Der Bach-Ma-Nationalpark mit seinen Höhenzügen ermöglicht als Ausläufer des Truong-Son-Gebirges über den Wolkenpass – den Deo Hai Van – in knapp 500 Metern Höhe, küstennah von Nord nach Süd zu reisen. Hier trennt sich in Zentralvietnam das subtropische Nordvietnam vom tropischen Süden des Landes.
Vietnam ist Lebensraum zahlreicher Makropoden- Arten, deren Vorkommen besonders in Zentralvietnam interessant ist. Drei unterschiedliche Arten sollen hier besprochen werden, die bisher als nur zwei Arten behandelt wurden: Macropodus opercularis, eine Labyrinthfischart aus China, die schon 1758 von Carl von Linné als Labrus opercularis beschrieben wurde, sowie Macropodus spechti aus Zentralvietnam – längere Zeit auch als Macropodus concolor bezeichnet. Beide Arten sollten unter neuen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Interessant gefärbt
Macropodus opercularis wurde im Areal der Ortschaft Nam in den südlichen Ausläufern der Bach-Ma-Berge in der Provinz Da Nang aufgesammelt. Diese Tiere sind sehr interessant gefärbt und gezeichnet, unterscheiden sich jedoch im Aussehen von den Nord-opercularis aus China. Eine zweite Variante, die weniger auffällig gefärbt sein soll, kommt aus dem Areal von Tam Ky, rund 60 Kilometer südlich von Da Nang – also weit südlich vom Wolkenpass in der Provinz Quang Nam.
Inwieweit diese zentralvietnamesischen opercularis mit den vier 2005 von vietnamesischen Wissenschaftlern aus Nordvietnam beschriebenen Arten möglicherweise identisch sind, bleibt aufgrund fehlenden Vergleichsmaterials eine offene Frage. Klarer ist die Situation bei Macropodus spechti. Die Schwarzen Makropoden wurden bereits von Schaller 2004 in zwei Arten aufgeteilt. Er zweifelte nicht nur an der Zugehörigkeit der Macropodus opercularis aus den südlichen Verbreitungsgebieten zu den bekannten Arten aus dem Norden, sondern beschrieb auch Unterschiede bei Macropodus spechti aus dem Nordverbreitungsgebiet des Wolkenpasses – rund um die alte Kaiserstadt Hue.
Beim alten Kaiserpalast
Dort leben die Tiere in den großen Seen auf dem Gelände des alten Kaiserpalastes, im Areal des Grabes von Kaiser Minh Mang südwestlich von Hue, im Parfümfluss Sông Huong sowie in den weitläufigen Schwemmlandfeldern zwischen Hue und den nördlichen Ausläufern der Bach-Ma-Berge. Schaller bezeichnet diese Tiere als die Nord-Schwarzen Makropoden. Die südlich vom Wolkenpass, von Da Nang bis Tam Ky an der Küste lebenden Makropoden bezeichnet er entsprechend als Süd-Schwarze Makropoden.
In den vergangenen Jahren waren lebende Vergleichstiere aus dem Süden selten verfügbar – und wenn, wurden sie schlicht „wie die Schwarzen aus dem Norden“ bezeichnet. Bildliche Dokumentationen standen überwiegend als Feldmaterial in Schwarzweiß oder nur von konserviertem Material zur Verfügung. Alle in diesem Areal gefangenen Fische wurden deshalb meist ohne genaue Prüfung als Macropodus spechti (concolor) bezeichnet.
Intensive Recherche
Heute wissen wir dank der gelungenen Einfuhr lebender Fische über Herbert Nigl vom Aquarium Dietzenbach und dessen intensiver Recherchen zur Herkunft der importierten Tiere, dass es sich um Süd-Schwarze Makropoden aus dem südlichen Da-Nang-Areal handelt.
Eine Abbildung in der richtungweisenden Revisionsarbeit von Herder und Freyhof (2002) zeigt laut Bildunterschrift einen Macropodus spechti aus dem Gebiet von Thanh My – einem Ort rund 30 Kilometer westlich der kleinen Küstenstadt Hoi An, südlich von Da Nang – also ebenfalls einen Süd-Schwarzen Makropoden.
Diese Fische sind im männlichen Geschlecht höher gewachsen und besitzen eine groß ausgebildete, aber nicht filigrane Gabelschwanzflosse. Die Körperfärbung ist nur wenig dunkel, verschiedentlich bronzefarben bis gelblich; die unpaaren Flossen sind rosa bis rot, bei einzelnen Tieren auch gelb. Weiße Flossenumrandungen, wie sie bei den Nord- Schwarzen zu beobachten sind, zeigen sich nur schwach oder gar nicht.
Insgesamt unterscheiden sich diese Tiere merklich in Körperform und Färbung von den Nord-Schwarzen Makropoden. Man kann bei den Süd-Schwarzen demnach von einer gegenüber Macropodus spechti eigenständigen Art sprechen. Das bedeutet: Bei den Wolkenpass-Makropoden handelt es sich um drei Arten: Die Nord-Schwarzen Makropoden, die seit Schreitmüller 1936 den Namen Macropodus spechti tragen, Macropodus spec. affin. opercularis aus Quang Nam im südlichen Areal des Wolkenpasses sowie die bisher als Süd-Schwarze Makropoden bezeichneten Macropodus spec. aus dem Da-Nang-Areal.