Artikelarchiv
Bewital Petfood__So nachhaltig wie möglich

Der nordrhein-westfälische Futterhersteller Bewital feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Auch wenn die Futterproduktion vor mehr als einem halben Jahrhundert noch anders aussah – die Unternehmerfamilie Wigger hat sich stets dem Land, den Menschen und der Umwelt verpflichtet gefühlt.
Sein Vater sei aus der Landwirtschaft gekommen, sagt Dr. Jürgen Wigger, der sich als Geschäftsführer von Bewital Petfood in der Bewital Unternehmensgruppe um die Sparte Heimtierfutter kümmert. Das wichtigste Asset eines jeden Landwirtes sei eben das Land, das er bewirtet. Daraus entsteht ein gesteigertes Interesse daran, dass dieses Land in seiner Grundbeschaffenheit erhalten bleibt.
Dem Land nur so viel abzuverlangen, dass es auch zukünftig weiter Früchte abwirft, ist sozusagen die Maxime landwirtschaftlichen Handelns. Es ist zugleich die Definition des Begriffes Nachhaltigkeit und lässt sich so auch auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen.
In den 60ern noch kein Thema
Als Bernhard Wigger 1963 Bewital gründete, war das Thema längst noch nicht so sehr im öffentlichen Diskurs angekommen, wie das heute der Fall ist. Aber seitdem haben sich ja auch einige Dinge geändert. Bewital produziert mittlerweile Futter für Heim- und Nutztiere, ist ein arriviertes Unternehmen, bietet Arbeitsplätze im Raum Südlohn und engagiert sich für Mitarbeiter und Gemeinde.
Die Menschen sind ihm wichtig, das merkt man Jürgen Wigger an, wenn er über Heimat, Radfahren und Fußballclub spricht. Es ist das Verantwortungsbewusstsein eines echten Unternehmers, das immer wieder durchklingt. Es klingt authentisch und nicht wie ein Marketing-Gag. Wigger weiß auch, dass es mit sozialem Engagement längst nicht mehr getan ist. „Wir wollen Umfeld und Umwelt so gestalten, dass sie eine Basis für unsere Kunden und uns selbst bieten“, sagt er.
Junge Menschen schauen genau hin
Noch sei Nachhaltigkeit nicht wirklich kundengetrieben. Aber für die Mitarbeitergewinnung, in Zeiten des vielzitierten Fachkräftemangels ein zentrales Zukunftsthema für jedes Unternehmen, sei Nachhaltigkeit sehr wichtig. Gerade junge Menschen schauten genau hin, was der potenzielle Arbeitgeber so treibt.
Bei den Kunden jedoch zähle vor allem die Qualität, so Wigger. Man darf damit rechnen, dass sich das zusehends ändern wird. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich Kundenbedürfnisse in anderen Branchen langsam in diese Richtung bewegen. Wann sich das wie stark auch auf die Petfood-Branche auswirkt, ist vielleicht noch nicht sicher.
Aber Unternehmern wie Jürgen Wigger ist klar, dass es Druck gibt. Gerade ein Wirtschaftszweig, in dem Fleisch zentraler Rohstoff ist, wird zukünftig Lösungen finden müssen, um Ökonomie und Ökologie sinnvoll übereinander zu bringen. „Die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Industrie hängt davon ab“, sagt Wigger.
Kräftig investiert
Auch wenn der Geschäftsführer betont, dass sein Unternehmen nicht das einzige sei, das sich beim Thema Nachhaltigkeit engagiert, ist Bewital durchaus beispielgebend. Die Südlohner Firma unternimmt erhebliche Anstrengungen, die eigene Geschäftstätigkeit zu dekarbonisieren, wie Jürgen Wigger sagt.
Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, hat er in Technik investiert. Ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage liefern den benötigten Strom. Ein Biorieselbettfilter reinigt seit 2016 die Luft. Mit der entstehenden Wärme aus dem Blockheizkraftwerk wird das Fleisch gekocht.
Mit einem modifizierten Verfahren kann Bewital frisches Fleisch verarbeiten, ohne es vorher trocknen zu müssen. Im Ergebnis spart das Unternehmen so allein durch die wegfallende Fleischtrockung rund 30 Prozent der vormals verursachten CO2-Emissionen.
Wigger will weg vom Gas
Für diese Investitionen wurde Bewital vom Bund gefördert aus einem Topf für besonders ressourcenschonende und zukunftsweisende Technologien. Darüber hinaus werden täglich rund 40.000 Liter Wasser im Produktionsprozess zurückgewonnen. Ein weiteres Ziel sei es, irgendwann Erdgas als Energieträger durch Wasserstoff und andere Quellen zu ersetzen, so Wigger.
Auch Nina Mbiti kümmert sich bei Bewital um die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit. Sie sagt, dass es für die Auswahl der Lieferanten zu einem wichtigen Kriterium geworden sei, wie nachhaltig sie produzieren und liefern. So versuche man zusehends auf regionale Lieferanten zurückzugreifen, um Transportwege zu verkürzen und so die Umwelt zu schonen.
Bei den eingesetzten Materialien wie Pappe und Folien sei Bewital Petfood mittlerweile bei einer Recyclingquote von 92 Prozent angekommen. Jürgen Wigger erinnert sich noch an Zeiten, als das ganz anders war: „Früher kam alles in einen Container und wurde verbrannt.“
Stetiger Prozess der Verbesserung
Weil das Unternehmen das Umweltthema so wichtig nimmt, will die Geschäftsführung die Belegschaft bei diesem Prozess bestmöglich mit ins Boot holen. Das Engagement unterliege einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess, so Wigger. Alle sechs Wochen schauen die Verantwortlichen gemeinsam auf die Zahlen, auch auf jene zum Komplex Nachhaltigkeit.
Die Ziele würden detailliert gesetzt, auch für die Produktionsverfahren. Rezepturen würden optimiert und der Fußabdruck jedes einzelnen Artikels werde über den gesamten Lebenszyklus verfolgt. Kurz: Nachhaltigkeit werde im gesamten Unternehmen gelebt, sagt Jürgen Wigger.
Initiative in Bangladesch
Eine zu einhundert Prozent nachhaltige Produktion hält er zwar nicht für möglich. „Aber wir wollen so nachhaltig wir irgend möglich sein“, sagt er. Der Rest müsse dann über Kompensationsmaßnahmen abgegolten werden.
So unterstütze Bewital beispielsweise ein Initiative, die es Menschen in Bangladesch ermöglichen will, einen Herd anzuschaffen. Viele Familien dort kochten ihre Nahrung noch immer über offenem Feuer. Der Wirkungsgrad der Wärmeerzeugung sei dabei deutlich schlechter, als bei einem Herd. Erreicht das Projekt sein Ziel, würde das nicht nur die Umwelt schonen, sondern zugleich die Gesundheit der Frauen schützen, die sonst weiter täglich den Rauch eines offenen Feuers einatmen müssen.
Dominic Heitz
Seite empfehlen
Bookmark
Drucken
vorheriger Artikel