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Materialprüfung : Wenn „Bruno“ zubeißt

Zubehör

Das Prüfinstitut SKZ aus Würzburg bietet seine Dienste jetzt auch der Heimtierbranche. Anbieter von Bedarfsartikeln aus Kunststoff können ihre Produkte dort auf Herz und Nieren testen lassen.

Den TÜV kennt wohl jeder, aber nur wenige dürften mit der Abkürzung SKZ etwas anfangen können. Dabei ist das Unternehmen hinter der Abkürzung durchaus eine große Nummer. Von Fensterprofilen bis zu Abwasser- und Trinkwasserrohren, SKZ – Das Kunstoff-Zentrum hat sich als Prüfinstitut einen Namen in der Baubranche gemacht, ist spezialisiert auf Kunststoffe und prüft alles rund ums Haus.

Auch andere Branchen nutzen die Expertise des Institutes. So werden etwa sämtliche Tischtennisbälle untersucht, die bei Olympischen Spielen zum Einsatz kommen. „Wir schauen unter anderem, ob die Bälle rund laufen“, sagt SKZ-Vertriebsleiter Alexander Ebenbeck. Das Institut hat seinen Hauptsitz in Würzburg, vier weitere Standorte gibt es in Halle, Horb, Peine und Selb.

Halter würden mehr zahlen

2022 hat SKZ eine Umfrage unter 440 Käuferinnen und Käufern von Hundespielzeug gemacht. Ergebnis: 86 Prozent von ihnen wären bereit, für geprüfte Produkte mehr zu bezahlen. Motiviert durch diesen Wert hat das Unternehmen nun einen neuen Geschäftsbereich entwickelt und bietet seit Kurzem umfassende Prüfungen für Kunststoff-Heimtierbedarf.

Zuvorderst hat das Institut dabei Hundebedarfsartikel im Sinn, etwa Frisbee- Scheiben, Zerrseile oder Kauknochen. Artikel für andere Tiergattungen können aber auch geprüft werden. Die Tests seien gemeinsam mit Tierärzten entwickelt worden, sagt Ebenbeck.

Alltäglicher Gebrauch als Maßstab

Beim Hundespielzeug gehen die Tester vom alltäglichen Gebrauch aus: Hunde knabbern manchmal stundenlang am Spielzeug herum. Beim Kauen geben die Tiere Speichel ab. Ist der Spieltrieb dann erstmal befriedigt, bleibt das Produkt vielleicht längere Zeit im Garten liegen und ist Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die Tests, die Anbieter an ihren Artikeln durchführen lassen können, umfassen dementsprechend drei Bereiche, wie SKZ-Senior-Projektmanagerin Anja Armani erklärt.

Die Produkte werden hinsichtlich möglich enthaltener Schadstoffe untersucht, beispielsweise Phthalate oder Schwermetalle. Kein Halter möchte, dass gesundheitsgefährdende Substanzen vom Tier aufgenommen werden. Auch werden die Produkte auf ihre Wetterbeständigkeit hin überprüft. Färbt ein Produkt beispielsweise aus oder wird spröde, wenn es einige Zeit in der Sonne gelegen hat? Und schließlich wird im dritten Bereich das Produkt auf seine mechanische Beständigkeit hin untersucht, also hinsichtlich der Frage, ob der Hund darauf herumkauen kann, ohne dass er oder sein Spielzeug Schaden nehmen. Hier kommt dann „Bruno“ ins Spiel.

Tausende Bisse

SKZ hat hierfür das Gebiss eines Golden Retrievers originalgetreu aus Edelstahl im 3D-Verfahren sintern lassen. Bei der mechanischen Belastungsprüfung simulieren die Tester im Labor das Beißverhalten eines Hundes mittels einer Apparatur und des Stahlgebisses. Die Mitarbeiter des Institutes haben diese Prüf-Einrichtung „Bruno“ getauft.

„Bruno“ beißt beim Test dann mit einer bestimmten Kraft 10.000 Mal auf einem Kunststoff-Produkt herum. Mit diesem Experiment soll die Frage beantwortet werden, ob das Tierspielzeug echten Belastungen standhält. Anja Armani sagt, dass auf Anfrage auch andere Hunderassen oder auch Katzen simuliert werden können, sollte das gewünscht sein.

„Mit unseren Prüfungen geben wir Herstellern, Händlern und Endkunden klare, unabhängige Sicherheit in Qualität und Gebrauchstauglichkeit der getesteten Produkte“, heißt es auf der Internetseite des Institutes. Unternehmen können das Siegel für maximal drei Jahre erhalten und damit werben. Wenn vom Unternehmen gewünscht, werde der Prüfbericht im Internet veröffentlicht, sagt Vertriebsleiter Alexander Ebenbeck. Erste Hersteller hätten das Siegel bereits bekommen. Jetzt will SKZ mit dem Service durchstarten. Zielgruppe sind die Qualitätshersteller in Europa.