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Kurioses aus dem Tierarzt-Alltag: Komischer Hund?

Hund schläft
Wenn der Hund sich versteckt, hat auch der Tierarzt Dr. Spangenberg keine Chance, ihn zu untersuchen.

Als junger Tierarzt machte ich eine Praxisvertretung in Hochheim am Main. Mitten in die Zusammenstellung der Nachmittagstour platzte der Anruf einer aufgeregten Frau: „Sie müssen sofort zu meinem Hund kommen, aber bitte schnell!“ Na, ein Eilbesuch hat immer Vorrang, also los.

Als ich klingelte, erhob sich in der Wohnung wütendes Hundegebell. Als mir die Frau die Tür öffnete, flitzte ein mittelgroßer Hund unter hysterischem Kläffen an mir vorbei und unter ein Sofa. Dort steigerte sich das Gebelle; die Frau und ich konnten uns hinfort nur noch schreiend unterhalten und kaum noch verstehen.

„Was hat er denn, weshalb soll ich ihm helfen?“ – „Ich weiß nicht, er war so komisch!“ – „Holen Sie ihn doch mal unter dem Sofa hervor, damit ich ihn untersuchen kann.“ – „Er lässt sich nicht anfassen, ich hole mal ein Stückchen Wurst, vielleicht kommt er dann raus.“ – „Das wird nicht klappen, bringen Sie doch mal einen Besen, dann schieben wir ihn heraus!“ – „Nein, da könnte man ihn doch verletzen!“ – „Hatte er denn einen Unfall?“ – „Meinen Sie einen Unfall, hat er sich dabei etwa weh getan?“ – „Weiß ich nicht, haben Sie denn etwas gesehen?“ – „Wieso, nein, er war nur auf einmal so komisch.“

 

Zugegeben, ich war ratlos. „Komisch“ konnte ja allerlei bedeuten. Schlimm schien es nicht zu sein. Immerhin konnte der Hund ja noch laufen und kläffen sowieso. Meine diagnostischen Fähigkeiten stießen an ihre Grenzen. Nach kurzem Nachdenken schrieb ich ihr ein Rezept über eine Lebertransalbe. Die möge sie ihm auf eine eventuell verletzte Stelle auftragen, der Patient könne die Salbe – Vitamin A-haltig – auch ruhig ablecken.

Dann verließ ich diese Stätte meines tierärztlichen Versagens und ließ eine ratlose, aufgeregte Frau und einen ebenso aufgeregten und ständig weiter kläffenden Hund zurück.