zza: Herr Dr. Steffel, viele Abgeordnete des Deutschen Bundestages sind Heimtierhalter. Sie auch?
Frank Steffel: Für Heimtiere braucht man Zeit für Fürsorge und Pflege. Meine beiden Kinder (4 und 8 Jahre alt) wünschen sich ein Heimtier zum Streicheln. Aber was wir damit im Urlaub und an den Wochenenden tun, wenn wir unterwegs sind, darüber machen sie sich natürlich keine Gedanken. Daher nutzen wir eher den Berliner Zoo, Streichelzoos oder gehen in den benachbarten schönen Tegeler Forst, um Rehe zu beobachten.
Das Politikfeld Tierhaltung ist Ihnen trotzdem ein Anliegen?
Der verantwortungsvollen und artgerechten Haltung von Tieren ist wichtig. Alles andere ist Tierquälerei und das ärgert mich. Daher habe ich mich vor einiger Zeit für ein Verbot der Kutschfahrten im Innerstädtischen Straßenverkehr eingesetzt. Was den Pferden im Stadtverkehr zugemutet wird, grenzt an Tierquälerei. Alternativ könnte man Kutschfahrten in Zukunft durch den Tiergarten anbieten. Das ist in vielen Metropolen dieser Welt schon Gang und Gäbe. Der Tiergarten hat breite Wege, keinen Lärm und bietet den Tieren im Sommer ausreichend Schatten.
Beschäftigen Sie als Berliner Abgeordneter Konflikte, die sich aus dem Zusammenleben von Menschen und Tieren in der Großstadt ergeben können?
Ich bin als Bundestagsabgeordneter unter dem Motto „direkt gewählt, direkt erreichbar“ über die viele Kanäle für alle Reinickendorferinnen und Reinickendorfer erreichbar. Daher landen auch diese Themen bei mir. Das fängt beim Ärger über Hundekot auf den Straßen an und endet bei der Begeisterung über die Wasserbüffel, die wir im Tegeler Fließ angesiedelt haben. Eine Großstadt hat so viele Möglichkeiten für ein Miteinander von Mensch und Tier, es sollte nur alles zueinander passen und auch die Interessen aller Betroffenen und Beteiligten berücksichtigt werden.
Unabhängig vom notwendigen Regelungsbedarf bei der Tierhaltung besonders in den Großstädten sehen sich Heimtierhalter oft einem starken Regelungsdruck ausgesetzt. Ist die Verrechtlichung unserer Lebensbedingungen stets notwendig?
Regelungsbedarf entsteht immer dann, wenn die Interessen einer Gruppe keine ausreichende Beachtung finden, weil sie ihre Interessen aus diversen Gründen nicht Ausdruck verleihen kann. Ein exotisches Tier von einer subtropischen Insel kann nicht sagen, dass es in einem kleinen Terrarium nicht gut aufgehoben ist. Falsch verstandene Fürsorge, Leidenschaft oder Besitzerinstinkt sind die Basis für diese Regelungen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die meisten Tierhalter verantwortungsbewusst mit ihren Schützlingen umgehen und selbst großen Wert auf artgerechte Haltung legen.
Welche Tiere faszinieren Sie am meisten?
Tiere sind generell faszinierend. Die schlauen mag ich besonders, wie z.B. den Fuchs, der nicht nur das Wappen meines Heimatbezirkes Reinickendorf ziert, sondern auch das Wappentier unserer Handball-Füchse, dessen Präsident ich seit elf Jahren bin. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich unsere Füchse in dieser Zeit entwickelt haben. Sie sind wachsam, haben ein ausgezeichnetes Reaktionsvermögen und eine gute Lernfähigkeit. Das sind Füchse-Tugenden.
Zur Person
Frank Steffel ist ein „echter Berliner“: 1966 dort geboren, gewann er 2009 und 2013 jeweils das Direktmandat in seinem Wahlkreis Berlin-Reinickendorf für den Deutschen Bundestag. Er ist Präsident des Sportvereins Füchse Berlin Reinickendorf und Vorsitzender des Beirats der Füchse Berlin Handball Vermarktungsgesellschaft mbH.
Nach dem Abitur 1984 studierte Steffel Wirtschaftswissenschaft an der FU Berlin (Abschluss als Diplom-Kaufmann ab) und promovierte 1999 über Bedeutung und Entwicklung der Unternehmer in den neuen Bundesländern nach der deutschen Einheit 1990. Bis 2015 war er Inhaber der Steffel-Unternehmensgruppe mit Sitz in Berlin; seine Geschäftsanteile veräußerte er, um sich u.a. seinem Bundestagsmandat intensiver widmen zu können.
Seit 1983 CDU-Mitglied, war Frank Steffel von 1985 bis 1991 Vorsitzender der Jungen Union in Berlin-Reinickendorf und von 1989 bis 1991 Mitglied des Landesvorstandes der CDU Berlin. Seit 2001 ist er Vorsitzender der CDU in Reinickendorf. Von 1991 bis 2009 war er Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, u.a. als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Fraktionsvorsitzender. 2013 wurde er erneut zum stellvertretenden CDU-Landeschef gewählt. Zu seinen Mitgliedschaften und Ämtern im Deutschen Bundestag gehören: Obmann im Sportausschuss, ordentliches Mitglied in den Ausschüssen Sport und Finanzen sowie stellvertretendes Mitglied im Unterausschuss "Bürgerschaftliches Engagement".
aus zza 11/2016