies in Asien tun – insgesamt 40 Prozent, 15 Prozent direkt in China. Als Investitionsstandorte folgen Europa und Amerika, der Großteil der Überseeinvestitionen sind in den USA geplant.

„Deutschland hat Attraktivität verloren“

„Der Standort Deutschland hat für viele Unternehmen deutlich an Attraktivität verloren“, sagt Mike Zöller, Senior Partner und Vorstand von FTI-Andersch. „Auch weltweit sehen wir Verschiebungen: China ist nach wie vor für die Mehrheit deutscher Unternehmen ein attraktiver Standort. Und auch andere asiatische Länder und vor allem die USA werden gerade wieder interessanter. Wir beobachten eine Neuordnung von Produktionsstandorten und -netzwerken weltweit.“

China ist für deutsche Unternehmen des produzierenden Gewerbes nach wie vor einer der wichtigsten Standorte. Mehr als jedes fünfte befragte Unternehmen will darüber hinaus in Asien künftig stärker diversifizieren und arbeitet gerade an einem dezentraleren Produktionsnetzwerk. Insgesamt 58 Prozent der Unternehmen arbeiten daran, ihr Lieferantennetzwerk auch in anderen Ländern Asiens auszubauen, 50 Prozent wollen ihre europäischen Lieferketten resilienter machen.

Asien hat in Infrastruktur investiert

„Die asiatischen Märkte haben sich vielfach weiterentwickelt“, sagt Mike Zöller. „Ob Vietnam und Indonesien im südostasiatischen Raum oder Bangladesch: Nicht nur Kostenvorteile, zum Beispiel bei den Lohnkosten, machen die Länder für Direktinvestitionen immer attraktiver.“ Vielfach sei dort in der letzten Dekade auch massiv in Infrastruktur sowie Know-how der Arbeitskräfte investiert worden. Das führe dazu, dass sich deutsche Unternehmen in Asien immer breiter aufstellen.

Außerhalb Asiens seien vor allem die USA gerade besonders attraktiv für Investitionen, heißt es in einer Pressemitteilung des Beratungshauses. 21 Prozent der Unternehmen schritten mit konkreten Planungen voran und wollten dort jetzt investieren. Ganz konkret haben bereits zwölf Prozent damit begonnen, diese Planungen umzusetzen. Mehr als jedes vierte Unternehmen arbeitet an neuen Kooperationen oder Akquisitionen mit Zugang zum US-Markt.

US-Politik fördert Investitionen

„In den USA finden die Unternehmen ein Land mit großem Absatzmarkt, niedrigeren Energiekosten sowie mit liberaler Marktwirtschaft“, sagt Florian Warring, Experte für Einkauf und Supply Chain Management bei FTI-Andersch und Leiter der Untersuchung. „Der Inflation Reduction Act der aktuellen Biden-Administration wirkt zudem wie ein großes Subventionsprogramm für ausländische Direktinvestitionen. Wir raten Unternehmen mit Expansionsplänen explizit zu prüfen, welche Optionen sich ihnen dadurch aktuell in den USA bieten.“

Tatsächlich haben, unabhängig von bereits getroffenen Entscheidungen oder jetzt vorliegenden konkreten Planungen über Expansion und Investitionen, 38 Prozent der Unternehmen angegeben, auf Basis des Inflation Reduction Act (IRA) mögliche Investitionen in Europa und Deutschland neu zu bewerten. 41 Prozent planen aufgrund des IRA ihre Lieferantenstrukturen anzupassen.