Mitglieder der Gen Z sind zwischen 1995 und 2010 geboren und gelten auch als „Digital Natives“. Der Umgang mit Social Media, und hier insbesondere mit den Plattformen Instagram und Tiktok, ist Teil ihres Alltages. Schnell neigt man daher dazu, der Gen Z zu unterstellen, sie habe kaum Bezug zur belebten Natur.
Aber dem ist nicht so – ganz im Gegenteil. Gibt man zum Beispiel auf Tiktok Schlagwörter wie „Nymphensittich“ oder „Wellensittich“ in die Suchfunktion ein, werden einem zahlreiche Videos von und mit jungen Menschen als Ergebnis angezeigt, die diese Vögel nicht nur halten, sondern sich auch ausgesprochen viele Gedanken zur Haltung dieser Tiere machen.
Digitales Detox
Es scheint, dass die jüngere Generation „Birding“ und Vogelpflege gezielt als Form des digitalen Detox nutzt, um einen Ausgleich zum stark digitalisierten Alltag zu schaffen. Mittlerweile ist bekannt, dass die Gen Z ein überdurchschnittlich hohes Interesse am Tierschutz und am Tierwohl hat.
Heimtiere werden regelmäßig als Familienmitglieder betrachtet, deren Wohlbefinden („Welfare“) ein wichtiger Bestandteil des Alltags ist. Laut Plant Based News machen sich über 90 Prozent der Gen Z Sorgen und Gedanken über das Wohl von Tieren und 48 Prozent der Gen Z machen keinen emotionalen Unterschied zwischen einem Kind und einem Heimtier. Für diese Generation gilt laut Forbes der Leitspruch: „Pets, not Products!“
Entsprechend hoch ist der Anspruch an Nachhaltigkeit und Produktqualität. Neben hochwertigen und verantwortungsvoll produzierten Artikeln investiert die Gen Z auch gezielt in Tiergesundheit, darunter gesunde Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel und Tierversicherungen, das hat die Pflege-Plattform Gravities Pet Supplies herausgefunden.
Gegen Einsamkeit und Angst
Die positiven Auswirkungen einer verantwortungsvollen Tierhaltung bleiben dabei auch der Gen Z nicht verborgen: So gaben laut dem Portal Vetdesk 91 Prozent der Gen-Z-Heimtierbesitzer an, dass ihre Heimtiere Stress abbauen und Gefühle von Einsamkeit und Angst mindern.
Die Gen Z verfolgt damit eine „Pet-First“-Mentalität und betrachtet Tierschutz als integralen Bestandteil ihrer Identität und einer ethischen Haltung. Gleichzeitig ist die Gen Z eine stark digital orientierte Generation, bei der Online-Shopping und Beratung im Internet zu ihrem selbstverständlichen Alltag dazugehören. Der direkte persönliche Kontakt kann von einigen Mitgliedern der Gen Z hierbei in Teilen sogar als unangenehm empfunden werden.
Entsprechend sensibel und situationsgerecht sollte daher mit dieser Klientel umgegangen werden. Beratung muss sinnhaft sein, denn ein Gen-Zler will verstehen, warum er dieses Produkt dort kaufen soll. Ist er jedoch einmal von einem Produkt oder einer Beratung überzeugt, gibt er seine Empfehlung digital schnell weiter und das auch zum Wohl des Händlers.
Allein und berufstätig
Immer mehr junge Menschen finden Sittiche und Papageien faszinierend. Ein Grund dafür liegt darin, dass Hunde für diese Personen häufig nicht in Frage kommen, wenn der berufstätige Halter allein lebt und sich tagsüber niemand um das Tier kümmern kann. Katzen sind zudem nur bedingt geeignet, da viele Tierliebhaber unter Katzenallergien leiden und der Charakter und das Verhalten nicht jedermanns Sache ist.
Ein kleiner Schwarm Sittiche ruht dagegen in sich und ist bei guter und sachkundiger Pflege eine wahre Freude. Ihr teilweise chaotisches Verhalten und ihre Lautgebungen sowie ihr niedliches Äußeres sprechen das Lebensgefühl dieser Generation an und machen sie zur idealen Gesellschaft in einer digitalen Welt.
Die Zielgruppe erreichen
Wie gelingt es also, diese Zielgruppe wirksam zu erreichen und auf ihre Wünsche und Erwartungen nachhaltig einzugehen? Gen-Zler informieren sich vor allem digital und durch Influencer. Um Mitglieder dieser Generation daher zielführend zu erreichen, empfiehlt es sich, diese auf den bevorzugten Plattformen wie Instagram und Tiktok anzusprechen. Schnell kann man dann Probleme und Defizite in den Haltungen erkennen und mit entsprechenden Beiträgen und Posts adressieren.
Auch die gesunde Fütterung ihrer gefiederten Lieblinge ist vielen Haltern ein ernstes Anliegen. Zoofachhändler sollten daher beim Angebot von Futtermischungen die Zusammensetzungen kennen. Mittlerweile ist bekannt, dass zum Beispiel Nymphensittichweibchen bei einem Energiewert über 3.000 Kilokalorien pro Kilogram Futter zum Dauereierlegen neigen. Reduziert man dagegen die Kalorienfracht auf 2.700 Kilokalorien pro Kilogram Futter, beruhigt sich der Hormonhaushalt und die Weibchen erholen sich wieder.
Natürliches Verhalten
Solche Informationen überzeugen Gen-Zler und sie erhalten sie kaum in den digitalen Medien. Foraging (deutsch: Futtersuche) und Beschäftigung ist für die Gen Z ebenfalls wichtig. Sie sind sich bewusst, dass die Tiere die Möglichkeit brauchen, ihr natürliches Verhalten auch in den heimischen vier Wänden praktizieren zu können.
Nagematerialien müssen weich und schnell zerstörbar sein. Spielzeuge aus Kork, Balsaholz und Sola sind gerade für Vögel mit kleinen Schnäbeln besonders gut geeignet. Damit die Tiere gut nagen können, muss das Nagematerial so angeboten werden, dass die Vögel einen Widerstand beim Nagen haben.
Für Papageien und Sittiche, die ihr Futter am Boden suchen, sollte eine gute Einstreu angeboten werden. Buchenholzgranulat ist ein Allrounder, aber auch grober Kies, in welchem der Halter Körner zum Suchen verstecken kann, ist geeignet. Um Infektionen zu vermeiden, muss der Einstreu gesäubert und häufig gewechselt werden.
Geeignete Pflanzen
Ein grünes Umfeld ist nicht nur für Halter, sondern auch für Vögel eine wahre Oase der Entspannung. Halter sollten daher darauf achten, ihren Vögeln geeignete Pflanzen und Grünzeug zum Knabbern anzubieten. Neben dem Kriechenden Schönpolster, besser bekannt unter der Markenbezeichnung „Golliwoog“, eignen sich auch Grünlilien und Katzengras, um den Tieren etwas Natur ins Haus zu bringen.
Fachhändler sollten Mitglieder der Gen Z gezielt ansprechen und beratend weiterhelfen. Sie sollten nach Bildern und Videos der Tiere und auch nach deren Namen fragen, denn Individualität ist dieser Generation wichtig. Die Händler können diese Kunden um Rückmeldung bitten, wenn sie ein Produkt empfehlen und wenn Videos und Bilder davon auf Instagram und Tiktok geteilt werden. Die können dann vom Händler ebenfalls geteilt werden.
Der Handel sollte lernen, genauso digital zu denken wie der Kunde. Nur dann kann er die neue Generation von Heimtierhaltern effektiv erreichen und das gleichzeitig auch zum Wohle der Tiere.