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Neujahrsempfang : Tierärzte wollen flexiblere Arbeitszeiten

Foto: Mirko Sajkov/Pixabay

Kürzlich fand der traditionelle Neujahrsempfang des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (BPT) unter Einhaltung strenger Hygienevorgaben in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin statt. Berufspolitisches Thema Nummer eins war das laut BPT aktuell für die Tierärzteschaft mit Abstand drängendste Problem: der Tierärztemangel.

„Den gibt es mittlerweile nicht mehr nur auf dem Land und in der Nutztierpraxis, sondern auch in der Kleintier- und Pferdepraxis“, so Verbandspräsident Dr. Siegfried Moder. Damit eng verknüpft sei der in vielen Regionen auf der Kippe stehende tierärztliche Notdienst.

„Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium geplante Überarbeitung der tierärztlichen Gebührenordnung ist begrüßenswert und ein Schritt in die richtige Richtung. Denn nur wenn Tierarztpraxen mehr Ertrag erwirtschaften, können die Arbeitsbedingungen für unsere angestellten Tierärztinnen und Tierärzte verbessert und mit einer leistungsgerechten Bezahlung ein Verbleib in der Praxis gewährleistet werden“, so Moder.

Im Einzelfall abweichen

Um dem Tierarztmangel gegenzusteuern, reiche das allein aber längst nicht mehr aus. Mindestens genauso dringend brauche es eine Flexibilisierung beim Arbeitszeitgesetz für Berufe, die gesetzlich zum Notdienst verpflichtet sind. „Für unseren tierärztlichen Notdienst heißt das, wir brauchen die Möglichkeit, von den elf Stunden Ruhezeit und der täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden im Einzelfall und natürlich nur mit Zustimmung der Angestellten abweichen zu können“, so Moder.

Beispielsweise wäre eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ebenso hilfreich wie die Eins-zu-eins-Anwendung der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Auch würde es helfen, die Ausnahmeregelungen des Arbeitszeitgesetzes wie „Sonderregeln für Notfälle und außergewöhnliche Fälle“ einfacher und einheitlicher zu definieren.

Präsident kritisiert Ampel-Pläne

In Zeiten des Tierärztemangels könne man sich überdies keinen bürokratischen Mehraufwand für Tierärzte ohne jeglichen erkennbaren Nutzen mehr leisten, sagte Moder im Hinblick auf die von der Ampel-Koalition beabsichtigte Einrichtung einer Tiergesundheitsdatenbank und die tierärztliche Erfassung von Antibiotikaanwendungen für das Antibiotikaminimierungskonzept.

Der damit verbundene immense zeitliche Aufwand der Datenlieferung durch den Tierarzt müsse deshalb unbedingt mit der Datenbanknutzung durch den Praktiker verbunden sein. Weitgehende Unterstützung signalisierte der BPT-Präsident hingegen zu den von BMEL-Staatssekretärin Dr. Ophelia Nick skizzierten Vorhaben der Koalition im Bereich Tierschutz, wie den Lückenschluss bei den Nutztierhaltungsverordnungen und der verantwortungsvollen Heimtierhaltung.