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Aquaristik : Herbert Nigl gelingt schwierige Nachzucht

Die Lanzen-Symbiosegrundel. Foto: Aquarium Dietzenbach

Nach fast zehn Jahren Grundlagenforschung ist Herbert Nigl vom Aquarium Dietzenbach etwas Außergewöhnliches gelungen: Er hat die Lanzen-Symbiosegrundel erfolgreich gezüchtet.

Manche Arten gelten in Züchterkreisen als einfach, andere als schwierig und wieder andere als praktisch unmöglich. Stonogobiops nematodes, auch bekannt als Lanzen-Symbiosegrundel, zählten Aquarianer eher in letztere Kategorie. Herbert Nigl hat Zweifler nun zu einem Umdenken gezwungen, ist ihm doch die Nachzucht in größerer Zahl gelungen. Eine kleine Zuchtsensation.

Die Idee hierfür kam Nigl, nachdem 2015 erstmals Hawai Doktorfische in relevanter Zahl nachgezüchtet wurden, eine weitere Art, die als schwierig bis unmöglich galt. Die ersten Zuchtversuche mit der Lanzen-Symbiosegrundel unternahm er 2017, Erfolge im kleineren Umfang gelangen ihm dann zwei Jahre später.

Komplexe Fütterung

Die größten Schwierigkeiten bereite bei dieser Art wie bei manch anderer auch die Ernährung. Stonogobiops nematodes ist in frühen Stadien sehr klein und benötigt in allen Entwicklungsphasen unterschiedliches Lebendfutter. Stets das passende Futter bereitstellen zu können, sei eine komplexe Angelegenheit und verbrauche etwa die Hälfte der gesamten Zeit des Projektes, so Nigl.

So betreibt Nigl beispielsweise eine Mikroalgenkultur, die wiederum einer Art als Futter dient, die dann selbst an die jungen Grundeln verfüttert wird. Hier bildet der Züchter im Prinzip eine komplette Nahrungskette bis zum Zuchtfisch ab. Später dann frisst die Grundel die Nauplien der Seepocke, die Larven einer Krebsart. Diese werden in flüssigem Stickstoff tiefgefroren und leben aufgetaut lediglich eine halbe Stunde lang – genau dann müssen sie an die Grundel verfüttert werden.

So steht der Futterplan für die Nachzucht nun stabil, aber der Weg dorthin war für den passionierten Züchter von Versuch und Irrtum gekennzeichnet. „Ich habe immer wieder einen Parameter geändert und mich so langsam angenähert“, sagt Herbert Nigl. Jetzt hat er einen stabilen Prozess gefunden.

„Bedarf ist da“

Die Schlupfrate beträgt zwar 90 Prozent, aber nur rund zehn Prozent der Tiere kommen durch. „Mein Ziel ist es, diese Quote auf 25 bis 50 Prozent hochzubringen.“ Das wären sogar deutlich mehr, als in der Natur überleben.

Noch sind die rund 50 Tiere nicht groß genug, um sie in den Handel abzugeben. Aber Nigl ist zuversichtlich. „Der Bedarf ist da“, sagt er. Die ersten Grundeln will er an das Unternehmen Von Wussow Importe des befreundeten Großhändlers Thomas Jung abgeben. Dann will er die Zucht hochskalieren, um mehr Tiere in den Markt bringen zu können. Der Fachhandel muss sich also noch ein wenig gedulden.

Mit der größeren Menge werde die Zucht auch wirtschaftlicher darstellbar und der Preis am Markt werde fallen, sagt Nigl. Der jüngste Erfolg gibt dem Züchter Auftrieb: Nigl will sich zukünftig an weiteren schwierigen Arten versuchen. Sobald die Aufzucht weiterer Raritäten gelingt, will er dann einen Teil seiner Anlage umrüsten, um die Nachfrage am Markt bedienen zu können. Aquarianer dürfen sich also auf neue ungewöhnliche Arten im eigenen Becken freuen.