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Umfrage : Wie halten Sie’s mit der Nachhaltigkeit?

Lutz Sommer leitet den Bereich Umwelt und Energiemanagement
bei „Das Futterhaus“. Foto: Das Futterhaus

Bewusster einkaufen, weniger wegwerfen, mit Ressourcen sparsam umgehen, um die Zukunft der nächsten Generationen zu sichern – vor allem jüngere Konsumenten fordern eine Veränderung zu mehr Nachhaltigkeit.

Können Unternehmen der Heimtierbranche bestätigen, dass das Thema Nachhaltigkeit in ihren Geschäftsbeziehungen zunimmt? „Absolut“, sagt Dr. Stefan Mandel, Nachhaltigkeitsbeauftragter von Mera. „Ökologische Nachhaltigkeit wird für Konsumenten bei der Anbieterwahl mehr und mehr zu einem relevanten Entscheidungskriterium.“

Zusammen mit den Lieferanten ist Mera immer auf der Suche nach neuen nachhaltigen Lösungen. „So setzen wir beispielsweise auf möglichst regionale Zutaten für unser Futter und bieten Insektenprotein als nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Nutztierfleisch an“, erläutert Mandel die Umsetzung.

Damit entspricht der Kevelaer Futtermittelhersteller den Kundenvorstellungen, wie sie auch der Unternehmensberater Viktor Meier von TD Cowen ausmacht: „Generell lässt sich beobachten, dass das Thema Nachhaltigkeit auch für Tierhalter immer wichtiger wird. Das gilt einerseits für die Inhaltsstoffe des Futters, aber auch für dessen nachhaltige Produktion.

Kurze Wege

Tierhalter schätzten die Verwendung regionaler Produkte mit regionalen Inhaltsstoffen, was durch kurze Wege auch für nachhaltigere Warentransporte sorgt. „Gefragt sind bei Kunden vermehrt auch nachhaltige Verpackungen, etwa aus recycelten Materialien“, so Meier.

Regionale Produkte und Lieferanten scheinen für nachhaltig orientierte Unternehmen ein Schlüsselkriterium zu sein. Auch der österreichische Futtermittelhersteller Petco betont, wie wichtig vor allem die Regionalität für das Unternehmens sei. „Wir produzieren regional mit bevorzugt regionalen Rohstoffen bei nachhaltigen Betrieben in Österreich oder Deutschland. Dadurch entstehen kurze Transportwege und transparente Lieferketten“, sagt Firmengründerin Katharina Miklauz.

Gleichzeitig schaue Petco genau hin und verfolge den Ansatz: Nachhaltigkeit, aber nicht um jeden Preis und nicht nur um Marketing damit zu betreiben. „Wir setzen zum Beispiel nicht auf nachhaltig-angepriesene Verpackungen, wenn wir genau wissen, dass es noch keine nachhaltige Recycling-Schleife für die Verpackungen gibt“, erklärt Miklauz.

Auch Mitarbeiter wollen es

Nicht nur die Kunden, auch die Mitarbeiter und Franchisepartner von „Das Futterhaus“ hinterfragen immer öfter den Sinn und die Wirkung von dem, was sie tun, aber auch, wie sie die Welt beeinflussen, stellt Lutz Sommer fest, Leitung Umwelt und Energie bei „Das Futterhaus“. „Immer mehr Menschen beschäftigen sich ausführlich mit dem Thema Nachhaltigkeit und verstehen, dass es viel mehr bedeutet als nur Umweltschutz – sondern echte Verantwortung: In unserem Fall für Mensch, Umwelt und natürlich auch Tiere“, sagt Sommer.

Zu erfüllenden Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Umwelt beizutragen, ist auch das Ziel von Mera. Und damit Menschen und Tiere gesund leben könnten, brauche es einen gesunden Planeten. „Für uns hat Nachhaltigkeit aber nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und soziale Aspekte. Als großer Arbeitgeber am Niederrhein möchten wir die Region langfristig stärken und engagieren uns auch in Projekten, die der gesamten Gesellschaft zugutekommen“, so Stefan Mandel weiter.

Emissionen drastisch reduzieren

„Das Futterhaus“ hat einen Fokus auf den Umweltschutz gelegt. Ziel sei es, von 2019 bis 2025 eine Reduktion der CO2-Emissionen von rund 60 Prozent zu erreichen. Aufgrund der daraus entstandenen Projekte geht das Franchiseunternehmen davon aus, dass es dieses Ziel bereits früher erreicht.

„Bei der Konzeption unserer Standorte spielt das Energiemanagement eine wichtige Rolle. Eine Herangehensweise, mit der die CO2-Emissionen pro Jahr um über 40 Prozent in den zentralgeführten Standorten reduziert wurden“, so Sommer.

Außerdem erzeugt das Unternehmen seinen Strom zum Eigenverbrauch in Eigenregie. Auf einigen Dächern sowie auf dem Zentralsitz in Elmshorn sind Photovoltaikanlagen installiert. Seit 2022 werden zudem alle zentralseitig geführten Märkte sowie teilnehmende Franchisepartner mit Solarstrom aus einer großen Solaranlage in Norddeutschland versorgt.

Kein „Green-washing“

Projekte wie diese klingen ambitioniert und engagiert. Sie müssen unbedingt plausibel durchgeführt werden. Sonst könnte nämlich schnell der Eindruck entstehen, Unternehmen betreiben hier lediglich „Green-washing“, also ein grünes Image pflegen, ohne die entsprechenden Maßnahmen dafür tatsächlich umzusetzen.

Mera hat deshalb ein eigenes Nachhaltigkeits-Team ins Leben gerufen. 2020 wurden eine neue Nachhaltigkeitsmanagerin und zwei Nachhaltigkeitsauditoren ausgebildet. „Damit wir herausfinden können, wo wir im Bereich Nachhaltigkeit noch Verbesserungspotenziale haben, brauchen wir eine ehrliche und offene Feedback-Kultur. Deshalb ist uns der Austausch mit den anderen Teams besonders wichtig“, sagt deren Nachhaltigkeits-Beauftragter Mandel.

Glaubwürdigkeit durch Transparenz

Die „Das Futterhaus“-Umweltstrategie verfolgt ebenfalls eine ehrliche, transparente Kommunikation, die für Glaubwürdigkeit sorgen soll. „Wir setzen gezielt die Dinge in unserem Unternehmen um, die den höchsten Nutzen für die Umwelt haben. Erst mit erfolgreichem Umsetzen solcher Maßnahmen entwickeln wir eine Kommunikationsstrategie zu unserem Engagement,“ sagt Lutz Sommer.

Neben der Außendarstellung spielt aber auch die tatsächliche Machbarkeit und Sinnhaftigkeit bestimmter Nachhaltigkeits- Projekte eine Rolle. „Es ist uns wichtig, transparent über die Vor- aber auch Nachteile von bestimmten Maßnahmen zu informieren“, klärt Lutz Sommer von „Das Futterhaus“ auf.

Stefan Mandel von Mera hebt ebenfalls hervor: „Nachhaltigkeit kann nur zusammen gelingen.“ Gerade wenn sich die äußeren Rahmenbedingungen veränderten, wenn es zum Beispiel zu Lieferengpässen bei Rohstoffen komme und man den Lieferanten wechseln müsse.

Neue Auflagen und Gesetze

„Zudem ändern sich beinahe wöchentlich Auflagen und es gibt neue Gesetze, die meist länderspezifisch sind. Dann muss plötzlich auf jede Verpackung ein neues Symbol – und alte Verpackungen dürfen nicht mehr in Umlauf gebracht werden. Was passiert? Sie müssen entsorgt werden. Es bedarf hier einer zumindest EU-weiten einheitlichen Lösung“, fordert Katharina Miklauz.

Außerdem, so die Firmenchefin, habe sie persönlich den Eindruck, dass noch sehr viel Intransparenz und Verwirrung beim Endverbraucher herrscht. Zu unterscheiden, welche Produkte tatsächlich nachhaltig sind und welche nicht, sei für einen Käufer beinahe undurchschaubar.

Unternehmensberater Meier gibt darüber hinaus zu bedenken: „Ein Knackpunkt ist sicher der Preis. Nachhaltig produziertes Hundefutter etwa funktioniert am Ende nur, wenn Hunde- und Katzenhalter bereit sind, dafür den entsprechenden Preis zu zahlen.“

Sabine Gierok