Winzige Wildkatzenkitten sehen bezaubernd und kuschelig aus, doch fauchen sie schon im Nest und wollen sich nicht anfassen lassen. Sie werden niemals zu Schmusekätzchen. Das ist eigentlich keine Ängstlichkeit, sondern eher eine ausgeprägte und im Erbgut angelegte Vorsicht gegenüber allem, was nicht in ihre Wildkatzenwelt passt.
Auch ängstliche Hauskatzenwelpen sind dies zunächst nicht aufgrund von unangenehmen Erfahrungen. Niemand hat sie schlecht behandelt, doch trotzdem bleiben sie zunächst abwartend vorsichtig. Zunächst heißt, diese Vorsicht kann und wird sich voraussichtlich legen, wenn die ersten Erfahrungen mit Menschen ausgesprochen gut sind. Doch muss man sich damit abfinden, dass in diese Winzlinge allerhand vertrauensbildende Maßnahmen zu investieren sind! Wer also in der glücklichen Lage ist, sich aus einem Wurf ein Kätzchen aussuchen zu dürfen, sollte nicht unbedingt zu dem Frechsten greifen, das ihm leise fauchend entgegen tapst, doch auch nicht zu dem, das sich vorsichtig abwartend in eine Ecke drückt. Ideal wäre, wenn schon beide Elterntiere richtig verschmuste Stubentiger sind.
Schlüsselmomente können nie gekannte Ängste auslösen
Soweit zu der angeborenen Ängstlichkeit. Doch können auch ausgewachsene Katzen urplötzlich ängstlich werden, zumeist nur bei einer Gelegenheit. Dabei ist nicht an schlechte Behandlung durch die pflegenden Menschen gedacht. Das lässt sich keine Katze gefallen und verschwindet bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit. Die Katze kann aber beispielsweise ruhig in der Küche gesessen und sich an ihrem Napf gütlich getan haben. Plötzlich entgleitet der Hausfrau eine Schüssel und zerscheppert auf dem Fliesenboden! Von Stund an will die Katze nicht mehr in die Küche, ja, sie kann sogar ihren Napf oder das gewohnte Futter ablehnen. Es ist ihr völlig egal, wer an dem kleinen Unfall die Schuld hatte, sie ist zu Tode erschreckt und beleidigt. Ähnliches kann den Katzen auch unbemerkt vom Menschen passieren, vielleicht bei einem Jagdausflug in der Umgebung. Irgendetwas hat sie erschreckt, sie wirkt verändert und lehnt manches ab, was ihr früher gut gefallen hat.
Ängste ernst nehmen und sanft entgegen wirken
Was kann man als fürsorglicher Mensch nun gegen eine derartige Ängstlichkeit oder Ablehnung unternehmen? Manche Verhaltensauffälligkeiten lassen sich einfach akzeptieren. Warum nicht den Napf in eine andere Ecke stellen, die plötzlich verhasste Toilette verschieben oder die Futtersorte wechseln? Ein Katzenhalter muss nachgiebig sein und Kompromisse eingehen können. Wenn nicht bekannt ist, was der Katze in die Quere kam, oder die Ängstlichkeit angeboren ist, hilft nur geduldiges Eingehen auf ihre Launen. Diese Tugend ist für einen Katzenfreund unerlässlich. Sie ganz vorsichtig zu streicheln versuchen, an ungeliebten Plätzen Leckerlis auslegen, nur leise mit ihr reden und eventuelle eigene Wutausbrüche lieber an Familienmitgliedern abladen. Die häusliche Situation wird entschärft, wenn man ein Stress linderndes Geruchshormon (= Pheromon) vom Tierarzt als Zerstäuber einsetzt. Damit kann man die Zuneigung der Katze erringen und ihre Ängstlichkeit verringern. Doch die beste Behandlung besteht immer noch in großer Geduld und das Eingehen auf kätzische Eigenheiten, die von anderen Menschen auch als Launen bezeichnet werden!