Am 1. Juni 2017 fand die dritte politische Fachtagung "Wir fürs Tier!" in Berlin statt. Die Tagung stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Bundestagswahl. Vertreter der Parteien hatten Gelegenheit, den rund 80 Teilnehmern aus der Heimtierbranche und aus Tierverbänden ihre Position zur Heimtierhaltung darzulegen. Sie stellten sich außerdem den Fragen der Teilnehmer rund um das Thema Tier- und Artenschutz.
Den ursprünglich geplanten Verlauf der Veranstaltung musste der ZZF spontan ändern: Im Bundestag wurden kurzfristig namentliche Abstimmungen angesetzt. Trotz der engen Terminplanung nahmen sich die eingeladenen Politiker Zeit für die Heimtierbranche, wenn sie auch mit großer Verspätung in der Kalkscheune eintrafen.
In seiner Eingangsrede formulierte ZZF-Präsident Norbert Holthenrich Fragen und Forderungen an die Politik. So wies er unter anderem darauf hin, dass der ZZF dafür eintrete, dass Tierfreunde ein Heimtier wählen können, das zu ihren Lebensbedingungen passt. Denn nur dann würden die Tiere auch tierschutzgerecht gehalten. Er wollte daher wissen, inwiefern die einzelnen Parteien Maßnahmen planen, um den großen gesellschaftlichen Nutzen der Heimtierhaltung zu fördern.
Außerdem stellte der Verbandspräsident die Frage, ob sich die Parteien für den Erhalt des Imports und Verkaufs von sogenannten exotischen Heimtieren bzw. Wildtieren und -fängen über den Fachhandel einsetzen werden.
Es diskutierten:
• Ute Vogt, stellvertretende Vorsitzende SPD-Bundestagsfraktion
• Birgit Menz, Bundestagsfraktion Die Linke
• Nicole Maisch, Bundestagsfraktion B'90/Grüne
• Thomas Heilmann, CDU, Berliner Senator für Justiz und Verbraucherschutz a. D.
Das Wichtigste aus der Politiker-Debatte
Einig waren sich die Politiker beim Verkaufsverbot von Heimtieren an Privatpersonen über sogenannte gewerbliche Tierbörsen und unterstützten damit die Forderung des ZZF nach einem Verbot dieser Form des Tierhandels.
Die ZZF-Forderung, den Versand- bzw. Onlinehandel mit Tieren zu regeln, sahen die Politiker ebenfalls als berechtigt an. Die Tiere dürften zwar im Internet und in anderen Medien angeboten werden, sollten aber ausschließlich persönlich übergeben werden, so Thomas Heilmann (CDU). Nach Ansicht des ZZF ist es auf diese Weise überhaupt erst möglich, dass ein Tierfreund sich von der Seriosität des jeweiligen Anbieters überzeugen und der Vermittler sichergehen kann, dass er das Tier in verantwortungsvolle Hände gibt.
Auch die Unterstützung von Tierhaltern, die von Hartz IV leben, mittels Gutscheinen für den Tierbedarf – ebenfalls eine Forderung des ZZF – stieß grundsätzlich auf Zustimmung. Jedoch warnten die Politiker vor möglicherweise hohem Verwaltungsaufwand hierfür. Der Handhabung per Gutscheinsystem standen sie eher kritisch gegenüber. Die bedürftigen Tierhalter würden dadurch „stigmatisiert“. Sie zogen eher in Erwägung, den Bedarf im Regelsatz zu berücksichtigen.
Eine leidenschaftlich geführte Debatte löste das Thema Qualzucht aus. So sprach sich Ute Vogt (SPD) vehement für eine Neuformulierung des Qualzucht-Paragrafen aus. Auch Nicole Maisch (B‘90/Grüne) forderte dies, um die darin festgehaltenen Regelungen auch wirklich für die Kontrollbehörden vollziehbar zu machen.
Kontrovers diskutiert wurde auch das Thema Wildtiere und die damit verbundene Forderung von Tierschutzverbänden nach Einführung einer Positivliste, die festlegen soll, welche Tiere überhaupt privat gehalten werden dürfen.
Dass die Tierheime in Deutschland an ihre Grenzen stoßen und Entlastung bei der Aufnahme von Tieren generell und insbesondere im Fall von exotischen Tieren bedürfen, stand für alle Teilnehmer der Diskussion außer Frage.
Grundsätzlich plädierten die Parteivertreter auch für Nachbesserungen im Tierschutzgesetz an verschiedenen Stellen. Birgit Menz (Die Linke) forderte zudem die Einführung eines unabhängigen Tierschutzvertreters im Deutschen Bundestag ähnlich der bereits existierenden Position des Datenschutzbeauftragten.
Das Wichtigste aus der Verbände-Debatte
Zu Beginn bereicherte der NDR-Fernsehtierarzt und tierärztliche Berater der ZZF-Onlinetierpraxis Dr. Fabian von Manteuffel die Tagung mit seinem Impulsvortrag „Die Bedeutung von Heimtieren in unserer Gesellschaft“. Hierin hob er das Urbedürfnis der Menschen nach einem Heimtier und die Bedeutung dieser Tiere in unserer heutigen Lebensform der zunehmenden Vereinzelung hervor. Um die Wartezeit auf die Politiker zu überbrücken, stellte der ZZF anschließend eine Diskussionsrunde mit Vertretern mehrerer Verbände zusammen:
• Dr. Sandra Altherr, Pro Wildlife e.V., Kampagnen und Projekte
• Dr. Cristeta Brause, TASSO e.V., Referentin Tierschutz Inland
• Norbert Holthenrich, ZZF-Präsident
• Ines Krüger, Tierschutzverein für Berlin und Umgebung e.V., 1. Vorsitzende
• Dr. Fabian von Manteuffel, Tierarzt
Ines Krüger (Tierschutzverein Berlin) nutzte ihr Statement bei der ZZF-Tagung für einen Appell an die Politik, den Tierschutz noch stärker zu unterstützen. Die Tierheime in Deutschland seien ein Auffangbecken für die fehlgeleitete Tierschutzpolitik in Deutschland.
Dr. Cristeta Brause (TASSO), betonte die Notwendigkeit, konsequenter gegen den illegalen Welpenhandel (auch im Internet) vorzugehen und sich flächendeckend der Streunerkatzen-Problematik anzunehmen.
Dr. Sandra Altherr (Pro Wildlife) forderte die Regulierung des Heimtierhandels mithilfe einer Positivliste nach dem Vorbild Belgiens und der Niederlande. Außerdem setzte sie sich für die Einrichtung einer staatlichen Fangstation für Wildtiere ein, um die Tierheime zu entlasten.
Norbert Holthenrich (ZZF) berichtete aus seiner Erfahrung als Zoofachhändler mit den auf Hartz IV angewiesenen Menschen, die zur Versorgung ihres Tieres in die Zoofachgeschäfte kämen, denen aber am Monatsende die finanziellen Mittel dafür fehlten.
Premiere für ZZF-Film
Eine Premiere gab es auf der Tagung auch noch: Der neue Erklärfilm des ZZF zur „Wir fürs Tier!“-Aktion wurde erstmals präsentiert. Er fasst kurzweilig und originell zusammen, worum es in der Kampagne geht.
---
Impressionen
Hier finden Sie eine Bildergalerie zur Veranstaltung.
(am Seitenende)