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Oh Schreck - ist das Kaninchen tollwütig?

Kaninchen im Gehege
Wenn Häsinnen plötzlich aggressiv werden, hat das meist einen bestimmten Grund, aber die Sorge vor Tollwut kann der Tierarzt schnell nehmen.

Das klang beängstigend: „Unser Kaninchen hat bestimmt die Tollwut!“ Was war geschehen? Als die Hand der Tierhalterin sich dem Gehege der Kaninchenhäsin näherte, ging dieses sonst so sanfte Tier sofort zum Angriff über.

von Dr. Rolf Spangenberg

Die Häsin attackierte die Hand, kratzte und biss sogar. Das erregte natürlich blankes Entsetzen. Derartige Vorfälle sind Tierärzten bekannt, sie kommen nicht einmal selten vor. Was ist die Ursache?

Zunächst einmal: die für Mensch und Tier immer tödliche Virusinfektion Tollwut kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Tollwut tritt derzeit in Deutschland glücklicherweise nicht auf.

Außerdem würde sich das Virus nicht über die Luft ausbreiten, nicht einmal durch eine Schmierinfektion. Infektiöser Speichel oder Blut müsste durch eine Verletzung (Biss oder Schnitt) in den Körper gelangt sein. Nein, das wäre zu unwahrscheinlich, Tollwut kann man ausschließen!

Untersuchung und Diagnose des Tierarztes

Dem eilends zu dem verrückt gewordenen Kaninchen gerufenen Tierarzt werden meist ein Paar dicke Lederhandschuhe zum Schutz gereicht. Es macht dann aber Eindruck, wenn der Fachmann mit den bloßen Händen geschickt ins Gehege greift und der verblüfften Häsin rasch ins Nackenfell fasst. Mit der anderen Hand unterstützend unter deren Bauch und dann auf den Arm gesetzt. Dort kuschelt sich das vorher noch so wilde Tier geduldig in die Armbeuge und wirkt überraschend friedlich.

Derart ruhig gestellt, kann der Fachmann nun erklären, wie es zu den Angriffen kam. Zunächst wird er aber untersuchen, ob etwa eine schmerzhafte Erkrankung vorliegt, die zu der Aggression führt. Das ist selten der Fall, kommt aber vor.

Die Ursache für das Verhalten

Dann die Vermutung: Häsinnen – und nur diese, keine Böcke – verteidigen in der Brunst ihr Revier. Entweder das ganze Gehege oder ein Teil davon wir von ihnen erbittert verteidigt. Sie haben sich dabei sogar schon gegen Hunde oder Katzen gewehrt. Dieses Gebiet ist für ihre Brut vorgesehen, für andere Geschöpfe ist es gesperrt.

Und was soll man als Kaninchenhalter dagegen unternehmen? Es ist ja etwas lästig, wenn durch die Aggressionen der Häsin die Reinigung des Geheges erschwert wird. Man kann das aufgeregte Tier etwa mit einem Handfeger hinausscheuchen. So kaltblütig wie der Tierarzt wird ein Halter normalerweise nicht sein, es also nicht anfassen wollen.

Muttergefühle der Häsin respektieren

Dauerhafte Beruhigung der Häsin würde ihre Kastration bringen. Das bedingt aber eine Bauchoperation, bei der die Eierstöcke und vielleicht noch die Gebärmutter entfernt werden. Das ist allerhand Aufwand und nicht ganz ungefährlich.

Letztlich bleibt also, die Muttergefühle der Häsin zu respektieren, keine Angst vor ihr zu haben und sich die Hände bei Manipulationen im Gehege zu schützen!