Nun sieht sich das Unternehmen aber auf einem guten Weg. Der Anstoß für die Firmenumstrukturierung kam von mehreren Seiten. „Die Margen im klassischen Großhandel sind gesunken, der Wettbewerbsdruck ist gestiegen und ein wichtiger Kunde ist weggefallen. Hinzu kommt, dass der Heimtiermarkt nicht mehr so wächst wie in früheren Jahren.
Wer im Großhandel wirtschaftlich bestehen will, braucht große Mengen“, resümiert Geschäftsführer Konstantin Kaysser. Außerdem hänge der Großhandel inzwischen sehr stark an den großen Ketten, egal ob Pet-Pure-Player, Raiffeisen- oder Baumärkte. Sein Unternehmen zieht daraus einen klaren Schluss: Kurzfristig geht es darum, das Geschäft zu stabilisieren. Langfristig will sich Kaysser als Anbieter von Heimtiersnacks positionieren.
Zwei Marken, zwei Zielgruppen
Die beiden Marken „Canius“ und „World of Pets“ sollen künftig das Geschäft tragen. Der Fachhandel bleibe dabei ein zentraler Vertriebsweg. Daneben betreibt das Unternehmen für jede Marke einen eigenen Onlineshop, ohne den Direktvertrieb zum Schwerpunkt zu machen. Auch der Export sei ein Thema, sofern die Handelspartner passten.
„Canius“ ist seit mehr als 15 Jahren im Sortiment, breit aufgestellt und laut Kaysser „ein solider Umsatzbringer“. Die Marke liefert dem Handel ein Snack-Grundsortiment mit zurückhaltender Gestaltung und richtet sich an Kunden, denen der Inhalt wichtiger ist als die Verpackung.
Die neue Marke „World of Pets“, die im Oktober an den Start geht, arbeitet mit einer engeren Auswahl, einer klaren Optik und starker Regalwirkung. Angesprochen werden Käufer, die zuerst auf das Erscheinungsbild schauen.
Langjährige Partner liefern
Unterschiede gibt es auch bei den Packungsgrößen und Preisen der beiden Marken: Einzelne Größen weichen bewusst voneinander ab, um andere Preispunkte zu ermöglichen. Die unverbindlichen Verkaufspreise von „Canius“ liegen in der Regel etwas niedriger. Qualitativ seien aber beide Linien „top“, so das Unternehmen.
Die Snacks kommen fertig verpackt von langjährigen Partnern. Das soll Verunreinigungen beim Transport ausschließen und für gleichbleibende Qualität sorgen. Produktionsstätten und Lieferanten kennt Kaysser bereits seit Jahren. Bei den Verpackungen achtet das Unternehmen auf dichten Verschluss und Geruchsschutz. Die Erfahrung und Expertise im Snackgeschäft reicht mehr als 30 Jahre zurück, vom klassischen Hundekeks bis zum modernen Funktionssnack.
Viel Veränderung
Die Neuausrichtung hat allerdings ihren Preis. Kaysser musste sich von einem großen Teil der Mitarbeiter trennen, auch die Lagerfläche soll schrumpfen. Der Mietvertrag für eine Halle mit 5.000 Quadratmetern läuft allerdings noch zwölf Monate. Das verbliebene Team gestaltet den Umbau aktiv mit.
„Das Wichtigste ist, die Mitarbeiter mitzunehmen, informiert zu halten und die Entwicklung auch spüren zu lassen. Gleichzeitig gibt es aktuell viel Veränderung, nur noch wenige Tätigkeiten sind vom Großhandelsgeschäft übriggeblieben. Die Dynamik in so einem kleinen Team ist deutlich und hilft allen. Zudem sehen wir, wie schnell wir unsere Marke weiterentwickeln können. Insbesondere wenn man sich ansieht, wo wir Ende letzten Jahres standen und wo wir heute sind“, zeigt sich Kaysser zuversichtlich.
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“
Was er heute anders machen würde? Grundsätzlich gelte für ihn „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, so Kaysser, jedoch würde er bei Veränderungen stärker auf eine gesicherte wirtschaftliche Basis achten. Und er sagt: „Außerdem musste ich auch lernen, dass man schwierige Entscheidungen lieber selbst trifft, bevor sie von der Zeit getroffen werden.“
Die Ziele für die kommenden fünf Jahre sind ehrgeizig. Wenn alles so läuft, wie er und sein Team es sich vorstellen, soll das Snackgeschäft den früheren Großhandel vollständig ersetzen und dessen Umsatz erreichen. Eine der beiden Marken soll bundesweit bekannt werden und der Vertrieb in fünf weitere Länder gelingen. Zusätzlich sollen Snacks für Katzen, Nager und Vögel dazugekommen. Kaysser gibt sich optimistisch. Und auch wenn er sich Fehler zugesteht, ist er überzeugt, dass er noch vieles richtig machen wird.