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Online-Seminar für den Handel : Die Künstliche Intelligenz kommt

Wie funktioniert Künstliche Intelligenz? Wie lassen sich gewonnen Daten zielführend für das Unternehmen einsetzen? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es für den Einzelhandel? Solche Fragen fanden am verangenen Dienstag Antworten beim „Thementag KI“ des Mittelstand-Digital Zentrums Handel.

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ sei keines, was man als Unternehmen aussitzen und sage könne, das sei nur etwas für die Großen, sagte Moderator Marco Atzberger: „KI kommt!“ Bei der kostenlosen Online-Veranstaltung drehte sich alles um die Anwendung dieser noch jungen Technologie im Einzelhandel. Der Veranstalter gab den rund 130 Teilnehmern Gelegenheit, sich im Rahmen von Kurzvorträgen über dieses Thema zu informieren.

Doch bevor es in verschiedene Anwendungsfelder ging, machte gleich der erste Referent klar, dass KI eben lange nicht alles kann. Robert Boehme, Experte für Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit, machte in seinem Vortrag „Wussten Sie, dass KI nicht rechnen kann?“ die Grenzen aktueller Modelle deutlich.

Die KI mag die 42

Die Datenmenge, mit denen alle aktuellen KIs trainiert wurden, ist endlich. Daraus ergäben sich gewisse Verzerrungen und Vorurteile, die für den Einsatz im Geschäftsbetrieb von Bedeutung sein können, so Boehme. So würden beispielsweise Namen, die im Englischen gebräuchlich sind, deutlich häufiger von der KI gewählt als etwa typisch deutsche Namen. Und bei einer zufälligen Auswahl einer Zahl zwischen eins und 100 würde am häufigsten die 42 ausgesucht. Leser der Science-Fiction-Bücher von Douglas Adams wissen, warum. Boehme vermittelte einige Tipps und Tricks für den sicheren Umgang mit KI, um solche Voreingenommenheiten zu relativieren.

Dass KI auch eine Rolle in der Mitarbeitergewinnung und -entwicklung für den Handel haben kann, zeigte Bettina Wilhelm, Geschäftsführerin Zentralstelle für Berufsbildung im Handel. Sie stellte das Projekt „Ele-com“ vor, ein E-Learning-Angebot, das mittels eines KI-Empfehlungssystems Lernpräferenzen der Lernenden berücksichtigt, beispielsweise hinsichtlich des Lernziels und des Vorwissens.

Auf die Frage kommt es an

Wer mit einer KI wie etwa ChatGPT schon einmal gearbeitet hat, der weiß, dass es darauf ankommt, die richtige Frage an das System zu stellen. Zum Thema „Prompting“, also der Eingabe von Anweisungen, referierte Klaus Kaufmann, KI-Trainer beim Mittelstand-Digital Zentrum „Wertnetzwerke“ in Köln. Kaufmann gab den Teilnehmern Tipps, wie richtige Anweisungen aussehen sollten, um gute Ergebnisse zu erzielen. Je allgemeiner die Eingabe, umso allgemeiner auch das, was die KI ausspuckt. Heißt im Umkehrschluss, dass sich der Nutzer einige Gedanken machen sollte, was genau er der Maschine mitgeben will, um gewünschte Ergebnis zu erzielen, zum Beispiel mittels des Sprich-Prinzips. Sprich steht abkürzend für Situation, Präsentation, Rolle, Instruktion, Charakter und Hinweise.

Beim nächsten Thema widmete sich der Referent dann der Frage, wie Künstliche Intelligenz dazu beitragen kann, die Kundenloyalität zu steigern. Philipp Hübner, Projektleiter Forschungsbereich E-Commerce beim EHI Retail Institute, stellte die Ergebnisse einer Studie vor, in deren Rahmen Geschäftsführer und Entscheider aus 179 Handelsunternehmen ihre Einschätzungen abgeben konnten. In der Studie wurde beispielsweise gefragt, ob es einfacher ist Bestandskunden zu binden oder Neukunden zu finden.

Die Teilnehmer der Online-Veranstaltung erfuhren, welche Einflussfaktoren die Kundenloyalität nach Ansicht der Befragten beeinflussen und in welchen Anwendungsfeldern das größte Potenzial der KI steckt. Die am häufigsten genannten potenziellen Einsatzmöglichkeiten waren die Stärkung des personalisierung Direktmarketings, die Analyse und Prognose von Kundenverhalten sowie die Automatisierung von Beratung und Service.

Den Datenschatz heben

Martin Talmeier vom Mittelstand-Digital Zentrum Berlin sprach anschließend über Datenmanagement unter dem Titel „Warum die KI alleine Unternehmen nicht retten wird!“. Auch wenn es eine der großen Stärken aktueller Künstlicher Intelligenzen ist, Muster in scheinbar chaotischen Datenbergen zu identifizieren, machte Talmeier deutlich, dass ein strukturiertes Datenmanagement wichtig ist, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Hierfür schlug er einen Drei-Stufen-Plan vor, um den „Datenschatz zu heben“: eine Strategiephase, in der Ziele definiert werden, eine Datenanalyse als Bestandsaufnahme sowie ein kleines, übersichtliches Pilotprojekt, welches aber durchaus schon Nutzen bringen sollte.

„Haltet den Dieb!“ hieß es schließlich im letzten Vortrag der Veranstaltung. Frank Rehme, Geschäftsführer des Mittelstand-Digital Zentrums Handel, berichtete über seinem Besuch auf der Handelsmesse NRF in New York, wo er ein KI-gestütztes System kennenlernte, dass Ladendiebstähle in Echtzeit erkennen kann. Die praktisch überall im stationären Handel eingesetzten Kameras werden – konform mit der Datenschutz-Grundverordnung – mit Soft- und Hardware ausgerüstet. Das System kann dann verdächtige Verhaltensmuster ausmachen und so Diebstählen frühzeitig erkennen.

Dominic Heitz