Nach den Erhebungen der Weltnaturschutzunion IUCN ist inzwischen jede achte bis siebte der weltweit rund 10.000 vorkommenden Vogelarten im Fortbestand bedroht. Rund 50 Prozent der Arten sind als mehr oder weniger gefährdet in den „Roten Listen“ eingestuft. Weltweit weiten sich Bestandsrückgänge nach wie vor weiter aus und übertreffen Stabilisierungen von Beständen oder gar Umkehrungen zu Bestandszunahmen. Dieser sich z.T. rapide beschleunigende Rückgang von Vögeln etwa in tropischen Regenwaldgebieten, aber gerade auch in intensiv betriebenen landwirtschaftlichen Nutzflächen ist in absehbarer Zeit we- der durch „Biotopgestaltung“, Renaturierungsmaßnahmen oder dergleichen aufzuhalten oder gar umzukehren. Er wird sich auch durch Zufütterung nicht generell beheben lassen. Da aber die Lebensraumverschlechterung auf Fel- dern, Wiesen, in Obstgärten, Weinbergen, Stadtparks, an Straßen- und Weg- rändern und ganz besonders auch in unseren Hausgärten auf sehr stark verminderter Nahrungsgrundlage beruht, verursacht durch alle möglichen „Ausräumaktionen“, vermag die Zufütterung von Vögeln sehr viel zu helfen. Und hier könnte der Zoofachhandel seine Unverzichtbarkeit in den Fokus der Öffentlichkeit bringen.
Warum sollte es dem engagierten Zoofachhändler nicht gelingen, z.B. in Verbindung mit der Stadt, der Kommune oder auch der kleineren Landgemeinde, an einem Feldgehölz, Waldrand oder ähnlichem einen „Vogelschutzgarten“ für die Ganzjahresfütterung einzurichten, in dem Wildvögel mit Futter, Wasserstellen, Nistkästen u. a. geschützt versorgt werden können? So manche Stadt/Kommune/Gemeinde würde hierfür sicher ein Grundstück zur Verfügung stellen, das dann idealerweise von einer Gruppe von Vogelfreunden unterhalten und gepflegt werden sollte. Ein Ansitz zum Beobachten und Fotografieren könnte zudem die Ausbildung Jugendlicher fördern und solchen kleinen „Vogelschutzgärten mit Fütterung“ zu großer Bedeutung verhelfen. Dort könnten sich jeweils aus der näheren und weiteren Umgebung hunderte von Meisen, Ammern, Finkenvögel, Drosseln, Stare in Notzeiten auch (wie früher) Lerchen, sowie kleinere Weichfresser wie Zaunkönig, Goldhähnchen und viele andere Wildvögel teilweise mit ernähren. Ebenso ließen sich natürlich in größe- ren Gemeinden bis hin zu Großstadtbereichen mit entsprechend vielen Futterstellen bestimmte Vogelpopulationen rasch wieder aufbauen. Und das würde sich auch „rechnen“. In einer sorgfältigen Studie von führenden Meisenforschern ist gezeigt worden: Schon drei Kohlmeisen-Brutpaare können mit ihren Bruten auf einem Hektar ökologisch betriebener Apfelbaumanlage 23 – 49 % der „Schädlings“-Raupen vertilgen. Wenn sich Kohlmeisenbestände durch Zufütterung steigern lassen, eröffnen sich Möglichkeiten für den biologisch-dynamischen Obstbau und die Reduktion von Spritzmitteln. Durch solche Aktionen – initiiert durch den Zoofachhändler vor Ort – könnten die Vogelbestände insgesamt wieder deutlich ansteigen und der Zoofachhändler wäre bei alldem kompetenter Ansprechpartner und Lieferant für Futter, Nisthöhlen, Vogeltränken sowie Futterautomaten das ganze Jahr hindurch, was die Wichtigkeit und die Unentbehrlichkeit des Zoofachhandels vor Ort deutlich unterstreichen würde.
Fakten zur Ganzjahresfütterung liefert das Buch „Vögel füttern – aber richtig“ von Prof. Dr. Peter Berthold und Gabriele Mohr, Seite 70 – 71, Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart.