Eine häufige Frage von Hundebesitzern lautet: "Wir haben einen großen Garten. Aber anstatt sich dort Auslauf zu verschaffen, rennt unser Hund nur an den Zaun und bellt. Kann ich ihm das abgewöhnen?" Nein, das können Sie nicht. Ein Hund verschafft sich keinen Auslauf um des Auslaufs willen. Hunde haben immer etwas vor, wenn sie rausgehen. Einen Hundekumpel treffen, jagen oder einen anderen Hund verjagen, die Gegend nach etwas Fressbarem absuchen - was man als Hund eben so unternehmen kann.
Seit 10 Jahren gehe ich immer mal wieder an einem Garten vorbei. Hündin Anita rast heran und kläfft wütend am Zaun, Frauchen brüllt: "Lass das!" und klatscht in die Hände. Anita bellt weiter. Dies wird sie bis an ihr Lebensende tun. Zu mehr außer einem Pinkelchen wird sie den Garten nicht nutzen. Nur sehr junge Hunde nutzen den Garten, um sich Auslauf zu verschaffen. So, wie Jogger, die nur um des Sports willen, im Kreis herum laufen. Bewegung ohne Motivation ist Energie- und Zeitverschwendung für Hunde. In unserem Beispiel vertreibt Anita den "Feind" vom Zaun. Geht er weiter, haben sie ihre Aufgabe erfüllt - zusammen mit Frauchen, die im Hintergrund mitgekläfft hat. Immer ist der Erfolg sicher.
Wenn ich ein bisschen Zeit habe, bleibe ich mit Shadow vor dem Zaun stehen. Wir sagen nichts, Shadow bellt nicht, wir stehen einfach davor und schauen zu Anita herüber. Anita bellt wütend, dann wufft sie erstaunt, weil wir nicht verschwinden, geht einen Schritt rückwärts, bellend zwei vorwärts und versteht die Welt nicht mehr. Dann zieht sie am Boden schnuppernd und grummelnd ab - schulterzuckend sozusagen. Frauchen lobt, dass der Hund ganz brav sei, hat aber keine Ahnung, dass wir zwei vor dem Zaun Anita eigentlich um ihren Tagessieg gebracht haben.
Sie könnten den Rat bekommen, dass Sie Ihren Hund mit Wasser in die Nase spritzen sollen, wenn er Spaziergänger am Zaun verkläfft. Lassen Sie es sein. Werfen Sie auch nicht mit Ketten, wie es in manchen Hundeshows zu sehen ist. Wenn es sich falsch verknüpft, der Schreck mit dem Gartentor zum Beispiel, haben Sie ein neues hausgemachtes Problem.
Mein Rat: Gehen Sie mit Ihrem Hund in den Garten. Beschäftigen Sie ihn mit Spielchen aus meinem Buch, lassen Sie ihn sein Futter suchen - zweimal eine halbe Stunde genügen - er wird selig und geistig ausgelastet in Ihrer Nähe schlafen, hat kein Adrenalin gespeichert und bleibt ein gesunder Hund - und die Menschen passieren unverbellt den Zaun.