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Sensationelle Entdeckung : Zwerge aus Vietnam

Es ist eine kleine Sensation: die Entdeckung der Labyrinthfisch-Art Nanosphronemus gemma mit Totallängen zwischen 15 und 20 Millimetern. Wegen der geringen Größe werden sie „Zwerge aus Vietnam“ genannt.

Zierfisch-Experte Horst Linke beschreibt die „Zwergeaus Vietnam“ als spannende, interessante Neuentdeckung für Zierfischfreunde. Mit ihrer geringen Größe zählen Nanosphronemus gemma zusammen mit Parasphaerichthys lineatus aus Myanmar, der nur etwa 25 Millimeter Totallänge erreicht, zu den kleinsten bekannten Labyrinthfischen. Dankenswerterweise war es wieder Herbert Nigl vom Aquarium Dietzenbach, der diese Fische für Beobachtungen einführen konnte.

Wasserparameter beachten

Die Pflege im heimischen Aquarium gestaltet sich problemlos, wenn man die von Cung Sph angegebenen Wasserparameter beachtet: ein pH-Wert von 5,5, eine elektrische Leitfähigkeit von rund 40 µS/cm und eine Wassertemperatur von 22 bis 26 Grad Celsius. Wichtig ist außerdem eine sehr gute Wasserqualität. Das bedeutet eine gute Filterung und regelmäßige Teilwasserwechsel. Da für Beobachtungen bisher nur Wildfänge zur Verfügung stehen, ist die Fütterung mit geeignetem kleinen Lebendfutter eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Pflege.
Ich pflege die Fische in einem nur für sie eingerichteten Artbecken. Der etwa einen Zentimeter hohe Bodengrund besteht aus feinem Sand. Zur Verbesserung der Wasserqualität wurde stellenweise Falllaub eingebracht, in Form von getrockneten Blättern von Rotbuche und Walnussbaum.
Als Pflanzen dienen zwei große Büsche Javamoos, Vesicularia montagnei. Unter deren Rand, entweder direkt auf dem Sand oder etwas erhöht auf einem flachen Stein, liegen zwei 40 Millimeter lange, beidseitig offene PVC-Röhren mit 19 Millimetern Durchmesser. Wie sich zeigte, werden sie sehr gern als Aufenthalts- und Bruthöhlen genutzt. Ein einseitig verschlossenes Rohr wurde dagegen nur ungern angenommen.
Ein als „Hamburger Mattenfilter“ bekannter Flächenfilter sorgt mit Luftheber für eine gute Wasserqualität. Trotzdem erfolgt alle drei Tage ein Wasserwechsel von 30 Prozent. Gefüttert wird ausschließlich mit Lebendfutter, im Wechsel mit Wasserflöhen, schwarzen Mückenlarven sowie Grindalwürmern, Enchytraeus buchholzi. Unter diesen Bedingungen haben sich die Kleinen gut entwickelt.

Sensationeller Fund

Gefunden wurde die kleine Labyrinthfisch-Art 2025 von Cung Sph, einem Naturfreund und Zierfischliebhaber, in den flachen Wasserzonen der Flussausläufe der Annamitischen Berge in der Provinz Hue, nördlich des Wolkenpasses, in Zentralvietnam.
Die wissenschaftliche Beschreibung der Art wurde von Britz, Tan und ­Rüber als Nanosphronemus gemma am 24. Juli 2026 in Singapur veröffentlicht. Zuvor wurden die Fische unter Microsphronemus spec. Vietnam, Microparosphromenus sp. cungsphue beziehungsweise Vietosphronemus inopinatus gehandelt.

Männchen als Dauerbewohner

Eine der Röhren wird als Bruthöhle genutzt. Ein Männchen ist dort zum Dauerbewohner geworden. In kurzen Abständen, oft alle fünf bis sechs Tage, laicht es mit einem Weibchen ab. Ob es sich dabei immer um dasselbe Weibchen handelt, konnte ich bisher nicht feststellen. Die neu abgegebenen Eier werden häufig in das bereits vorhandene Nest mit der Brut der vorherigen Paarung platziert.
Das Weibchen ist im Vergleich zum Männchen etwas größer und erreicht schätzungsweise eine Totallänge von ungefähr 23 Millimetern. Die Paarung erfolgt in Bodennähe, außerhalb der Brutröhre. Das Anschwimmen zur labyrinthfischtypischen Umschlingung erfolgt meist sehr schnell und ohne vorheriges Balzen. Die Umschlingung selbst dauert knapp zwei Sekunden. Dabei umschlingt das Männchen das Weibchen. Die austretenden Eier fallen zunächst auf die Afterflosse des Männchens und nach dem Lösen der Umschlingung zu Boden. Anschließend sammelt das Männchen die Eier sofort ein und bringt sie in das Nest in der Brutröhre.
Das Nest besteht aus einer kleinen, bohnenförmigen, etwa ein bis eineinhalb Zentimeter großen Ansammlung von Luftblasen und Eiern an der Höhlendecke. Nur das Männchen besucht die Bruthöhle. Das Weibchen wartet mit Abstand vor der Röhre. Sobald das Männchen wieder aus dem Rohr kommt, kann es unmittelbar erneut zur Paarung kommen. Dabei werden meist zwei bis drei Eier abgegeben, selten mehr. Es handelt sich um Sinkeier.
Die gesamte Paarungszeit dauert zwei bis drei Stunden und findet überwiegend am Vormittag statt. Am Ende befinden sich schätzungsweise etwa 30 Eier im Nest. Danach übernimmt das Männchen allein die Brutpflege. Das Weibchen wird in der Nähe der Bruthöhle nicht mehr geduldet. Die kleinen, weißen Eier entwickeln sich langsam. Nach dem Schlüpfen der Embryonen nehmen sie eine dunkelgraue Färbung an. Das Männchen hält sich während dieser Zeit fast ständig im Rohr auf und pflegt die Brut. Dabei steht es häufig unter dem Nest und bewegt die Brustflossen rudernd, um eine leichte Wasserbewegung in der Brutröhre unter dem Nest zu erzeugen. Je nach Wassertemperatur im Aquarium ist dieses Verhalten unterschiedlich häufig zu beobachten.

Anspruchsvolle Fütterung

Eine Schwierigkeit stellt nach dem Aufschwimmen der Larven die Fütterung dar. Da die Larven sehr klein sind, benötigen sie lebendes „Staubfutter“, also kleinstes Lebendfutter. Das kann problematisch sein. Neben dem Aussieben von Futter aus der Regenwassertonne im Garten oder der künstlichen Zucht von Kleinstlebewesen über Zuchtansätze aus dem Zoofachhandel gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Die zur Verbesserung der Wasserqualität eingebrachten getrockneten Blätter von Rotbuche und Walnussbaum beginnen sich nach mehreren Tagen im Wasser zu zersetzen. Diese Zersetzung übernehmen Bakterien und Infusorien, die zugleich ein Kleinstfutter für Fischbrut darstellen. Dieses Angebot ist kein ausschließliches, aber ein unterstützendes Futter. Die aufschwimmenden Larven weiden die sich zersetzenden Blätter ab und finden dort erste Nahrung.