Die leider seltene Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) hat sich an unsere teilweise raue Witterung angepasst. Sie lässt sich als Unterart relativ problemlos mit Hauskatzen kreuzen, doch sie und ihre Kreuzungen sind als Haustiere völlig ungeeignet. Sie wird nicht zahm, ist scheu und flieht vor Menschen. Der Urahn unserer Hauskatze ist die Nubische Falbkatze (Felis silvestris lybica), die auch heute noch in Mesopotamien, Palästina, Nordarabien und auf dem ganzen afrikanischen Kontinent vorkommt. Also nicht vergessen, unsere Stubentiger (Felis silvestris f. catus) sind von Natur aus Wüstentiere und an heißes Klima gewöhnt. Und denen muten wir unseren Winter mit Kälte, Eis und Schnee zu. Leiden sie unter diesen Bedingungen nicht entsetzlich?
Das könnte man vermuten und tatsächlich lieben Hauskatzen die Wärme, halten sich gern in der Nähe von Öfen auf und lieben sogar die Bettwärme bei besonders vertrauten Menschen. Doch kommen sie auch im Winter gut zurecht, wenn ihre Mindestanforderungen erfüllt werden.
Freigänger gehen auch bei kalten Temperaturen auf Tour
Es mögen einmal Wüstentiere gewesen sein, doch bei uns ist ihnen ein wunderbarer Pelz gewachsen, der zuverlässig vor trockener Kälte schützt. Deshalb gehen Freilaufkatzen selbst bei tiefen Temperaturen auf ihre gewohnte Tour, wenn es trocken und nicht zu windig ist. Putzig zu beobachten, wie sie durch Schnee stolzieren, sich ab und an die Pfötchen schütteln. Doch gegen Feuchtigkeit und Wind nützt kein Pelzmantel. Dann genießen sie die behagliche Wärme der menschlichen Wohnung.
Was kann man im Winter für sie tun? Mäntelchen sind überflüssig, die würden die Samtpfoten nur als extrem störend empfinden. In der Wohnung suchen sie sich warme und zugluftfreie Plätzchen, möglichst etwas erhöht. So liegen sie beispielsweise entspannt auf Büchern im Regal. Das sollte man ihnen nicht verwehren, doch nehmen sie auch gern Kratzbäume mit Sitzschalen an.
Halbwilde Hauskatzen im Winter
Und was ist mit den halbwilden Hauskatzen, die keinen festen Wohnsitz im menschlichen Heim haben? Kommen sie in kalten Wintern um? Nein, sie haben sich an ihr freies Leben gewöhnt und wollen nicht in die warme Stube. Deshalb lassen sie sich auch nur selten zähmen, also streicheln und anfassen. Doch sind sie für eine Futterstelle im Außenbereich dankbar. Auch für einen wind- und feuchtigkeitsgeschützten Ruheplatz beim Haus. Wie gesagt, trockene Kälte macht ihnen nichts aus, wohl aber ein knurrender Magen, Feuchtigkeit und Wind.
Erstaunlicherweise hat sich also das Wüstentier Nubische Falbkatze durch jahrelange Haltung in menschlicher Hand zu einem Geschöpf gewandelt, das mit unserem Wohnungsklima sowieso, doch auch mit unserem wechselhaften Wetter gut zurechtkommt. Den Winter brauchen sie nicht zu fürchten.