Ziel war es, ein Geschirr zu entwickeln, das dem Hund maximale Freiheit lässt und dem Menschen zugleich höchste Sicherheit bietet. Der zza sprach mit der Hunter-Tierärztin Dr. Julia Vietmeier, die in enger Teamarbeit an der Entwicklung beteiligt war.
zza: Frau Dr. Vietmeier, was hat Sie veranlasst, für Hunter das Hundegeschirr „Ergomove Pro“ mitzuentwickeln?
Dr. Julia Vietmeier: Als Tierärztin und Chiropraktikerin beschäftige ich mich seit über 20 Jahren intensiv mit der Biomechanik der Fortbewegung des Hundes – stets mit besonderem Fokus auf die langfristige Gesunderhaltung des Bewegungsapparates. Wie läuft der Hund am besten? Und wie kommt das Laufen an der Leine dem freien Laufen möglichst nahe? Denn selbst ein hochwertiges Geschirr beeinflusst zwangsläufig Bewegungsabläufe und wird die Bewegungen des Tieres immer in irgendeiner Form einschränken. Hunde reagieren darauf häufig mit subtilen Kompensationsbewegungen, die langfristig zu Fehlbelastungen und Beeinträchtigungen führen können. Unser Anspruch war es daher, ein Geschirr zu entwickeln, das den Hund in seiner natürlichen Bewegung so wenig wie möglich limitiert und maximale Bewegungsfreiheit mit funktionaler Unterstützung verbindet.
zza: Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Dr. Vietmeier: Wir haben ein spezielles kamerabasiertes Laufband mit 9.200 Sensoren genutzt, um das Laufen von Hunden präzise zu vermessen. Ziel war eine vollumfängliche Ganganalyse mit Daten zu Schrittlängen, Schwerpunktverlagerung, Pfotendruck und vielem mehr, um das Laufbild des Hundes besser zu verstehen. Dafür haben wir ganz unterschiedliche Hunde darauf laufen lassen – zunächst nur mit Halsband, dann mit verschiedenen Geschirrtypen. Daraus haben wir abgeleitet, welche Bereiche wie belastet werden. Mit diesen Erkenntnissen haben wir verschiedene Geschirr-Prototypen entworfen und erneut getestet – so lange, bis wir das gewünschte Ergebnis erreicht hatten. Darauf basiert nun das neue „Ergomove Pro“. Die Ergebnisse haben unsere Erwartungen bestätigt, denn es lässt den Hund fast so freilaufen wie ohne Geschirr. Übrigens haben wir auch diverse Schutzrechte angemeldet, um diese Innovationsleistung zu würdigen.
zza: Wie haben Sie das geschafft? Anders gefragt: Welche Funktionen machen das Geschirr so optimal?
Dr. Vietmeier: Ganz wichtig sind das biomechanische Design und die vier Verschlüsse. Es handelt sich um magnetische, bewegungsadaptive Schnallen, die sich jeder Bewegung des Hundes anpassen. Zum einen erleichtern sie das Handling beim An- und Ausziehen, zum anderen kann das Geschirr dadurch wirklich körpernah getragen werden. Und das ist das A und O bei einem Geschirr: Wenn es nicht richtig sitzt, beeinflusst es wieder den Gang. Hier spielt der Fachhandel eine wichtige Rolle, denn er kann dem Halter zeigen, worauf es ankommt, und entsprechend beraten.
Ein weiterer Pluspunkt ist die EVA-Polsterung, die ganz ohne Nähte auskommt. Man muss sich das vorstellen wie bei der Rückenpolsterung eines modernen Rucksacks – so werden Druckstellen vermieden. Außerdem besitzt das Geschirr einen Wirbelkanal entlang des Rückgrats. Diese Idee haben wir uns von Reitsätteln abgeschaut. So kann das Geschirr keinen Druck auf die Dornfortsätze der Wirbelsäule ausüben. Ganz wichtig war uns zudem, dass das Schulterblatt frei liegt und frei rotieren kann. Sehr am Herzen lag uns auch das Thema Belastungsspitzen: Am Aluminiumring ist ein Ruckdämpfer integriert, der sowohl den Rücken des Hundes als auch die Gelenke des Halters schützt – das ist gerade bei jungen oder impulsiven Hunden, die gerne mal ins Geschirr springen, ein enormer Vorteil. Und weil Hunde im Alltag ganz unterschiedlich unterwegs sind, haben wir mehrere Leinenbefestigungen integriert – vom entspannten Stadtspaziergang über das Training bis hin zum Einsatz mit der Schleppleine.
zza: Welche Rolle spielt die individuelle Anpassung an den einzelnen Hund?
Dr. Vietmeier: Eine sehr große. Kein Hund ist wie der andere. Selbst innerhalb einer Rasse gibt es enorme Unterschiede im Körperbau. Deshalb lässt sich das „Ergomove Pro“ fünffach verstellen und damit wirklich präzise an nahezu jeden Hund anpassen. Das ist ideal für wachsende Hunde, aber auch für Mehrhundehaushalte. Und für Halter, die zusätzlichen Schutz brauchen, etwa bei ängstlichen Hunden oder auf Reisen, lässt sich das Geschirr mit einem optionalen Taillengurt im Handumdrehen zum Sicherheitsgeschirr erweitern.
zza: Wie war bislang die Resonanz auf Ihre Neuentwicklung?
Dr. Vietmeier: Wir haben eine großartige Resonanz erhalten. Insbesondere aus veterinärmedizinischer Sicht gab es viel Lob: Vor allem für ältere Hunde, die vielleicht schon Gelenkprobleme haben, sei das Geschirr ideal. Ich freue mich sehr, dass Hunter so viel Wert auf ergonomische Produkte legt und meinen Vet-Blick schätzt. Das Projekt hat uns auch gezeigt, dass Geschirre sehr individuell sind und je nach Aktivität unterschiedliche Modelle benötigt werden. Eines unserer Learnings war daher: Hunde sollten am besten mehrere Geschirre besitzen und diese immer mal wieder wechseln. Auch hier kann der Fachhandel entsprechend beraten. Außerdem haben wir das Geschirr einem Härtetest unterzogen. Wir konnten den Border Collie und Top Dog Germany 2023 „Ninja“ sowie dessen Halter Dodo dafür gewinnen, das Geschirr in Berlin zu testen. Normalerweise trägt „Ninja“ beim Parkour-Sport kein Geschirr. Doch er akzeptierte es vom ersten Moment an – und seine Bewegungsabläufe waren wie immer schnell, präzise und kontrolliert. Egal ob Sprünge, Richtungswechsel oder Tempo: Das Geschirr ließ dem Hund den Raum, den er braucht.