Auf einem Dorf in Niedersachsen wurde ich zu einer Kuh mit Euterentzündung gerufen. Nachdem sie ordnungsgemäß behandelt worden war, bemerkte ich beim Händewaschen in der Küche, dass dort eine Hündin mit Wehenschwäche lag. Die Geburt klappte offenbar nicht. Das Tier brauchte mich. Nach einer ergebnislosen Wehenspritze machte ich mich kurzerhand an einen Kaiserschnitt; bei einer Hündin keine große Sache – aber Ende 1965 immerhin eine Besonderheit.
Um den OP-Tisch, der vorher als Küchentisch gedient hatte, sammelten sich aufgeregte und mich rückhaltlos bewundernde Nachbarn. Nein, so etwas hatten sie ja noch nie gesehen und gehört! Einem Hund den Bauch aufschneiden und die Welpen herausholen, nein, so etwas!
Tierärztliche „Wunderleistungen“ bei Kühen und Schweinen, ja, das kannte man ja. Aber bei einer Hündin? Und alles wieder zunähen? Die Welt war doch voller Wunder. Mein Ruhm stieg ins Unermessliche.
Am Rande bemerkt: Diese Tat wurde als Kabinettstück gewertet und mein „Ruhm“ als Tierarzt für das gesamte Tierreich gefestigt. Was hätten die Bauern wohl gesagt, wenn man ihnen erklärt hätte, dass es einmal fachtierärzte für Bienen (!) geben würde!