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Gimborn : „So viele Neuigkeiten, wie nie zuvor“

Gimborn-Geschäftsführer Jordi Queralt spricht im zza-Interview über die Vorbereitung auf die Interzoo, seine Erwartung und die Zukunft.

zza: Die Interzoo rückt näher und bei allen Unternehmen, die mit dabei sind, steigt die Spannung. Wo steht Gimborn in den Vorbereitungen?

Jordi Queralt: Wir arbeiten aktuell an der Feinplanung des Messeauftritts. Dazu gehören unter anderem die Abstimmung von Produktpräsentationen, Innovationsschwerpunkte, Kommunikationskonzepte sowie die gesamte organisatorische Planung rund um die Themen Stand-Design, Logistik, und natürlich – für mich fast das Wichtigste – die Teamzusammenstellung. Parallel laufen dann auch eine ganze Menge Vorbereitungen bezüglich Networking-Formaten, weil das für uns ja auch eine Riesenchance ist. Zusammenfassend kann man sagen, sind wir dabei, unsere Sichtbarkeit optimal vorzubereiten, strategische Themen noch weiter zu schärfen wo notwendig und alle operativen Schritte zu finalisieren, damit wir dann im Mai bestmöglich aufgestellt sind.

zza: Wie ist das in der Agenda, ist man immer zu spät dran und hat das Gefühl: Oh Gott, der Termin rückt immer näher?

Queralt: Nein, überhaupt nicht. Und deshalb bin ich auch sehr stolz auf mein Team. Wir haben eine Mannschaft, die weitestgehend schon die letzte Interzoo vorbereitet hat, und wir verändern am Stand auch nicht allzu viel. Wir haben sehr früh angefangen mit den Vorbereitungen. Deswegen sind die meisten Sachen auch schon eingetütet und es geht jetzt um letzte Details. Also, ich glaube, die Interzoo ist einfach zu groß und auch zu wichtig. Wenn man dort ernsthaft einen guten Auftritt haben will, muss man das auch frühzeitig anfangen vorzubereiten. Am Ende kann in den letzten Tagen immer noch etwas auf einen zukommen, aber ich glaube, wir sind sehr gut unterwegs. Das sehe ich recht entspannt.

„Man muss Geduld haben“

zza: Mitte des vergangenen Jahres ist Gimborn ins Nassvollfutter-Segment eingestiegen und hat ein Futter für Katzen auf dem Markt gebracht? Wie läuft es damit?

Queralt: Der Einstieg ins Nassfutter-Segment war für uns ein wichtiger strategischer Schritt, weil wir uns seit 2022 eigentlich wirklich erst auf die Katze fokussiert haben. Und das Nassfutter ist ja, egal welches Land du dir letztendlich anschaust, sehr bedeutend. Wir haben, wenn man sich unsere Zahlen anschaut, immer eine sehr untergeordnete Rolle dort gespielt. Wir haben den Einstieg gewagt und sind damit wirklich sehr zufrieden. Seit dem Launch im vergangenen Jahr haben wir sehr viele nationale wie auch internationale Kunden für die Produkte begeistern können und haben damit auch eine kontinuierlich steigende Nachfrage.

Aber man muss auch eine gewisse Geduld haben und darf keine Wunder erwarten. Es läuft sehr gut, die ersten Abverkaufszahlen sind äußerst positiv und die bestätigen auch, dass unser Konzept durchaus den Nerv der Katzenhalter und natürlich auch der Katzen getroffen hat. Die Akzeptanz, was wir auch in den Online-Rezensionen sehen, ist wirklich außergewöhnlich gut. Dementsprechend sehen wir auch weiterhin Potenzial im Ausbau dieses Segments.

zza: Sind in diese Richtung weitere Schritte geplant, zum Beispiel für den Hund?

Queralt: Tatsächlich nicht, wir setzen einen ganz klaren Fokus auf die Katze. Und daher verfolgen wir auch mit unseren beiden starken Marken in diesem Bereich die Strategie, uns eben auf unsere Kernkompetenzen zu fokussieren, auf die lange Expertise, die wir mitbringen. Und die liegt im Wesentlichen in den Bereichen Streu und Futter sowie hochqualitative Snacks für Katzen. Das wird uns in Zukunft bei allen Produkten und Innovationen auch weiterhin begleiten. Wir wollen das Wohlergehen der Katze und der Katzenhalter in den Mittelpunkt stellen. Natürlich gehört es für ein Unternehmen, wie wir es sind, dazu, permanent innovativ auf dem Markt unterwegs zu sein. Da würde ich jetzt aber ungern zu viel verraten wollen.

Innovation im Bereich Streu

zza: Was werden Sie auf der Interzoo präsentieren? Können Sie schon einen kleinen Vorgeschmack liefern, ohne mögliche Überraschungen zu verderben?

Queralt: Wir werden im Bereich Streu eine große Innovation haben, aber auch im Bereich der Snacks. Wir haben zum Beispiel mit der neuen „Nutri Bites“-Range Geschmacksspaß und Funktion auf eine sehr individuelle Art und Weise kombiniert. Wir haben auch im Bereich der Liquid-Snacks ein paar neue Produkte, die wir zeigen werden, sowie Toppings. Auch bei dem Pasten zeigen wir seit längerer Zeit ein paar neue Produkte und es gibt eine weitere Neuigkeit im Bereich der funktionalen Snacks.

Wir führen außerdem eine komplett neue Range im Bereich der organischen Katzenstreu ein. Der Bereich der organischen Streu ist einer, der vergleichsweise jung, aber ein sehr stark wachsendes Segment ist. Wir haben uns entschlossen, mit einem noch breiteren Sortiment in dieses Segment zu gehen, unter anderem mit Pflanzenfasern oder auch weiteren Produkten. Wir möchten dieses Segment nach und nach für uns erobern.

zza: Die Interzoo ist die Weltleitmesse und eine fantastische Gelegenheit, internationale Kontakte zu knüpfen. In welchen Märkten sehen Sie die größten Potenziale für Ihre Produkte?

Queralt: Tatsächlich sehe ich das Kernpotenzial bei uns immer noch in Europa als stabiler Hauptmarkt. Hier gibt es sicherlich Märkte, wo wir sehr gut vertreten sind, aber es gibt durchaus auch einige, wo wir Potenziale haben, weil wir da im Vergleich zur Marktgröße unterrepräsentiert sind. Dazu gehören zum Beispiel Frankreich, Spanien, aber auch weite Teile Osteuropas.

Unter all den anderen Märkten bieten aus unserer Sicht Indien, der mittlere Osten oder Lateinamerika langfristige Wachstumschancen. Dort müssen wir aber zum Teil noch zielgerichtete Markteintrittsstrategien definieren. In dem ein oder anderen Markt sind wir schon erste Schritte gegangen, aber neue Märkte zu erschließen erfordert neben Mut und den richtigen Partnern eben auch eine gewisse Geduld.

„Interzoo immer schon ein Highlight“

zza: Mit welchen weiteren Erwartungen fahren Sie nach Nürnberg?

Queralt: Also zunächst muss ich einmal die Interzoo loben und das kommt wirklich von Herzen. Die Interzoo war für uns immer schon ein Highlight. Es ist eine sehr gut organisierte und inspirierende Messe. Das ist, wenn man ein paar andere Messen auch besucht hat, nicht immer gottgegeben. Die Interzoo ist ein wichtiges Branchenereignis und der Ort, wo sich die ganze Welt der Branche trifft. Das hat man ja auch nicht so oft. Dort hat man die Chance, Innovationen sichtbar zu machen, neue Chancen zu entdecken oder neue Lieferanten und Segmente aufzuspüren.

Das Thema organische Streu haben wir auch vor zwei Jahren bei der Interzoo für uns neu entdeckt. Und es ist auch für unsere Kunden die wichtigste Leitmesse. Wir haben in diesem Jahr so viele Neuigkeiten, wie nie zuvor, und wir sind stolz, sie zu präsentieren. Die Produkte sind sozusagen der faktische Teil, aber es gibt natürlich auch den emotionalen Teil der Messe, die ganzen Kontakte zu und Impulse von anderen Menschen, die man dort trifft.

Sich im direkten Austausch inspirieren und motivieren zu lassen, ist für mein Team und mich persönlich immer etwas, was wir bei der Interzoo ganz toll finden. Das ist eben etwas, was man auch zum Teil gar nicht erwarten kann. Wenn du deine Produkte zeigst, weißt du, was du zeigst, und da hast du sicherlich eine gewisse Erwartung. Aber es gibt immer gute Überraschungen, wen man so trifft, welche Gespräche man führt oder welche Kontakte man knüpft. Das finde ich immer sehr spannend.

Gerade auch so Formate wie die Fresh Ideas Stage machen ja deutlich, wie sehr die Branche nach neuen Lösungen und kreativen Ansätzen sucht. Das ist sicherlich dieses Jahr noch wichtiger als je zuvor, weil wir ja seit anderthalb Jahren aufgrund der weltweiten schwierigen Konstellation eine Situation haben, die die Branche nicht so kennt, nämlich dass sie zwar wächst, aber nicht mehr so stark wie sie es die Jahre zuvor getan hat. Das sorgt auch dafür, dass neue kreative Ansätze gesucht werden.

Gelungener Umschwung

zza: Gimborn hat vor etwa sechs Jahren eine schwierige Phase durchgemacht. Wie ist der Umschwung gelungen?

Queralt: Wir hatten in der Tat eine extrem schwierige Phase im Jahr 2020 und sind dann in den Jahren 2021 und 2022 durch eine harte, aber erfolgreiche Restrukturierung gelaufen. In der Zeit sind wir parallel schon angefangen, die neue Unternehmensstrategie, die wir heute noch haben, zu definieren. So sind wir letztendlich wieder in die Erfolgsspur gekommen.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass uns damals die Marktentwicklung in der Corona-Zeit geholfen hat. Da hatten wir viel Rückenwind. Heute ist es ja eher das Gegenteil. Hinzu kam die ununterbrochen erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kunden, Distributoren und Lieferanten. Und vor allem, das möchte ich auch an der Stelle noch mal hervorheben, die Leidenschaft und Power des gesamten Gimborn-Teams, auf das ich wirklich sehr, sehr stolz bin. Die haben im Wesentlichen dazu beigetragen, dass wir da wieder rausgekommen sind und dann wirklich eine schöne Erfolgsstory in den letzten Jahren hingelegt haben.

zza: Welche Ziele setzen Sie sich für die kommenden Jahre und wie wollen Sie diese erreichen?

Queralt: Wir leben in einer Welt, die uns täglich vor neue Herausforderungen stellt. Wir haben makroökonomisch eine ganz schwierige Konstellation, politisch auch eine sehr volatile und das betrifft natürlich auch unsere Branche. Trotzdem sage ich, haben wir Glück, uns in dieser Branche zu befinden, weil sie immer noch wächst, aber eben nicht mehr so wie vor einiger Zeit.

Das Ziel eines jeden Unternehmens, wie auch unseres, ist es, weiterhin zu wachsen, idealerweise über dem Markt. Wir haben ein starkes Basisgeschäft, eine Kernkompetenz, tolle Kunden und wir haben auch klare Kernmärkte, die einfach mal die Basis von dem Ganzen legen und die auch weiterwachsen, wenn vielleicht auch nicht so stark wie in der Vergangenheit.

Weitere Impulse erwarte ich aus drei Bereichen: Zum einen die geographische Expansion in bestimmte Märkte, wo wir entweder gar nicht oder nur schwach vertreten sind. Der zweite Bereich sind Innovationen, etwa beim nächsten Supplement sowie der Bentonit-Streu. Und der dritte ist eben der Ausbau dieser zarten Pflanzen organische Streu und Nassfutter, wo kluge Schachzüge und sicherlich auch etwas Geduld erforderlich sind.

Dominic Heitz