Unternehmen sehen bislang fast ausschließlich Vorteile ihrer digitalen Transformation, aber jedes zweite Unternehmen hat Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen. Das teilte der IT-Branchenverband Bitkom kürzlich mit.
Vor einem Jahr hatten 17 Prozent KI im Einsatz, 40 Prozent waren in der Diskussionsphase. Für mehr als drei Viertel der Unternehmen, die derzeit KI einsetzen, habe sich dadurch ihre Wettbewerbsposition verbessert, so der Bitkom. 52 Prozent berichten von einem messbaren Beitrag von KI für ihren Unternehmenserfolg und zwei Drittel wollen den KI-Einsatz weiter ausbauen.
Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands. „Künstliche Intelligenz ist weltweit der entscheidende Treiber für mehr Produktivität und Effizienz. Die deutsche Wirtschaft macht beim KI-Einsatz Tempo“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
„Bei KI geht es nicht nur darum, wer das beste Sprachmodell baut, es geht um den Einsatz überall dort, wo Deutschlands Wirtschaft stark ist, etwa in der Industrie, in der Pharmazie oder in der Medizintechnik.“
Positives Fazit
Die breite Mehrheit der Unternehmen zieht aktuell ein positives Fazit ihrer bisherigen Digitalisierungs-Bemühungen. 77 Prozent sagen, die Digitalisierung habe ihnen eher Vorteile gebracht, 16 Prozent sogar große Vorteile. Zugleich sehen nur zehn Prozent die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung weltweit in der Spitzengruppe, umgekehrt verorten 16 Prozent sie unter den Nachzüglern und sieben Prozent halten sie sogar für abgeschlagen. Für die große Mehrheit (63 Prozent) liegt Deutschland hingegen im Mittelfeld. Für drei Viertel der Unternehmen (78 Prozent) ist die derzeitige Krise der deutschen Wirtschaft auch eine Krise zögerlicher Digitalisierung.
Trotz der weit überwiegend positiven Einschätzung von Digitalisierungseffekten: Aktuell hat rund die Hälfte der Unternehmen in Deutschland (51 Prozent) Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen. 13 Prozent sehen durch die Digitalisierung sogar die Existenz ihres Unternehmens in Gefahr, vor einem Jahr lag der Anteil nur bei sieben Prozent, 2024 bei vier Prozent.
Fast zwei Drittel stellen fest, dass ihnen Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, nun voraus sind. Jedes fünfte Unternehmen sieht seine Marktstellung durch aufstrebende Start-ups gefährdet. „Bei der Digitalisierung ist Deutschland gespalten: Wir haben Unternehmen, die auch im internationalen Vergleich ganz vorne mit dabei sind, und solche, die Gefahr laufen abgehängt zu werden“, sagt Wintergerst. „Unser gemeinsames Ziel muss sein, alle mitzunehmen, insbesondere auch die breite Basis der kleineren und mittelständischen Unternehmen.“
Unternehmen entdecken ihren Datenschatz
Für die Unternehmen geht es um mehr als einzelne Verbesserungen und Effizienzgewinne. So geben 42 Prozent an, dass sich ihr Geschäftsmodell durch die Digitalisierung verändert. Insbesondere der Nutzung vorhandener Daten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. 32 Prozent nutzen das Potenzial dieser Daten bereits, fünf Prozent schöpfen es nach eigenen Angaben sogar vollständig aus.
Umgekehrt verwenden sechs von zehn ihre Daten bisher kaum oder gar nicht: 48 Prozent sagen, sie nutzen das Potenzial eher wenig aus, 13 Prozent nutzen es überhaupt nicht. Allerdings ergreifen drei von zehn Unternehmen, die aktuell ihr Datenpotenzial nicht ausschöpfen, Maßnahmen, um das zu ändern.
„Viele deutsche Unternehmen sitzen auf einem Datenschatz, den sie noch nicht gehoben haben – und von dem sie zu oft noch gar nichts wissen“, so Wintergerst. „Diese Daten können die Basis eines echten Digitalisierungsschubs sein, sei es beim Einsatz Künstlicher Intelligenz oder der Entwicklung neuer Geschäftsfelder.“
Digital-Innovationen fallen leichter
Insgesamt komme die deutsche Wirtschaft bei der Entwicklung von Digital-Innovationen voran, wenngleich langsam, heißte es in einer Pressemitteilung des Verbandes. So fällt rund jedem vierten Unternehmen (23 Prozent) die Entwicklung neuer digitaler Produkte oder Dienstleistungen leicht, vor einem Jahr lag der Anteil bei nur 16 Prozent. Umgekehrt sagen 40 Prozent, dass ihnen dies schwerfällt – nach 51 Prozent im Vorjahr.
Nahezu unverändert entwickelt gut ein Drittel überhaupt keine digitalen Produkte oder Dienstleistungen. Zugleich spielen Digitalumsätze für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle. Nur sechs Prozent erwarten, in fünf Jahren gar kein Digitalgeschäft zu haben. Neun Prozent gehen dagegen davon aus, mindestens die Hälfte ihres Umsatzes digital zu erzielen. Die große Mehrheit rechnet mit einem Anteil der Digitalumsätze von zehn bis 50 Prozent.
„Wer Verantwortung im Unternehmen trägt, sollte sich ambitionierte Ziele setzen, um sein digitales Geschäft zu steigern. Wer heute ein erfolgreiches, vielleicht sogar weltweit führendes Produkt hat, muss sich Gedanken machen, wie es sich mit digitalen Dienstleistungen und neuen Anwendungen aufwerten lässt“, sagt Wintergerst.
Zwar stellt jedes fünfte Unternehmen fest, dass aufstrebende Start-ups seine Marktposition gefährden, bei der Kooperation mit Startups zögern aber die meisten Unternehmen. Zwei Drittel arbeiten überhaupt nicht mit Start-ups zusammen. „Damit wir bei der Digitalisierung echte Sprünge sehen, braucht es mehr Austausch und Zusammenarbeit zwischen traditionellen und jungen Unternehmen“, so Wintergerst.
Bereitschaft wächst
Die Bereitschaft der Unternehmen, in Digitalisierung zu investieren, zieht 2026 trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an. 36 Prozent wollen in diesem Jahr mehr investieren als im Vorjahr, 2025 lag der Anteil bei 29 Prozent, 2024 sogar nur bei 21 Prozent. Umgekehrt wollen nur 13 Prozent ihre Investitionen zurückfahren, nach 25 Prozent 2025 und 30 Prozent 2024.
Größte Hindernisse bei der Digitalisierung sind für die Unternehmen die Anforderungen an den Datenschutz und der Mangel an Fachkräften. Weitere Hürden sind Anforderungen an die technische Sicherheit, ein Mangel an marktfähigen Lösungen und fehlender Austausch mit anderen Unternehmen.
Aber auch unternehmensinterne Hemmnisse werden häufig erkannt: fehlende Zeit, fehlende finanzielle Mittel, langwierige Entscheidungsprozesse, mangelnde Risikobereitschaft und mangelndes Wissen über Best Practice.