Denn wer versteht, wie Katzen wirklich spielen, berät kompetenter und kurbelt gezielt den Zusatzverkauf an. Im Fachgeschäft gehört es zum Alltag, dass Katzenhalter von ihren Herausforderungen mit ihrer Katze berichten. Unruhe, nächtliches Miauen, Aggressivität oder Übergewicht sind keine Seltenheit. Oft steht sogar die Aussage im Raum: „Meine Katze spielt einfach nicht.“
Hier kann der Handel als lösungsorientierter Partner ansetzen. Durch gezieltes Nachfragen lässt sich schnell ermitteln, wo die Ursachen liegen. Meist fehlt es nicht am Spieltrieb, sondern am Wissen über das Jagdverhalten der Katze und somit das richtige Spielen. Ein fundiertes Beratungsgespräch schützt vor frustrierenden Fehlkäufen, sichert das Vertrauen und führt zu passgenauen Produktempfehlungen. Ein Gewinn für Katzenhalter, Händler und Tierwohl.
Jagd als Instinkt
Jagen gehört zur Katze wie die Luft zum Atmen. Es ist ihre Natur, ihr Instinkt, ihr (Über-)Leben. Freilebende Katzen verbringen einen Großteil des Tages mit der Jagd. Wohnungskatzen fehlt diese natürliche mentale und körperliche Auslastung oft völlig, wenn kein alternatives Jagdspiel angeboten wird. So staut sich immer weiter überschüssige Energie an.
Die Folgen reichen von Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Resignation und Depressivität. Spielen ist für die Katze folglich kein Zeitvertreib, sondern notwendiger Stressabbau und Gesundheitsvorsorge. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Jagdsequenz mit den passenden Produkten nachzustellen.
Fangen: Erkunden, Auflauern, Beobachten, Anpirschen, Fixieren, Jagen – dieser vermeintlich passive Teil gehört bereits zum Spiel. Er erfordert höchste Konzentration und Anspannung, die sich schlagartig durch den Sprung entlädt. Geeignete Produkte: Lange Katzenangeln (zirka ein Meter) mit wechselbaren Anhängern je nach Beutevorliebe der Katze.
Töten: Packen, Beißen, Ablecken, Treten, Spielen mit der Beute – in dieser Phase bearbeitet die Katze ihre Beute mit Maul und Hinterpfoten. Manchmal lässt sie die Beute kurz los, um sie direkt erneut zu fangen. Geeignete Produkte: Duftspielzeuge mit Katzenminze, Baldrian oder unbehandelte Echtfelle.
Verzehren: Fressen, Vergraben – der Abschluss einer erfolgreichen Jagd. Durch das Fressen wird die Jagd positiv abgeschlossen. Generell gilt: Für Futter darf immer gearbeitet werden. Geeignete Produkte: Fummelbretter, Futterbälle, Schleckmatten und Intelligenzspielzeuge. Wenn die Katze am Ende des Spiels physisch Beute gemacht hat und belohnt wird, entsteht Zufriedenheit. Bleibt der Erfolg aus, wie oft bei Laserpointern, entsteht Frustration.
Ältere Katzen nutzen ihre Erfahrung
So wie sich das Jagdverhalten mit dem Alter verändert, variieren auch die Beutepräferenzen bei Katzen. Kitten reagieren unbedacht auf fast jede Bewegung, springen, hüpfen und rennen hinterher. Das ist meist auch das Bild, das die meisten Tierbesitzer vom Spielen im Kopf haben. Erwachsene und ältere Katzen nutzen dagegen ihre Erfahrung. Sie beobachten und lauern länger, pirschen sich lautlos an und schlagen gezielt zu.
Ein viel größerer Teil als das reine Hinterherrennen ist der für Katzenbesitzer oft langweilige und unscheinbare Part des Beobachtens und Lauerns. Dabei wird leicht übersehen, dass dies für die Katze genauso wichtig ist.
Auch beim Beuteschema hat jede Katze ihre Vorliebe. Die einen mögen es, kleinen Fellringen hinterherzujagen, andere lieben es, wenn sich die Beute wie ein Vogel durch die Luft bewegt und wieder andere ziehen eine Maus vor, die über den Boden krabbelt. Ferner kann auch die Größe des Beutetiers ein entscheidender Faktor sein. Generell gilt: Die Beute muss kleiner sein als die Katze selbst sein, alles andere wird als Bedrohung wahrgenommen.
Lebensnahe Beute
Die meisten Katzen bevorzugen lebensnahe Beutetiere mit Struktur wie zum Beispiel Fell, Sisal oder Papier. Auch der Geruch sowie das Geräusch der Beute lösen sofort den Jagdinstinkt aus. Die Farbe ist Katzen hingegen egal. Vielmehr macht der optische Kontrast zur Umgebung den Unterschied.
Wichtig für das Verkaufsgespräch: Zoofachhändlerinnen und -händler sollten ihre Kunden ermutigen, verschiedene Beutetiere und Materialien systematisch auszuprobieren und Beute naturnah darzustellen. Neugier und Experimentierfreude sind an dieser Stelle maßgeblich, um die individuell präferierte Beute zu finden.
Das kann am Anfang gegebenenfalls dazu führen, dass nicht jedes gekaufte Spielzeug angenommen wird. Doch die gewonnene Erfahrung zahlt sich aus. Das Wohlbefinden der Katze steigt durch ein artgerechtes Jagdspiel und beim nächsten Einkauf kann ganz gezielt gewählt werden.
Jessica Jungmann