Brachygobius ist eine südostasiatische Grundelgattung, die häufig im Brack- wasser angetroffen wird. Gegenwärtig sind neun Arten wissenschaftlich be-schrieben und (noch teilweise) als valid in dieser Gattung geführt. Somit könnte die Gattung sehr übersichtlich und die einzelnen Arten gut bestimmbar sein. Doch liegt der „Teufel im Detail“ und die Artunterscheidungen werden hauptsächlich anhand der Zeichnungsmuster auf dem Körper vorgenommen, die aber variieren können. Die Bestimmung erfolgt hauptsächlich nach Inger von 1958. Larson (2001) führt B. sua (Smith, 1931) als Synonym von B. xanthozona (Bleeker, 1849). Diese Meinung wird nur teilweise geteilt und somit wird B. sua an dieser Stelle ebenfalls als valid geführt. B. xanthozona unterscheidet sich von anderen Arten der Gattung morphologisch entscheidend und es wurde schon von Bleeker für diese Art die Gattung Hymnogymnogobius aufgestellt. Das greift Miller 1989 wieder auf. Allgemein wird aber auch diese Art noch in Brachygobius geführt. Die charakteristische Zeichnung, die hauptsächlich schwarz-weiß oder schwarz-gelb geringelt ist, gab diesen Fischen ihren deutschen und auch englischen Namen: Goldringelgrundel oder eben „Bumble Bee“. Gerade die bekannte Art B. doriae besitzt dieses Muster kräftig ausgebildet, also schwarz-gelb, manchmal schwarz-rot. Goldringelgrundeln, auch die Brackwasserarten, können ausschließlich im Süßwasser gehalten werden. Nur die Larven einiger Arten benötigen zum Heranwachsen Salzwasser. Das muss jedoch keinesfalls reines Meerwasser mit dessen hoher Salzkonzentration sein. Die Larven benötigen vor allem die Kleinstlebewesen, die in solcher Art Milieu vorkommen. Es gibt auch Goldringelgrundelarten, die ausschließlich im Süßwasser leben und sich da vermehren. Von manchen Arten ist bisher nicht endgültig geklärt, ob sie im Süß- oder Salzwasser aufwachsen. Die Verbreitungsgebiete sind schwer zu dokumentieren, da die einzelnen Arten in weit voneinander entfernten Gebieten aufgefunden werden können. Das liegt wahrscheinlich an der Salzwasserverträglichkeit der winzigen Larven und dem Abdriften übers Meer. Es kann aber auch ein Hinweis über zeitlich weit zurückliegende Verbreitungsmuster sein, beispielsweise als die Sundainseln miteinander und dem südostasiatischen Festland verbunden waren. Nachfolgend werden diejenigen Arten vorgestellt, die in Thailand, Laos oder Malaysia zu finden sind sowie eine Art, die in Birma gefunden wurde (GRIMM, 2012). Am Beispiel von B. doriae wird in der nächsten zza-Ausgabe die mögli- che Nachzucht aller Brachygobius Arten erklärt. Viel praktisches Wissen zum Thema Fortpflanzung der Goldringelgrundeln erhielt ich von Jakob Geck, München und Michael Taxacher, Weilerswist.
Brachygobius mekongensis Larson & Vidthayanon, 2000
Sie ist eine ausschließlich im Süßwasser vorkommende Art. Der Erstbe- schreibungsort liegt im äußersten Nordosten von Thailand im Regierungsbezirk Bung Khan, am großen Sumpfsee Bung Kong Long. Darüber hinaus ist diese Grundel flächendeckend in ganz Nordostthailand, dem sogenannten Isaan, in Laos und Kambodscha im Einzugsgebiet des Flusses Mekong zu finden. Sie ist in schmalen Bächen und kleinen Flüssen, an beruhigten Stellen im Strömungsschatten zu finden, ebenfalls zwischen den dichten Wasserpflanzenpolstern in Seen und Teichen. Die Annahme von ver- schiedenen Wasserparametern, von Weichwasser bis hin zu Hartwasser sowie durch den hohen Temperaturtoleranzbereich zwischen 20 und 30 °C, macht diese Zwerggrundel zu idealen Aquarienfischen. Außerdem ist sie mit max. 18 mm GL ideal für das kleine Artaquarium. Als Futter eignet sich Lebendfutter aller Art. Erfahrungsgemäß ist eine Artemia-Nauplien Zucht unumgänglich. Dieses Futter, kombiniert mit Enchytraeen und Mikro oder gesiebten Wasserflöhen wie Daphinia sp. und Moina sp. sowie Cyclops bildet eine ab- wechslungsreiche Grundlage im Speiseplan aller Goldringelgrundeln. Die Männchen weisen einen höheren Gelbanteil in der Färbung auf, sind aber etwa gleich groß zu den Weibchen. Über eine Zucht ist noch nichts bekannt geworden.
Brachygobius xanthomelas Herre, 1937
Als Vorkommensgebiet ist der Festlandstaat Malaysia und Borneo/Sarawak sowie der Süden von Thailand bekannt. Hauptunterscheidungsmerkmal zu anderen Arten ist die farbfreie Zone an der Basis der Rückenflossen. Die mittlere, etwas schräg nach hinten gestellte schwarze Binde erreicht nicht die Anus-Region und läuft nur etwas über die Fischmitte des Körpers hinaus. Viele Individuen bilden ein schräges Band, welches von vorn unten nach hinten oben verläuft und das mittlere Band trifft. Die Form ähnelt einem umgedrehten Y, das auf der Körpermitte zu finden ist. In der Literatur werden 18 bis 25 mm GL angegeben. Eine ähnliche Art/Population wird in Zentralthailand gefunden. Diese Form besitzt in meinen Aufzeichnungen den Arbeitsnamen B.cf. xanthomelas „Min- buri“, da ich sie in diesem Stadtteil Bangkoks das erste Mal fand. Weiterhin konnte ich diese Population/Art am Mae Nam Chao Praya, dem Hauptstrom Thailands, stromaufwärts an verschiedenen Stellen bis in den Regierungsbezirk Saiburi finden. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um die gleiche Art handelt, die im Süden Malaysias und von Borneo bekannt ist (siehe oben). B. cf. xanthomelas „Min- buri“ ist mit 33 mm GL etwas größer als andere mir bekannte Populationen. Die schwarze Bänderzeichnung und dunkle Pigmentierung ist sehr stark hervortretend. In Minburi leben die Goldringelgrundeln in Teichen ohne Vegetation oder in Gräben mit lang- sam fließendem Wasser und über- wachsender Überwasservegetation. Die Populationen sind einem ständigen Niedrigwasser- und Flutszenario im Wechsel der Jahreszeiten ausgesetzt, scheinen jedoch standorttreu zu sein. Wahrscheinlich vermehren sie sich komplett im Süßwasser, jedoch ist ein Abdriften der Larven in das Salzwasser denkbar. Ähnlich sind die Habitate am Mae Nam Chao Praya. Die nördlichste bekannte Population ist im Sumpfsee Borapet zu finden. Der pH-Wert ist neutral und ist als Weichwasser zu bezeichnen. Die Zucht ist noch nicht gelungen. Die Männchen bilden einen kräftig gelben Farbton im hinteren Körperdrittel aus, der die zwei letzten Querbinden beinhaltet. Eine weitere Population von B. cf. xant-homelas ist im Süden Thailands, weit im Binnenland, im Stausee des Khao Sok Nationalpark, aufzufinden. Tiere dieser Population bleiben mit max. 17 mm GL sehr klein. Die Körperbänder sind sehr klar und ganzrandig abge- setzt. Der Kopf ist stark pigmentiert, so dass er fast schwarz erscheint. Dies steht im Kontrast zur gelben Körpergrundfarbe, die fast komplett den Körper bedeckt. Seltsam ist das Vorkommensgebiet an sich, denn das Münden in den Khao Sok Stausee macht die Flüsse zu Binnenflüssen, ohne direkten Zugang zum Meer. Nativ kann diese Brachygobius sp. nicht sein, da der Ratcha Praba Damm erst 40 Jahre existiert, so dass diese Brachygobius Art mit einem Flusssystem eingewandert sein muss. Im See besitzt das Wasser bis zu 10° KH. Die einmündenden Flüsse besitzen unterschiedliche Wasserwerte, je nachdem wie lange sie Karstformationen durchflossen haben. Das Wasser kann in der Trockenzeit im Lebensbereich der Grundeln Temperaturspitzen von 32° C haben. Die Zucht dieser Goldringelgrundel gelingt mir sporadisch, Larven wuchsen sogar gelegentlich im Elternaquarium auf.
Literatur
Inger, Robert F. (1958): Notes on fish of the genus Brachygobius. Fildiana Zoology; Vol. 39, No.14, S.107-117
Larson, H. K. (2001): A revision of the gobiid fish genus Mugilogobius (Teleostei: Gobioidei) and its systematic placement. Records of the Western Australian Museum 62. Perth.
Smith, H. M. (1945): Fishes of Siam, or Thai- land. – U. S. Nat. Mus. Bull. No. 180 S.549, 550
Miller, Peter J. (1989): The classification of Bumble Bee Gobies (Brachygobius and associated genera) (Teleostei: Gobiidae).
Geck, J. (2010): Bachygobius doriae – Goldringelgrundeln im Brackwasser- Nano-Aquarium.
DATZ 7/2010 S. 14-17 Grimm, M. (2012): Brachygobius cf. nunus. Amazonas, S. 66/67 Schäfer, F. (2011): Brachygobius aggregatus. AF 220, S.102
Horsthemke, H. (1992): Grundeln aus der Gattung Brachygobius. Aquarienaufzucht und Entwicklung. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 45 (2): 88–96
Taxacher, M.&Fischer, C. (2011): Rädertierchen – ein wertvolles Aufzuchtfutter. Amazonas, Nr. 36, S. 64-69